2. April 2012

Da wir schon bei den Herzenssachen gewesen sind, habe ich auch eine Taxi-Anekdote zum Thema parat:

Bei uns beschäftig Taxi oft mehrere Mitglieder aus einer Familie: Väter, Söhne, Töchter, Ehepartner usw. Alle fahren natürlich nicht. Zum Beispiel hat der Mann ein Taxi und seine Frau arbeitet in der Zentrale. Bei solchen Fällen entsteht natürlich der Verdacht, dass alle Aufträge möglicherweise nicht korrekt vermittelt werden. Seitdem die Aufträge über GPRS- Verbindung auf den Boardcomputer kommen, weiß niemand, wer was von den Aufträgen abbekommt. Und niemand ist mißtraurischer als der Taxler.

Wenn uns die Technik mal in Stich lässt, der Server stürzt ab, o.Ä., und die Aufträge wieder über Funk vermittelt werden müssen, konkretisieren sich manches Mal unsere Verdächte:

Die Zentrale: "Stand 26?"

(Keine Antwort)

Die Zentrale: "Straße X, Hausnummer 1."

Auto 1: "Auto 1 in der Y-Straße."

Auto 2: "Auto 2 in der Z-Straße."

Die Zentrale: "Auto 2: Straße X, Hausnummer 1."

Auto 1: "Was? Er ist doch überhaupt nicht am nächsten daran!"

Auto 3: "Am nächsten am Herzen, Alter. Darum geht es. Du hattest keine Chance."


Und damit wünsche ich euch allen einen schönen Wochenbeginn!

31. März 2012


Also, da hat jemand wohl nicht verstanden, dass wir keinen neuen Schnee brauchen, echt nicht. Mann, wir haben es so satt!

29. März 2012

Ein Frühlingstag. Zu Beginn alles grau, auf einmal drängt ein zauberhaftes Sonnenbündel durch die Wolken hervor. Dann der Regen. Und naher lockert der Himmel langsam wieder auf.
"Blumen für die Frau zu Hause?"
So lautete die entscheidende Frage an mich am Sonnabend. Nein danke, möchte jetzt keine Blumen kaufen. Und in dem Moment wusste ich es. Es gab nur einen Ausweg für mich.

Am Montag war es so weit. Wir saßen zu zweit in der Küche. Ich erzählte ihr, was passiert war, auch an der Uni, und was das alles für mich bedeutete: Es ist nicht mehr wie früher zwischen uns. Ich bin alles andere als glücklich. Tränen. Dann das Geständnis: Sie wisse, es geht uns beschissen. Ihr habe nur die Kraft gefehlt, mit mir darüber zu sprechen. Sie wisse es auch, unsere Beziehung ist seit langem wie eine Partnerschaft in einer Firma. Dies zuzugeben tue aber weh. Dass die Gefühle gestorben sind, möchte doch niemand zu hören bekommen. Ich versicherte ihr, ich habe sie nicht verletzen wollen. Aber ich konnte nicht anders.

Wir sind seit elf Jahren verlobt und jetzt ist plötzlich alles offen. Für mich ist die Gefühlswüste, die ich gewohnt war, keine Option mehr. Was auch immer demnächst passiert, wichtig dabei ist, dass wir einander und unsere Lage mit offenen Augen betrachten.

Bevor ich für mein rücksichtsloses Handeln in dieser Frauengeschichte ans Kreuz genagelt werde, gestattet doch eine Frage: Was hat man von dem Schweigen eigentlich? Wir sind hier nur einmal. Aber zugegeben: Einer Frau persönliche Dinge laut zu sagen, ist verdammt schwer. Oder einer Person anderen Geschlechts überhaupt, bekannt oder nicht. Unglaublich. Nur Mut.

27. März 2012

Mein Chef besitzt Wald, ganz schön viel eigentlich, und wieder ist die Zeit des Jahres angekommen, wo er sich lieber mit den dazugehörenden Angelegenheiten als mit seinem Taxigeschäft beschäftigt. Weil ich momentan nur an Wochenenden fahren kann, und möchte, heißt es nun, dass ein zweiter Fahrer vorübergehend reinspringen muss.

Einen hat der Chef schon parat. Und was für einen! Rund 60, kennt jeden in der Branche - und alle kennen ihn. Nämlich, nach regelmäßigen Abständen nimmt er sich, wie es die Kollegen am Bahnhof ausdrücken: "Sonderurlaub zur Erhaltung und Wiederherstellung der Arbeitskraft"; will sagen, er trinkt ein oder zwei Wochen, bis er physisch, psychisch und finanziell am Ende ist und furchtbar verschwollen und mit roten Augen zurück zur Arbeit kehren muss.

Nach seinem neuesten Comeback hat er Arbeit in einem Auto gefunden, das derzeit mit überdimensional großen, gelben Werbeaufklebern verhüllt ist. Um die Arbeitsstunden der kommenden Monat mit ihm teilen zu können, soll ich die Sache selbst mit ihm besprechen, was ich am kommenden Freitag am Stand auch erledigen werde. Ihn zu finden, müsste einfach sein, denn selbstironisch und seine Situation durchaus erkennend hat er meinem Chef eine Anweisung für mich gegeben:
"Der Zirkuswagen, wo ein Clown drinne sitzt, das bin ich."

24. März 2012


"Sex ist wie mühsames Masturbieren. Und hinterher beschwert sich noch die Hand über die Leistungsdauer, -technik und völlig ausgebliebenen Emotionen."

Reine Schadenfreude füllte meine Seele als ich gestern beim Morgenkaffee dieses Zitat in unserer lokalen Zeitung Aamulehti lies. Das Blatt ist wirklich keine Perle unter den europäischen  Zeitungen, und oft sind die Versuche ihrer Redaktion, die Welt zu erklären, Schüsse ins Leere geblieben. Und jetzt dies! Wie hübsch! Sie ist schon eine witzige Bemerkung, aber "unter Jungs" und nicht in der Zeitung. Der verantwortliche Journalist dürfte bereits von seinen Eiern an der Decke hängen.

Auf der Arbeit versuchte ich dann herauszufinden, wie diese Bemerkung bei den Leuten angekommen war. Eine klare Antwort bekam ich nicht, irgendwie gab es die richtige Kundschaft nicht und es schien mir, dass die meisten hätten die Bemerkung gar nicht gelesen. Und dann am späten Abend ein Kollege:

"Das Gute an Masturbieren ist, dass man selbst wählen kann, mit wem man vögelt."

Hirnloser Affe. Wie peinlich. Es fiel kein Wort mehr. Ich ging zurück zu meinem Auto, stieg ein, schloss die Autotür und lachte los. Wo bin ich hier eigentlich?

23. März 2012

Die junge Dame, die in Peltolammi vom Bild verschwand und ihren Kopf gegen die Wand schlug - sie blutete übrigens heftig - hat den Vorfall überlebt. Die fehlende Summe von 10€ war am Montag auf mein Konto überwiesen worden.

Heute hat es in der Lokalzeitung eine witzige Bemerkung über Sex gegeben. Ich versuche heute Abend herauszufinden, ob sie Resonanz bei der Taxikunschaft gefunden hat. Worum es geht, erzähle ich euch morgen.

21. März 2012

Frühling und ein neuer Layout mit Farben! Ich wurde darauf aufmerksam gemacht, dass weiße Schrift auf schwarzem Grund möglicherweise nicht ideal ist. Mit dieser Lösung habe ich versucht, die Stimmung der dunklen Jahreszeit des Nordens zu vermitteln. Aber hier oben beginnt ja langsam die Zeit, wo es hauptsächlich hell ist. Das will der neue Layout jetzt imitieren. Hoffe, es gefällt euch.

Ich war bei der Polizei am Montag. Es war unangenehm, wie immer. Eine Stunde saß ich da, bis mir dann der Herr Ermittler einen kurzen Text über den Tisch reichte. Er war wirklich kein langer Text, aber wegen den Satzkonstruktionen und zahlreichen Tippfehlern habe ich ihn zweimal lesen müssen, bevor ich alles verstanden habe. Unterschrieben habe ich das Papier, oder sachlich ausgedrückt Verhörprotokoll troztdem.

Mein alter s124er hat vor kurzem den Kilometerstand von 400 000 km erreicht.  Der w211er meines Chefs hat jetzt 506 000 km im Tachometer. Schlecht gebaut ist er auch nicht. Der Alte hat endlich einen neuen E200 CDI bei einem deutschen Autohändler bestellt, nach zwei Jahren Hin und Her. War ja ehrlich gesagt die höchste Zeit. Der neue Wagen wird jetzt gebaut, aber erst im August geliefert. Grund dafür ist, dass er beim Händler als Vorführwagen drei Monate stehen wird. Es kann sein, dass ich ihn aus Heide abhole - wenn mein Chef genug zahlt.

Fliegenfischen-Saison steht vor der Tür. Hurra! Unterkunft am Fluss Teno für die Wochen 24- 25 und 31 ist bereits gebucht. Wahrscheinlich gehen wir auch rüber nach Norwegen für ein paar Tage. Bevor es so weit ist, werde ich beim Aufbau der Fliegenfischen Messe Tampere am 14. und 15. April helfen. Frühling ist die Jahreszeit fürs Planen!

18. März 2012

Es ist lange her, dass ich das letzte Mal die Touren aufgelistet habe, die ich während der Nacht gefahren habe. So verlief  meine Schicht gestern. Beginn war 17:00 Uhr:

- Kissanmaa - Välimaankatu 1: ein junger Herr mit einem Rucksack voll von Bierflaschen auf dem Weg zu seinem Bruder.
- Sammokatu 8 - Satamakatu 8: eine Dame aus Helsinki, die zu Besuch bei Freunden war.
- Uni-Klinik, Dialyse - Kalkku: ein älterer Herr, sehr schweigsam.
- Rahola - Busbahnhof - Iidesranta: zwei junge Herren auf dem Weg zur Einzugsfest, Krach vorhergesagt.
- Kissanmaa - Club Pakkahuone: ein Ehepaar auf dem Weg zum Stand-Up-Festival. Der Herr Autoliebhaber, quatschte mich voll, obwohl ich nicht besonderes auf Autos stehe.
- Tampere-Haus - Hotel Ilves: ein älteres Paar. Die Fahrt kostete €10,60, eine Ermässigung von 60 Cent, weil ich zu faul war, um das Kleingeld rauszuholen.
- Stand 4 - Nachtclub Seurahuone: ein Ehepaar, das Tanzen wollte. Die Zeit: 21.30 Uhr.
- Kissanmaa - Hämeenkatu 10: vier junge Herren unter 20 Jahren. Wenig Geld, aber es hat dann doch geklappt mit der Zahlung.
- Stand 4 - Hallila: ein Unternehmerehepaar, ewig zusammen, aber wie Hund und Katz.
- Hotel Ilves - Atala: ein junges Ehepaar, der erste gemeinsame Abend seit langem. Zum Abendbrot stand Sushi auf der Liste, und zwar zu Hause und zu zweit.
- Pub Tasanne - Bistro 2h+k: vier Herren aus der Restaurant-Branche. Klatschtanten.
- Bahnhof - Pyhältö in Lempäälä: ein Ehepaar, nette Leute von einer Firmenparty kommend.
- Bahnhof - Siuro in Nokia: noch ein nettes Paar. Die Fahrt kostete über 40€, aber sie legten noch einen Fünfer drauf als Trinkgeld.
- Bahnhof - Korkinmäki: ein junger Herr, froh darüber, dass er nicht noch mehr getrunken hatte. Das war ich auch.
- Bahnhof - Janka: zwei Herren und eine Dame, die Herren trugen Lederjacken mit draufgenähten Ami-Flaggen. Für sie war der Benz zu klein, versteht sich.
- Bahnhof - Lamminpää: zwei Damen, von denen die eine bereits in Epilä ausstieg.
- Nachtclub Seurahuone - Haapalinna - Tesoma: eine Dame und ein Herr, Mitte 50. Er zahlte bis Haapalinna, €15.60 + 4,40 Trinkgeld. Sie zahlte den Rest, €7,80, kein Trinkgeld.
- Eteläpuisto 4 - Linnainmaa - Kangasala: drei Fahrgäste, die miteineander befreundet waren, hatten eine Geburtstagsparty besucht.
- Bahnhof - Annala: drei Partygänger, die in einer Privatwohnung weiterfeiern wollten.

Die Zeit: 04:50 Uhr. Feierabend mit einer Kasse von € 458,80. Wünsche Euch allen einen guten Wochenbeginn!

17. März 2012

Ein Kollege rief mich vor ein paar Stunden an und fragte, ob die Polizei bereits mit mir gesprochen habe. Die Polizei? Ach, genau! Gestern Nacht hat es einen Ueberfall gegeben. Ich hatte einen Fahrgast in Kaukajärvi abgesetzt, als ein Taxi um die Ecke Alarm schlug. Plötzlich sah ich dann den Wagen an mir vorbeifahren. Ich drehte mein Auto um und fuhr ihnen hinterher. Der Wagen hielt an, die Tueren gingen auf, und ein Mann und eine Frau sprangen raus. Der Kollege und ich verfolgten sie, aber die beiden konnten sich in der Menschenmenge vor der naheliegenden Eissporthalle aus dem Staub machen. Die Bullen kamen an, aber es war zu spät. Die Täter hatten den Fahrer mir einer Spritznadel gedroht und wollten Geld. Er hatte nur 60€ in Bar. Dann wollten sie seine Bankkarte und die Kennzahl haben und drohten, ihn zu schiessen, wenn er sich weigern oder etwas versuchen wuerde. Sie waren beim Bankomat angegommen, als ich auftauchte.

So, und jetzt muss ich morgen oder am Montag aufs Revier, weil ich da war und die Täter gesehen habe. Gottverdammter Fixer! Wegen meiner Vergangenheit als Berliner Hausbesetzer bin ich prinzipiell kein grosser Fan der Bullen. Aber ich werde hingehen und erzählen, was ich gesehen habe, denn Fixer sind das Allerletzte, was es gibt.
Gestern fuhr ich eine alleinerziehender Mutter mit drei Kindern von der Uni-Klinik nach Urjala, wo ich letztes Jahr drei Monate als Lehrer tätig war. Obwohl ich ihre Kinder alle kannte, sprachen wir vom Schulwesen hauptsächlich nur auf der allgemeinen Ebene. Ein paar nette Anekdote erzählte sie mir doch noch. Sie war eine serh ruhige und bodenstänsige Frau. Die Tour war ein merkwüdiger Zufall auch deshalb, weil ich noch am vorigen Tag jemandem von Urjala erzählt hatte. So ist es beim Taxi eben. Einmal saßen wir im Wagen eines Kollegen vor der Uni-Klinik, und ich beklagte mich bei dem darüber, dass ich überall gewesen war, nur in Heinola noch nie. Und was glaubt ihr, wohin dann gleich die nächste Tour ging? Richtig.

In der Nacht habe ich mich dann wieder wie ein wahrer Ritter benommen. Ich habe ja immer davon geschwärmt, wie die finnischen Frauen die absolute Spitzenklasse darstellen. Dieser Meinung bin ich immer noch, nur wenn es um die Sache mit dem Alkohol geht, ist da bedaurlicherweise gewisse - hmm, ja -  Schwankung zu beobachten. Es war gegen drei Uhr, und ich hatte eine junge, stockbesoffene Dame vom Hotel Ilves nach Peltolammi befördert. Vor ihrem Wohnhaus stellte es sich heraus, dass sie nicht genung Bargeld bei ihr hatte und ihre Electron-Karte nicht kooperationswillig war. Sie schuldete mir noch zehn Euro. Um sie schnell loszuwerden, schlug ich vor, dass sie mir das Geld am nächsten Tag auf mein Konto überweist. Ok, kein Problem. Als sie dann ausstieg, stürtze sie sofort ab und schlug ihre Schläfe gegen die Betonwand. Um Gottes Willen! Ich nahm Papier mit und rannte zu ihr, half ihr auf die Füße und fragte, ob ich sie zur Erste-Hilfe-Station bringen sollte. Nein, das wollte sie nicht. Sie wolle nach Hause. Na gut. Ich öffnete die Tür und half ihr zum zweiten Stock, wo sie wohnte. Ihre Wohnungstür musste ich auch noch öffnen, sie hätte es nicht geschafft. Endlich war ich sie los. All das, obwohl sie mir Geld schuldete. Bin ich blöd oder was? Nee...

15. März 2012

Mal vorm Vaasaer Krankenhaus


Es war ein großer Tag heute. Damit meine ich nicht das Bild, das ich oben hinzugefügt habe. Nein, heute ging es um etwas von Bedeutung. Es ging um die Art und Weise, wie wir unsere Lebenszeit verbringen und mit unseren Mitmenschen umgehen. Es ist wohl klar, dass mein Post diesmal sehr persönlich wird und eigentlich wenig mit dem Taxifahren zu tun hat. Aber ihr könnt ja jederzeit aufhören, zu lesen.

Na, wusste ich doch. Also, die Frage lautet: Wie kann es sein, dass man beziehungsmäßig mehr als zehn Jahre ein ganz normales Leben - mit den Ups und Downs - führen und dabei denken kann, alles sei in Ordnung, bis man plötzlich merkt, dass allein die Anwesenheit einer anderen, völlig unbekannten Frau, die man nicht einmal angesprochen hat, die Gedanken durcheinander bringen kann? Und es wird noch schlimmer: Seitdem ich sie bemerkt habe, (es war im Herbst, als ich an der Uni eine junge Frau sah, die Bücher in der Hand hatte und bunte Gummistiefeln trug -an die Farbe kann mich nicht mehr erinnern, war ja auch nicht das, was ich mir angesehen habe, wenn ihr wisst, was ich meine), habe ich mich daran gewöhnen müssen, dass ich immer weiß, ob sie anwesend ist oder nicht. Ich weiß, wenn sie kommt und wenn sie geht. Und wenn sie den Raum betritt, hebe ich fast automatisch meinen Blick. Ich weiß nicht, was das soll, und es stört mich unheimlich. Neulich habe ich noch Fowles gelesen, und alle, denen der Name Frederick Clegg etwas sagt, können sich vorstellen, was mir manchmal durch den Kopf gegangen ist. Bin ich normal?

Nein, ich habe sie nicht überfallen und mit Chloroform betäubt. Ich lud sie zum Kaffee ein. Dann erzählte ich ihr, was los war. Sie hat es überlebt, denke ich mir jedenfalls. Ich habe lange überlegt, ob ich das tun soll oder nicht. Letzten Endes denke ich dann doch, dass unser Dasein geradezu erbärmlich wird, wenn wir weder den Mut haben, das zu sagen, was uns bewegt, noch das Glück, manchmal nette Sachen über uns selbst zu erfahren.

Und zu Hause? Mal sehen. Ich glaube, ich werde vorerst nichts von dieser Episode erzählen. Wenn ich darauf angesprochen werde, dann sage ich die Wahrheit. Meine Lebensgefährtin wird mich schon nach der Ursache fragen, wenn sie glaubt, dass mit mir etwas nicht stimmt. Und ich bin mir sicher, dass der Tag bald kommen wird. Sie ist doch nicht blöd. Das Schöne und gleichzeitig Schokierende an dieser Geschichte ist das, dass obwohl man glaubt, man kenne sich gut, kann man eines Tages ohne Vorwarnung zu der Erkenntins gezwungen werden, dass das nicht der Fall ist.

Egal ob ich mich richtig oder falsch verhalten habe, eines steht fest: Den heutigen Tag werde ich nie vergessen. Und darauf kommt es an.

5. März 2012

   Der kleine blaue Punkt an der Westküste

Semesterferien. Und was mache ich? Fahre Taxi. Unten habe ich die Tage und, leider Gottes, Nächte hinzugefügt, für die ich mich bereits arbeitsmässig verpflichtet habe.

Am Montag vergangener Woche fuhr ich einen Kunden nach Mustasaari. Eine interessante Fahrt. Offiziell ist Finnland ein zweisprachiges Land. Alle müssen in der Schule Schwedisch lernen, obwohl die schwedischsprachige Minderheit von Rund 5 % in den Küstenregionen im Süden und im Westen des Landes wohnen. Richtig motiviert sind verständlicherweise die meisten finnischsprachigen nicht, diese "unbedeutende" Sprache zu lernen. Als werdende Lehrer habe ich mir jedoch extra Mühe geben müssen in Sachen Schwedisch, denn rein theoretisch kann mir eines Tages eine Verbeamtung bevorstehen. Und als Diener des Volkes muss ich dann Bürger auch hinsichtlich der Sprache gleich behandeln können. Ob ich nun Schwedich gut kann? Es geht. Mit dem Fahrgast unterhielten wir uns auf Schwedisch die ganze Zeit, und in Mustasaari lud er mich zu Kaffee und Kuchen ein.

Zum Schluss noch eine kleine Anekdote. Die Tampereer Taxler wissen alles besser. Sie glauben alles über jeden zu wissen, und von den Angelegenheiten der Kollegen weiß man sowieso bescheid. Einmal saßen dann ein paar Taxler beim Kaffee. Einer von denen hatte neulich ein Kind bekommen, und über dessen Name wurde spekuliert.

"Und, weiß man schon, wie das Baby heißt?"
"Nein, noch nicht."
"Kein Wunder, es war ja noch nie im Taxi."

24. Februar 2012

Wieder da

Ehem, ja -jetzt ist die Woche endlich um. Melde mich zurueck und merke gleich, dass mein Handy nicht alle Buchstaben kennt.Es ist fast ein Jahr her, dass ich das letzte Mal gebloggt habe. Hat sich etwas inzwischen geändert? Eigentlich nicht. Beruflich war mein Leben eine Mischung aus Studium, Lehren und Taxifahren. Da tut sich jedoch ein bisschen was: bis zum Ende des Semesters habe ich alle Kurse absolviert und meine Magisterarbeit werde ich voraussichtlich im Herbst vorlegen. Dann bin ich qualifizierter Lehrer und es ist wohl vorbei mit dem Taxifahren.

Im Privatleben ist wenig passiert, was man in einer Familie mit Kindern vielleicht schätzen soll. Dies mag nicht die ganze Wahrheit sein, aber darueber mehr später. Ein paar Super-Touren habe ich auch erwischt, von denen zwei hervorzuheben sind: einmal ging es nach Kuopio (470€) und ein anderes Mal nach Liperi (560€). Der Letztere war ein Student, der eine ermässigte Fahrkarte gekauft hatte aber fuer einen sehr hohen Preis mit dem Taxi ans Ziel befördert werden musste. Bezahlt hat die finnische Bahn.

25. April 2011

Ich melde mich nächste Woche wieder zu Wort!

24. Februar 2011

Alles ist bestens hier oben. Ich habe mir nur etwas Zeit genommen vom Bloggen. Jetzt bin ich wieder da.

Ja, ich weiß: wenn man nichts zu sagen hat, spricht man über das Wetter. Aber versucht doch erst mal eine Zeitweile hier ober zu leben! Wie die drei spanische Austauschstudenten, die ich vor kurzem als Fahrgäste hatte. Sie meinten, sie verstünden jetzt, warum man hier häufig über das Wetter redet. Es ist bereits Ende Februar und die Temperaturen wälzen immer noch irgendwo zwischen -15 und - 25 Grad. Die Tiefstwerte für diesen Winter, -41,3 Grad, hat man vor einer Woche im nordöstlichen Naruska bei Salla gemessen. Es liegt ein halber Meter Schnee am Boden und es ist meistens dunkel. So sehr dunkel ist es eigentlich gar nicht mehr, aber sie haben trotzdem eine Pointe gemacht: hier beeinflusst das Wetter das Leben jeden Einzelnen so stark, dass es ein völlig salonfähiges Diskussionsgegenstand ist.

Betrefflich des Schnees, oder genauer noch, des Schneeräumens, das die Stadt alle zwei Jahre nach Preiswettbewerben in private Hände gibt, muss ich  Folgendes sagen: je mehr man privatisiert, desto sozialistischer sehen die Resultate aus. Wie in diesem Winter: Fahrspuren bleiben tagelang so gut wie unbefahrbar, kleinere Straßen außerhalb des Zentrums wochenlang sogar, Bürgersteige haben sich in schmale, eisige Spuren verwandelt, und die Schneeberge an zahlreichen Kreuzungen sind so hoch, dass man die andere Fahrzeuge erst dann sieht, wenn es fast zu spät ist.

Ich bin der Meinung, dass das Steuern der Steuergelder in die Taschen von privaten Unternehmen eher Missverwaltung gemeinsamer Mittel ist, und auf blinde, grundlose Glaube an eine imaginäre Effektivität der privaten Sektor basiert. Und das gilt nicht für die Straßenreinigung allein.

10. Dezember 2010

Fahne am Rathaus hissen, einen Politiker wählen, der reden will, und alle warten auf das anschließende Feuerwerk


Mann, wat für 'ne Woche, ey! Habe wie ein Tier gearbeitet am Wochenende. Es war ein langes Wochenende diesmal, da am Montag unser Unabhängigkeitstag war, was ein allgemeiner Feiertag ist. Vier Tage Party, also. Aber wie absurd wirkt dieser Tag, an dem Politiker von nationaler Souveränität und Freiheit schwärmen in ihren Reden und ein paar Zeilen weiter uns davon überzeugen wollen, dass auch unsere kleine Volkswirtschaft Milliarden in die Euro-Rettungspaketen reinstecken muss, sonst ist alles hin.

Am Dienstag habe ich in Valkeakoski einen Unfall gebaut. Aus Versehen habe ich zu spät gebremst, und den hinteren Stoßstangen eines Opel Astras demoliert. Der Benz hat auch Blechschaden bekommen aber die sind angeblich leicht rebarable. Das hat mich so geärgert! Nicht des Chefs wegen, er meinte nur, dass sowas passiert eben ab und zu in diesem Beruf. Aber trotzdem! Ich habe mich immer für einen guten Fahrer gehalten und gedacht, mir passiert sowas nicht. Und dann ist es passiert...Mist! Naja, positiv gesehen: es waren nur Blechschaden und Versicherung zahlt alles.

Am gleichen Abend kommt dann meine Frau ins Krankenhaus und wird am nächsten Tag am Hals operiert. Sie darf am Freitag wieder nach Hause, alles ist wieder in Ordnung, aber es waren wirklich sehr hektische Tage, vor allem wegen der Kinder. Alle Achtung an alleinziehende Eltern! Kind(er), ein Job oder zwei, studieren vielleicht auch noch. Ihr habt es wirklich nicht leicht!

22. November 2010

Verschiedene Jobs, verschiedene Hemden, beide frisch aus der Waschmaschine

Ganz schön teuer das Leben mit Kind und Kegel. Wir wollen über Weihnachten nach Lappland und gestern habe ich vom Bahnhof die Fahrkarten geholt: Auto + zwei Abteile im Schlafwagen mit fünf Betten kosten von Tampere nach Kolari während der Hochsaison insgesamt 475 Euro! Und das ist nur eine einfache Fahrt. Aber was soll's. Ich tausche gerne Mammon gegen Erlebnisse, und möchte auch möglichst viele Erlebnisse meinen Kindern anbieten. Ich bin immer der Ansicht gewesen, dass Reisen das sinnvollste Geldanlage mit dem besten Ertrag ist. Und mich zieht es nach Norden, stärker Jahr für Jahr. Abreise ist am 22. Dezember, bis dahin werde ich arbeiten was das Zeug hält.

10. November 2010

 Auf dem Weg nach Utsjoki.
 Dieses Foto habe ich um 01:21 Uhr gemacht. Die Sonne scheint immer noch. Blick auf den Fluss Teno.
 Blick vom Vetsikoski Richtung Süden.
Der Taxistand von Utsjoki vor dem Lokal "Rastigaisa".  Nicht reinschauen!
 Der Morgen nach dem 1. Mai am Tampereer Taxistand 1, Stadtbücherei
Bei mir um die Ecke steht einer der schönsten funktionalistischen Bauten der Stadt. Ecke Satamakatu/Näsilinnankatu

Gestern Nacht hat es häftig geschneit. Leider liegt die Temperatur wieder über null Grad und der Schnee ist alles bald wieder weg. Ganz anders sieht es in Utsjoki aus, wo die Temperatur jetzt bei -21,5 Grad liegt. Es ist Zeit, dass ich, wie versprochen, endlich mal einige sommerliche Bilder hier einfüge.

Die Weihnachtszeit hat begonnen. Firmen organisieren Partys für ihre Mitarbeiter und das bedeutet viel Arbeit für die Taxen. Ich selbst brauche das alles nicht so sehr, denn mit dem Taxifahren, Lehrervertretungen und Studium wird es fast zu viel für mich. Aber ich jammere nicht, es gibt viele, die gar keine Beschäftitung haben.

25. Oktober 2010

2 x nach Vaasa

Der kleine blaue Punkt auf dem Rückweg von Vaasa nach Tampere

Endlich mal ein freies Wochenende gehabt. Und das hat wirklich gut getan! Ich versuche jeden Monat mindestens ein Wochenende frei zu behalten, sonst wird es nichts. Es gibt nur Ärger, vor allem zu Hause. Taxifahren ist ein Beruf, der viel Zeit in Anspruch nimmt, und die "falschen Zeiten" sozusagen auch noch. Wenn alle anderen Feierabend machen und sich mal etwas gönnen, schuften die Taxifahrer, immer abends und an Wochenenden, immer an Feiertagen. Möchte die Frau mit dir ausgehen -kommt heute wirklich nicht allzu oft vor, aber wenn, dann wäre es doch sehr nett, wenn du sie manchmal, sagen wir mal, ins Theater begleiten könntest -aber nein, du musst ablehnen, weil du zu arbeiten hast. Oder wenn die Kinder mit seinem Vater am Samstagvormittag spielen wollen, stößt auch ihr Wunsch auf Ablehnung, weil der arme Papi die vorige Nacht Taxi gefahren hat und jetzt schlafen muss, bevor die nächste Schicht beginnt. Kaum eine Ehe hält diese Arbeit auf Dauer aus.

Zum Titel: immer Freitags -vorausgesetzt ich beginne meine Schicht früh genug- versuche ich mein Glück am Uniklinikum. Letzte Woche war ich am Abholen eines älteren Mannes in der Dialyse-Abteilung der Erste-Hilfe-Station, als das Handy klingelte. Vetter meines Chefs war dran. Er arbeitet beim Uniklinikum als Speditionschef o.ä., und wollte nun wissen, ob ich auf Rechnung des Uniklinikums einen Patieten nach Vaasa fahren würde. Klar doch! Ich habe den Opa eiligst zu seinem Ziel befördert und stand 20 Minuten nach dem Telefonat in der Abteilung, wo der Patient auf mich warten sollte. Aber er war nicht da! Die Krankenschwester hatten ihm die Zahlungsverpflichtungen in die Hand gedrückt, woraufhin er gegangen war und wahrscheinlich den ersten Wagen vom Stand genommen hatte. Und die Damen waren nicht auf die Idee gekommen, dass die Papiere keine offenen Zahlungsverpflichtungen waren. És hätte ja sein können, dass der Preis dieser Patientenbeförderung bereits ausgehandelt worden war und nicht den üblichen Tarifen entsprach!

Enttäuscht ging ich zurück zu meinem Wagen, der vor dem Ausgang stand. Kleiner Trost war es, dass der Stand fast leer von Taxen war und ich gleich Dritter wurde. Zwei minuten später war dann ein Auftragsangebot auf dem Touchscreen des Datafunkes: Frau X.X. sollte von der Augenklinik nach Vaasa befördert werden! Ich habe kaum meine Augen geglaubt! Und doch war es wahr. Es wurde eine schöne Fahrt von knapp über 354 €.

Es waren drei Tampereer Taxen um die gleiche Zeit in der Richtung unterwegs. Mit einem Fahrer war ich bereits befreundet, und er hat mich dann auch angerufen, nachdem er seinen Fahrgast losgeworden war. Ich fragte ihn, ob sein Fargast Herr X.Y. hieß und Papiere vom Uniklinikum bei sich hatte. Ja, hieß er und hatte er gehabt! Ich erzählte meinem Kollegen, was passiert war, versicherte ihn aber, dass jetzt alles OK war, weil auch ich noch eine dicke Fahrt erwischt hatte. Und mehr noch: Jetzt war ich wohl der einzige Taxler, der jemals innerhalb von dreißig Minuten zwei Fahrten von Tampere nach Vaasa angeboten bekommen hatte!

6. Oktober 2010

Grüße von der Spitze der Welt! Wie allgemein bekannt, ist Finnland  das beste Land der Welt. Das weiß mittlerweile auch die US-Zeitschrift Newsweek, das uns die Bestnote gegeben hat, vor allem wegen unseres überlegenden Schulsystems. Was geht das denn mich an? Na ja, ich hatte die Ehre, eine vierte Klasse einer unserer weltbesten Schulen in das neue Schuljahr zu leiten, als ich zwei Monate lang als stellvertrendender Klassenlehrer vor den Kindern stand.

Aber die ganze Zeit dachte ich mir, dass irgendetwas stimmt in unserem Paradies nicht. Zwar sind wir gebildet, leben in einem ausgeprägt sicheren und wunderschönen Land, aber saufen (der Pro-Kopf-Konsum reinen Alkohols liegt bei mehr als 10 Litern) und  sterben massenweise durch Gewalttaten, während die glücklichsten Menschen der Welt in Dänemark leben.Was geschieht mit uns eigentlich, und warum?

Taxi habe ich gefahren wie gewöhnlich, wobei ich einmal feststellte, dass das olle Funkgerät doch genial ist. Bestellungen und alles laufen heute über Datafunk, aber der alte Funk ist manchmal sehr nützlich, vor allem wenn man nich weiß, wo was liegt oder was  in der Stadt so läuft. Man kan jederzeit Kollegen fragen und die helfen immer  gerne. In der Samstagnacht fragte ich sie beispielsweise über Funk, ob eine Massenheiratsveranstaltung (rund sechzig Paare haben in einer Kirche währed einer Nacht geheiratet) in dieser Nacht stattfand. Sofort kam die Antwort:

Kollege 1: -Nee, das war bereits gestern. Bist zu spät.

Ich: -Schade.

Kollege 2: - Aber wenn du deine Braut noch ein Jahr warmhalten kannst, wird die Heiratsnacht nächstes Jahr wieder stattfinden.

Kollege 3: -Richtig, im Juni, das hat die Gemeinde bereits bekanntgegeben.

Ich: - Okey, werde ich mir merken.

Nach einer kurzen Pause meldete sich noch eine dunkle Stimme zu Wort:

Ich würde mir das Ganze noch mal überlegen...

31. Juli 2010

Unser Fujitsu-Siemens PC hat erneut den Geist aufgegeben. Ich bin nun nicht sicher, ob die Garantie noch gültig ist und ich ihn auf Kosten des Händlers reparieren lassen kann. Muss ich mal nachschauen. Wie auch immer, einige Fotos, die ich hier hochladen wollte, sind momentan nicht zu haben. Schade eigentlich. Aber wir haben noch einen Laptop, was mein Bloggen ermöglicht. Aber dazu muss ich mich erst mal zwingen, was offenbar zur Zeit der Fall ist.

Lange Touren, die man woanders als am Uniklinikum erwischt, sind immer etwas Besonderes. Patientenfahrten, wie lange auch immer, sind irgendwie "business as usual", dafür steht man doch da am Stand, stundenlang  manchmal. Vor ein paar Wochen aber stand ich am Freitagabend gegen halb acht am Stand 24, als ein dicker BMW vor meinen Wagen fuhr und ein Angehöriger der Sinti und Roma aus ihm ausstieg und direkt zu mir kam. Er öffnete die Hintertür, setzte eine Plastiktüte auf den Rücksitz, setzte sich selbst auf den Beifahrersitz und fragte mich:

- Wieviel kostet es von hier nach Seinäjoki?
- Von hier nach Seinäjoki kostet es 250 Euro.
- Eine Pause mitgerechnet?
- Von mir aus.
- Dann fahr los! Willst du dein Geld gleich haben?
- Ja,gerne.

Ich bin kein Rassist, aber mit Sinti und Roma haben Taxen mehr als genug Probleme gehabt und wenn sie vorauszahlen wollen, nimmt man das Geld besser sofort an. Mein Fahrgast holte ein dickes Haufen Geldscheine aus seiner Vordertasche raus und zahlte mir die volle Summe mit fünf Fünfzig-Euro-Scheinen bar auf die Hand. Wir fuhren los. Als wir bei Ikaalinen waren, rufte ihn seine Frau an. Er sagte er sei schon auf dem Weg nach Hause (nachdem er zwei Wochen unterwegs gewesen war):

-Na, mit dem Taxi. Ist doch klar. Ja was denn? Der Zug hätte ja auch fast sechzig Euro gekostet!

Es wurde still am anderen Ende der Leitung. Aber ja, das ist so ihre Stil, der Sinti und Roma, zumindest hier bei uns: Geld ist zum Ausgeben da. Als er noch mit seinem Sohn telefonierte, waren sie beide der Meinung, dass die Fahrt gar nicht so teurer war. An einer Tankstelle in Parkano lud er mich zum Kaffee ein und in Seinäjoki schüttelten wir uns noch die Hände und wünschten uns gegenseitig alles Gute. Ein sympatischer Fahrgast.

Die ungeheure Hitzewelle ist vorerst vorüber. Es ist bewölkt mit schauerartigem Regen und örtlichen Gewittern. Super!

12. Juni 2010

Taxi-Hochsaison voll im Gange seit einer Woche. Gestern Nacht hat es zusätzlich noch geregnet wie im Urwald, was dafür sorgte, dass alle rund 350 Taxen der Stadt pausenlos fahren durften. Es war wirklich nicht einfach ein Taxi zu bekommen. Und trotzdem sind eine junge Dame und ihre Begleiter auf die Idee gekommen, mir einen Festpreisangebot zu machen. Ich antwortete, dass es momentan soviel Nachfrage gibt, dass ich mir Gerede dieser Art eigentlich gar nicht anhören muss. Darauf meinte sie, dass es doch genug Kundschaft geben würde während der Nacht und eine kleine Ermäßigung würde niemanden schaden. Also, ich bin einigermaßen links und stimme nicht mit allen elementaren Regeln der modernen Marktwirtschaft überein, überhaupt nicht, aber sowas von Dummes hatte ich noch nie gehört! Hatten sie noch nicht vom Preismechanismus Angebot und Nachfrage gehört?

Und damit kommen wir zu dem eigentlichen Punkt: Ich bin ein fester Befürwörter der durch Verordnung festgelegten Preise. Es liegt im Interesse von uns allen, dass der Preis einer Taxifahrt jedesmal dergleiche ist und nicht von irgenwelchen Umständen oder gar von Lust und Laune des Fahrers oder der Fahrgäste abhängig gemacht wird. Wenn es um eine wirklich dicke Fahrt geht, und die Rede von Hunderten ist, dann ist vielleich ein wenig Verhandlungsraum da, aber ansonsten fahre ich nach dem Taxameter, danke schön! Schließlich geht es ja um mein Entgeld. Alle Ermäßigungen sind von meinem Lohn weg, und zu einer Lohnerniedrigung bin ich grundsätzlich nicht bereit.

31. Mai 2010

16 Tage noch bis zum Urlaub! Ich zähle die Tage und überlege langsam, was ich alles mitnehmen soll. Lachsfischen mit der Fliege ist eine Krankheit. Und wer angesteckt ist, bleibt auch krank. Irgenwann merkt man, dass im Schrank Dutzende von Ruten und Rollen liegen, über deren angebliche Notwendigkeit die Frau kein Wort mehr hören will; es hängen Wathosen und -jacken in Wert von mehrere hundert Euro herum, Vereinsmitgliedschaften, die Zeit in Anspruch nehmen, gehören eventuell auch dazu, und dann kommt noch das Fischen selbst, was auch Geld kostet und den Betroffenen Tausende von Kilometern im Jahr reisen lässt. Was meinen Sie, wieviel ein Kilo Lachs kostet, das mit der Fliege gefischt worden ist? Aber darauf kommt es ja gar nicht an. Über meine Krankheit sag ich nur noch dies: Je schwerer die Symptome, desto glücklicher der Patient!

Einige bekannte Altrocker frequentieren in der Stadt in diesem Sommer. Letzte Woche spielte Bryan Adams im Stadion in Ratina, morgen treten AC/DC auf und in zwei Wochen sind auf dem Sauna Open Air Metal Festival u.a. KISS, DANZIG und RATT dran. Auch das Schuljahr endet am kommenden Wochenende. Alles absolute Hochsaison für Taxen.

27. Mai 2010

Mit einer Zahlungsverpflichtung der Bahn samt einer Einwegkreditkarte wird der Kunde mit dem Taxi ans Ziel befördert, wenn die Bahn dazu nicht im Stande ist. Beide bekommt man im Notfall vom Schaffner. Das Streichholz auf dem Namen des Kundes demonstriert, wie geschickt ich mit dem Computer umgehen kann.

Immer wieder werden im Taxi dem Fahrer die folgenden drei klassischen Fragen gestellt:

-Bist du der Chef oder der Fahrer?
-Hat es bereits viele Fahrten gegeben heute?
-Diesel oder Benziner?

Neulich fragten mich aber zwei junge Damen, was ich während der Schicht esse. Das war schon eine überraschende Frage, ein kräftiger Schlag in den Bauch, sozusagen, denn ich muss zugeben, dass ich auf der Arbeit immer etwas Ungesundes wie Pizza, Hot Dogs, Döner usw. esse. Und die dramatischen Folgen dessen habe ich bereits zu spüren bekommen: seitdem ich Taxi fahre, in 18 Monaten also, habe ich fast 10 Kilo zugenommen! Und das hat sich natürlich alles an meinem Bauch gelagert, wie denn sonst. Ich muss nun wirklich eiligst etwas dagegen unternehmen!

21. Mai 2010

Die finnische Bahn hat momentan starke Probleme mit der Pünktlichkeit. Jeden Tag werden Dutzende von Fahrgästen der Bahn mit Taxen an die Zielorte befördert. Gestern, zum Beispiel, waren Tampereer Taxen in Jyväskylä, Turku und Pori. Ich war leider nicht einer von denen. Mal sehen, ob es heute klappt. Das Wetter bleibt sommerlich warm noch für zwei Tage. Danach soll es kühler werden mit Temperaturen zwischen 14 und 17 Grad, was eher normal um diese Jahreszeit ist.

17. Mai 2010



Es hat ganz schön gebrannt bei mir um die Ecke. Erhebliche Brandschaden sind entstanden als der Dachboden des Commerce-Hauses, eines der ersten der zahlreichen Tampereer Jugendstilbauten aus dem Jahre 1899, am Freitag in Flammen aufging. Es war ein hartnäckiker Brand, der zwanzig Feuerwehreinheiten für 10 Stunden im Atem hielte.
Das Wetter: Der Sommer ist da! Für die kommenden Tage sagt man für die Region Temperaturen zwischen 23 und 25 Grad, sonnige Abschnitte und gelegentlich Schauer vorher. In Tampere geht die Sonne um 4:41 Uhr auf und 22:13 Uhr unter. In Utsjoki geht die Sonne um 1:27 Uhr auf und um 0:49 Uhr unter. Es dämmert also für ganze 38 Minuten! Ich werde am 17. Juni hochfahren und bleibe dort dieses Mal für neun Tage. Das steht jetzt fest.
Ich habe zwei Jungs und eine Tochter und es macht schon Spaß zu beobachten, wie sie wachsen. Neulich im Badezimmer:
Sohn (5 Jahre): Mutti, komm mal her!
Sie geht zu ihm und fragt was nun ist.
Er: So, jetzt wenn du da bist, kannst du bitte mein Badetuch vom Boden aufheben und dort aufhängen?
Mannomann, woher kann er das gelernt haben? Nein... Nicht doch... Oder?

15. Mai 2010

Selten begegnet man noch Tankstellen in Finnland, die auch andere Dienstleistungen anbieten als nur Kraftstoff und Bier. Aber in Luhalahti hinter Ikaalinen kann man auch noch sein Auto reparieren lassen. Auf Finnisch heißt Tankstelle "huoltoasema" - Wartungsstation etwa, weil früher eben alle anfälligen Reparaturarbeiten an einem Fahrzeug an der Tanke beseitigt wurden. Heute haben sie nur Bier und Zigaretten. "City" ist vielleicht ein wenig übertrieben für eine provinzielle Ortschaft von zweihundert Leuten.
Turkuer Dom
Am Bahnhof in Seinäjoki. Nein, die Ordnungsnummer meines Wagens ist nicht 3. Aber es brennt schon, der Wagen gehört der Gruppe drei an.
Vor der Chirurgischen Klinik in Helsinki. Blut- oder Zellenprobe angeliefert vor einer Transplatation.
Tja, es war wieder mal eine tolle Woche. Am Wochenende hatte ich frei, dennoch habe ich gutes Geld verdient, da die Tagesschichten rundum bestens abliefen. Aber. Ich habe ein Verbrechen begangen. Ich gestehe es offen. Bei Personenbeförderung liegt der Merhwertsteuer bei 8% und bei Güterlieferungen ist er 22%. Den richtigen Steueransatz kann man an dem Touchscreen nach der Fahrt wählen, falls nötig. Und ich hatte das nötig, nach dem ich ein Päckchen an die Chirurgische Klinik in Helsinki angeliefert hatte. Nur, ich habe es vergessen! 31 € ist am Fiskus vorbeigegangen wegen meines unprofessionellen Handelns. Welch ein Glück, dass die großen Firmen hierzulande alle ihre Steuern zahlen! Es ist durchaus möglich, dass ich ohne schwere Folgen davonkomme und der Fiskus mich in Ruhe lässt.

Mein Chef und ich haben uns darüber geeinigt, dass ich mein Lohn gleich nach der Schicht von Kasse abrechnen kann. Er kümmert sich dann um die Abgaben. Im Prinzip ist das gut und sorgt dafür, dass ich immer flüssig bin. Das Problem ist nur das, dass es oft nicht genug Bargeld gibt in der Kasse für einen Großverdiener wie mich. Die langen Touren, nach den ich tagsüber auf der Jagd bin, werden auf Rechnung gefahren. Und in Finnland tendiert man auch immer mehr dazu, mit der Karte zu zahlen. Im finnischen Taxi gibt es also kaum Bargeld, das von Fahrer oder von Räuber mitgenommen werden kann. Ich bekomme die fehlende Summe dann immer ein paar Tage später auf mein Konto überwiesen.

6. Mai 2010

Es war tote Hose hier für eine Weile. Aber jetzt bin ich wieder da: Das Frühjahrsemester an der Uni gehört der Vergangenheit an, Dank der sich immer vertiefenden Rezession und der annährenden Ferienzeit der Schulen wird es auch nicht viele Lehrervertretungen geben, und somit ist bis Anfang September die Bahn frei für ganztägiges Taxifahen und Bloggen.
Mein Chef plant demnächst ein Autogeschäft abzuschließen. Der E-Klasse Mercedes ist jetzt drei Jahre alt mit einer Gesamtlaufleistung von 312 000 Kilometern. Hunderttausend im Jahr ist das, was die Tampereer Taxen im Durchschnitt fahren. Mich fragte der Alte, ob er nicht einen Huyndai kaufen sollte, die sind ja sehr preisgünstig, worauf ich antwortete, dass sein Huyndai mit einem Fahrer kommen soll, denn ich werde mit ihm keinen Stück fahren.
Meine Superwoche endete noch mit einer Fahrt nach Raisio bei Turku. Ein Stockbesoffener stieg am Stand 4 kurz nach Mitternacht ein und bot mir einen Festpreis von 200€ im Voraus an, wenn ich ihn nach Hause fahren würde. Ich nahm sein Angebot an auch wenn ich dabei 20-25 € verloren habe. Aber meine Einkommen sind "Peanuts" im Vergleich zu dem, was wenigstens ein deutscher Kollege neulich verdient hat. Als vor ein paar Wochen der isländische Vulkan den Luftverkehr lahmlegte, tauchte plötzlich bei uns im Fernsehen eine Gruppe von Finnen auf, die emotionslos der Kamera erzählten, wie sie rund 3000 € für eine Taxifahrt von Düsseldorf nach Stockholm bezahlt hatten. Also, herzlichen Glückwunsch nach Düsseldorf!
Vorgestern erzählte mir ein Kollege am Stand 2 von einer Frau, die er nach Pälkäne gefahren hatte. Kurz vor dem Ziel hat sie dann gefragt, ob er nicht eine Rechnung schreiben wolle für die rund 65 Euro Fahrt.

- Stell dir das mal vor! Eine Rechnung, Mitten im Nichts um halb fünf morgens! Für wie blöd hat sie mich eigentlich gehalten? Und sie hatte noch Geld. Als ich mich verweigert habe, hat sie mir von ihrem Haus hundertfünfzig Euro geholt. Auf Rechnung fahren... Mensch, ich hasse Leute mit neu-griechischer Einstellung dieser Art!

10. März 2010

Ich weiß, es ist manchmal recht ärgerlich, wenn Kollegen von ihren Supertouren und Superkassen erzählen, aber am Montag wurde es geradezu absurd bei mir, und ich muss einfach die folgende Tour allen zur Kenntnis bringen: Uniklinik Tampere - Uniklinik Oulu Beginn: 9:53 Strecke: 483,10 Kilometer Dauer: 403,10 Minuten Taksa1: 692,50€ Füge später noch ein Bild hinzu als Beweis. Habe eine Asylbewerberin und ihr Baby auf Rechnung der Uniklinik Tampere zur Ouluer Uniklinik gefahren. Es wurde ein lukrativer aber langer Tag. Erst gegen 23 Uhr war ich wieder zu Hause, hatte zwei Touren gemacht mit einer Gesamtkasse von 702€. Als wäre das nicht genug gewesen, fuhr ich gestern noch am selben Tag einmal nach Ikaalinen (75€) und einmal zum Mänttäer Krankenhaus (115€).

1. März 2010



In Finnland hat man keine Umweltzonen eingeführt und der Diesel kostet rund 1,05 € pro Liter, wesentlich wenigier als das Benzin, dessen Preis momentan bei 1,37 liegt. Grund genug für mich unseren alten Benziner lozuwerden und einen in unseren Verhältnissen preiswerten S124 E300TD Bj. -94 aus Deutschland zu holen. Am Montag, den 22. Februar bin ich nach Hahn geflogen, am Dienstagvormittag habe ich meine Rückfahrt begonnen und am Mittwoch gegen 22 Uhr deutsche Zeit bin ich in Tampere angekommen, nach 1700 Kilometern intesiven Fahrens. Das Bild verrät, in welcher Ecke des Landes der Wagen sich befand. Die Ausfuhrkennzeichen hat mir die Kfz-Zulassungsstelle Kusel ausgegeben.
Von Google Street View redet die ganze Welt. Einige Kollegen hat's auch erwischt. Einfach Rautatienkatu 14 Tampere in Google Map eingeben und das Street View-Bild drehen und einzoomen bis man Taxler sieht, die am Bahnhof das schöne Wetter genießen.

1. Februar 2010

Im Januar habe ich relativ wenig gearbeitet. Erstens ist Januar ein harter Monat für die Taxen, weil alle nach der intensiven Partyzeit, die von der Mitte November bis zur Silvester-Nacht dauert, pleite sind, und zweitens weil ich selbst studienmäßig einiges zu erledigen hatte. In sieben Tagen bzw. Nächten bin ich Taxi gefahren und dabei sind rund 700 € netto rausgesprungen. Irre, was? Oder auch nicht. Sieht man sich den Stadtplan Tamperes an, merkt man, dass die Stadt wie eine waagerechte Sanduhr ist. Büros, Restaurants, Theater, Kneipen etc., sowie der Hauptbahnhof und der Omnibusbahnhof sind im Zentrum, auf einer Landenge zwischen dem See Näsijärvi und dem See Pyhäjärvi. Aber man wohnt gerne in den Wohngebieten weiter weg, oder gar in den Kommunen rundum, in Kangasala, Ylöjärvi und Lempäälä. Will man dann ausgehen, heißt es, man nimmt ein Taxi, wenn nicht gleich auf dem Hinweg, dann wenigstens für den Rückweg, umso kälter es ist, desto sicherer. Eine Tour kostet durchschnittlich 20 €, das mal zwanzig Touren macht vierhundert Euro, eine völlig normale Kasse für die Samstagnacht. Tagsüber werden auf Kosten der Stadt Senioren, Behinderte und Schulkinder befördert und das riesige Univertsitätsklinikum Tampere beschäftigt Taxen auch enorm viel. Von dort bekommt man manchmal unglaubliche Fahrten.

Taxigewerbe wird natürlich auch reguliert. Nicht jeder darf hier Taxi fahren. Momentan sind es etwa 350 Taxen in Tampere, und ich bin der Ansicht, dass das genügt. Wären es weniger, gebe Ärger Seiten der Kundschaft (klar, es gibt immer welche, die meinen, sie müssten ein Taxi auf der Stelle und zum Nulltarif bekommen können, aber das sind wirklich nicht viele); gäbe es wiederum viel mehr Taxen, würde das Leistungsniveau sinken. Hier sind Taxen nagelneu, es wird ohne Schwindel nach dem Taxameter gefahren und vor allem, man kann von diesem Job leben und seine Abgaben zahlen, was eine positive Wirkung auf das Ganze hat, sowie in persönlicher als auch in sozialer Hinsicht. Und ich verdiene einigermaßen gut auch deshalb, weil ich ein verdammter Glückspilz bin. Das habt ihr sicherlich schon gesehen. Aber ihr wisst ja auch: Glück muss man verdienen. Und ich habe schnell gelernt, was sich in der Tampereer Taxiwelt lohnt und was eben nicht.

28. Januar 2010

Ein Mann und eine Frau, 25-30 Jahre, steigen am Bahnhof ein. Sie sind kein Paar, nur miteinander befreundet. Die Fahrt geht über Haapalinna nach Lentävänniemi. Der Mann erzählt, dass seine Freundin möglicherweise schwanger ist. Sie ist immer noch sehr jung, aber er findet das trotzdem okey. Er würde sich sogar freuen über das Baby. Dann folgt etwas, was eigentlich etwas Grundlegendes über die Bedeutung des Mannes im Leben der finnischen Frauen aussagt:

Er: So, wie geht es mit dir und Väinö?

Sie: Naja, wir haben auch über das Thema Kind gesprochen. Er will noch kein Kind. Er will noch seine Freiheit behalten. Welche Freiheit denn, frage ich nur. Jeden Tag nach der Arbeit geht er zum Gym, zweimal im Monat besäuft er sich, ansonsten ist er nur zu Hause. Was soll er da groß verlieren? Aber wenn ich irgendwann ein Kind haben will, und er nicht, bin ich mir sicher, dass ich jemanden finde, der das mit mir macht. Und dann heißt es: Tschüss, Väinö!

Wir kommen in Aapelinraitti an. Sie steigt aus. Der junge Herr fährt weiter.

Er: So, hört man sowas oft im Taxi?

Ich: Im Taxi hört man allerlei Geschichten.

Er: Und jetzt?

Ich: Darf ich meine Persönliche Meinung sagen?

Er: Klar.

Ich: Für Väinö läuft der Countdown schon.

Er: Ja, das glaube ich auch. Zwar ist er mein bester Freund, aber ich bin der gleichen Meinung wie du.

Seit einer Woche geht die Sonne in Utsjoki wieder auf . Und der Tag hat sich auf 4 Stunden und 13 Minuten verlängert. In Tampere ist es weiterhin kalt heute, um die - 20 Grad. Der Tag hat eine Länge von 7 Stunden 21 Minuten. Ja und? Mensch, der Frühling steht ja doch bald vor der Tür!

10. Januar 2010

Am Freitag hat die Dauerkälte den Zugverkehr zwischen dem Tampereer Hbf. und dem Turkuer Hafen lahmgelegt. Aber mit einem Diesel-Mercedes ist man rechtzeitig angekommen, auf Kosten der finnischen Bahn, versteht sich.
In der Nacht zum Sonntag ist die Temperatur von -23 Grad auf -15 Grad gestiegen, was auch die Luftfeuchtigkeit erhöht hat. So sah der Mercedes-Stern auf der Motorhaube nach einer 12-stündigen Schicht aus.

31. Dezember 2009

Das Jahr 2009 hat heute ein böses Ende genommen in Form von einer Schießerei. Ein Kosovo-Albaner namens Ibraham Shkupolli hat seine finnische Ex-Freundin und ihre vier Kollegen mit einer 9-Millimeter-Pistole in einem Kaufhof in Espoo erschossen und zum Schluss sich selbst getötet.

21. Dezember 2009

Klein aber fein: das Gemeindehaus von Ruovesi.

Am Samstag durfte ich wieder die Eltern meines Nachbars nach Ruovesi fahren. Unspektakuläre 36 Stunden gearbeitet am Wochenende, von den Touren nach Ruovesi und Kuru abgesehen. Beide brachten 100 € ein. Die Partyzeit ist nun vorüber, und es heißt erstmal 'Frohe Weihnachten' für ein paar Tage. Aber die Silvesternacht steht ja noch bevor und ich schätze mal, dass das Trainieren dafür gleich am 26.12. beginnen wird. Schönes Winterwetter mit mehr Schnee und Temperaturen zwischen -13 und -17 Grad ist für die kommende Woche vorausgesagt. Herrlich! Und wie man in den Nachrichten so hört, haben auch unsere mitteleuropäische Mitbürger eine Kostprobe von einem wahren, weißen Winter bekommen.

16. Dezember 2009

Auf dem Rückweg von Ypäjä.

Eine Fahrt vom Uni-Klinikum nach Ypäjä hat den Tag gerettet, 148, 90 €. Das ganze Land in ist Zonen eingeteilt, wie die Stadt Tampere. Grob gesagt beginnen die Zonen von Tampere aus gesehen mit 6000 im Norden, 4000 im Osten, 3000 im Süden und 7000 im Westen. Die Zonen "am Rande" des Landes, die Südküste, der Osten und der Norden von Seinäjoki beginnend, beginnen mit 9000. Die längsten Touren, die ich gefahren bin, brachten mich zu de Zonen 9000 (Helsinki), 6661 (Kristinestadt), 6558 (Seinäjoki-Süd), 90021 (Seinäjoki-Mitte), 3979 (Ypäjä) und 7853 (Äetsä). Es macht natürlich tierischen Spaß, im Touchscreen des Boardcomputers zu folgen, wer von den Kollegen eine lange Tour erwisch hat. Besonderes viel Spaß macht das dann, wenn der Wagen des Kolleges soeben vor oder hinter dir am Uni-Klinikum gestanden ist. Manchmal könnte man einfach vor Neid platzen! Die Temperatur bleibt bei winterlichen -15 bis -21 Grad und man merkt schon, dass das die Nutzungsgrad der Taxen erhöht.

13. Dezember 2009

Immer in der Rezession, als die fetten Jahren der Volkswirtschaft vorbei sind, blühen in Gerichtssaalen Fälle, wo irgendeine Schwindel-Firma Abermillionen von blauäugigen Investoren abgezockt hat und für ihre Untat jetzt verantworten muss. Bei einem Fall handelt es um eine Firma namens Ikaros, bei dessen Untergang auch einige Millionen verschwanden. Ja genau! Man fragt sich nur, wie blöd waren die Anleger eigentlich? Allein der Name sagt ja alles: Hier nicht investieren, dein Ziel wirst du nie erreichen! Eine gute Allgemeinbildung spielt eine Rolle nur in den Sonntagsreden der Finnen, man soll sich ja spezialisieren, aber wie unser kleines Beisspiel zeigt, schadet es nicht, wenn man über seinen eigenen Tellerrand blicken kann. Wir stehen hier oben vor einer sehr winterlichen Woche. Momentan zeigt die Thermometer - 12 Grad und im Laufe der Woche fällt die Temperatur auf - 17 Grad. Es hat auch geschneit und es sieht sehr schön aus draußen. Ich hatte schon die Schnautze voll von dem "Euro-Winter" und der unendlichen Dunkelheit und Nässe.

10. Dezember 2009

Englische Ausprachelehre und Grammatik haben mich in den letzten Tagen beschäftigt. Grammatik geht noch, man kann sie verstehen. Aber wie man weiß, weicht im Englischen die Lautung teilweise stark von der Schreibung ab, und das Fertigen von phonetischen Transkriptionen ist deshalb wirklich abartig! Wer mir nicht glaubt, kann das jederzeit selbst probieren. In der Sontagnacht stehe ich am Stand 20 vor einem Kaufhof. Der ist ein guter Stand, auch wenn der Kaufhof zu hat, denn es wohnen rund 30 000 Stadtbewohner in der Zone des Standes, aus der die Bestellungen der Wagen an der Reihe dann bekommt. Lange muss man dort eigentlich nie warten. Ziemlich spät am Abend kommt dann ein Angetrunkener zu Fuß zu mir: -Mach die Uhr an und warte hier, ich hole schnell mal Bares aus dem Bankomat (in der Wand des Kaufhofs 20 Meter hinter uns war einer), dann fahren wie zu der Kneipe, die dort vorne an der Ecke ist. -Wie jetzt, ich soll den Taxameter anmachen und warten, dass Sie zu Fuß zum Bankomat gehen und dann hierher zurückkommen? -Ja. Er ging zum Bankomat und ich fuhr dann doch dorthin und nahm ihn mit. Und so begann eine Fahrt, die nach dreißig Sekunden und hundert Metern zu Ende war. -So, das macht 10 €. -Hier hast du es. Danke für die Fahrt und schönen Abend noch!

Normalerweise wird man hier aufs Abstellgleis gestellt, wenn man zwei Bestellungen binnen 30 Minuten ablehnt. Dann bekommt man keine Bestellungen über die Datafunk für eine halbe Stunde. Am Freitag fuhr ich gegen sechs Uhr abends Richtung Bahnhof als aus der Hannibal eine Bestellung kam, die ich ablehnte, weil der Zug aus Helsinki eingerollt war und Kunden vor dem Bahnhof bereits Schlange standen. Und im Bildschirm des Boardcomputers, wo man den Standort aller Wagen der Region sieht (auch wenn sie sich Rovaniemi befänden), tauchte hinter meiner Wagennummer sofort ein kleines h (h=hylly=Regal) auf. Mist! Anscheinend genügt einmal ablehnen in der Weinachtszeit. Kunden habe ich bekommen vom Bahnhof, und eine halbe Stunde ist auch nicht die Ewigkeit.

2. Dezember 2009

Die Vorweihnachtszeit sollte voll im Gange sein, aber nach zwei Wochenenden kann man schon sagen, dass ganz so wild wie letztes Jahr ist es nicht, jedenfalls noch nicht. Ich habe jetzt ein Jahr Taxifahren hinter mir. Gewiss, ich bin bloß ein Hobby-Fahrer, der sein Studium und seine Lachsfischerei mit gelegentlichem Taxifahren an Wochenenden und in Urlaubszeiten finanzieren will. Und ich darf auch noch wählerisch sein mit meinen Arbeitzeiten. Aber so viel weiß ich, dass wenn ich meinen Lebensunterhalt von den Straßen Tamperes von Tag zu Tag holen sollte, wäre das sicherlich hart. In Finnland kann man noch seine Existenz auf Taxifahren bauen (das heißt auch, dass die Branche nicht dadurch subventioniert wird, dass der Staat ein Teil vom Unterhalt der Taxifahrer in Form von Arbeitslosengeld übernimmt, weil die Löhne schlecht zum Leben reichen), aber Arbeitszeiten sind schlecht und gesund ist Autofahren auf Dauer sowieso nicht. Ich bin froh, dass ich (auch) diesen Job habe, besonderes in Tagen wie diesen, aber irgendwann ist damit Schluss, das weiß ich jetzt schon. Aber ich gestehe offen, dass es in diesem Beruf auch einen Haken gibt, der mich zieht. Man genießt eine gewisse Freiheit während der Arbeitszeit, ist immer dem Zufall ausgesetz, sieht viel, hört viel und trifft alle möglichen Leute. Und das alles gefällt mir sehr.