10. Juli 2012

Auch in unserem nördlichen Paradies wird immer offensichtlicher, dass die von Adam Smith präsentierte unsichtbare Hand ihren Job recht mangelhaft macht. Der Untershied zwischen den Reichen und den Armen wird größer, und z.B. im Straßenbild sieht man immer mehr Bettler und Menschen, die einen erheblichen Anteil ihrer Lebenshaltungskosten decken, indem sie Pfandflaschen sammeln.

Aber manchmal trügt der Schein. In der Nacht gegen vier Uhr stand ich vorm Bahnhof, als ein älterer Mann in mein Taxi einstieg. Er sah wie ein Penner aus: lange Haare, langer Bart, schmutzige Klamotten und unangenehmes Geruch. Und eine Plastiktüte in der Hand. Ein wahrer Obdachlosen-Habitus also. Oh nein, dachte ich. Was will er denn? Dass ich ihn nach Messukylä bringe. Ja, klar. Aber aus irgendeinem Grund fragte ich nicht, ob er Geld hatte, vielleicht, weil er nicht nach Alkohol roch, sondern ich startete das Auto und wir fuhren los. Mal sehen, was daraus wird, überlegte ich bei mir. Am Ziel holte er seine Geldtasche aus den Falten seiner Jacke. Und was für eine Geldtasche! Da waren glatte Geldnoten, Zwannis, Fuffis und Hunnis in Wert von mindestens 2000 Euro. Ich war völlig erstaunt. Ich glaube, ich habe noch nie so viel Bargeld im Taxi gesehen. Abgesehen von dieser Geschichte vielleicht. Der Penner zahlte, stieg aus und dankte mir für die Fahrt.

8. Juli 2012

Manche Berufe sind dermaßen mit positiven Konnotationen verbunden, dass sie selbst von den Betroffenen angenommen werden. Das ist oft der Fall beim Flugpersonal der Airlines, mit den Stewardessen und den Piloten, die glauben, etwas Besonderes zu sein. Wie die Realität wirklich aussieht, zeigt die folgende Anekdote.


Fahrer bringt SAS-Board-Personal vom Hotel zum Pirkkala International. Gleich zu Beginn der Fahrt fragt der Pilot den Kollegen etwas zu arrogant, ob das Taxi ihm gehöre, oder ob er nur der Fahrer sei. Nur der Fahrer, lautet die Antwort. 


Am Ziel hilft der Kollege seinen Fahrgästen beim Aussteigen und mit dem Gepäck. Dann fragt er den Piloten höflich:
"Gestatten Sie mir eine Frage? Fliegen Sie mit Ihrer eigenen Maschine, oder gehen Sie nur arbeiten?"

6. Juli 2012

Während des finnischen, eher blutigen Bürgerkriegs verlief die Frontlinie in Vilppula. Im Süden standen die Truppen der Sozialisten, Fabrik- und Landarbeiter, im Norden standen die Truppen der Konservativen, Fabrik- und Landbesitzer und allen, die für eine unabhängige Nationalstaat kämpften.  Jahrzehnte hatten nur die Sieger ihr Mahnmal mit Schwerten und Drum und Dran am Nordufer des Stromschnelle Vilppulankoski, bis 2001 auf die anderen Seite dieses Mahnmal für die "roten" Gefallenen  errichtet wurde.

Vilppula. Sommerliche Finnland-Idylle (Mücken kann man auf dem Foto nicht sehen). 



Gestern habe Uniklinikum vergeblich "bombadiert", die Tour nach Vilppula bekam ich am Nachmittag vom Bahnhof. Die heutige Fahrt in andere Ecke der Gemeinde bekam ich, wie geplant, vom Uniklinikum.

4. Juli 2012

Klassische letzte Worte. War gestern tagsüber Fußball spielen mit den Jungs. Der Ball fliegt in die Büsche und der Jüngere rennt ihn hinterher, dreht sich aber sehr schnell um und springt eiligst wieder auf den Platz. Wespen. Der Ältere sieht seine Chance, mal Held zu spielen. Er spaziert selbstsicher zum Ball und sagt:

"Wespen stechen nur, wenn du rennst..."

2. Juli 2012


Der erste Arbeitstag lief dann doch besser als erwartet. Eine Lieferung von Trombozyten nach Pori hat die Schicht gerettet. Eine Schicht von sechs Stunden von 14 bis 20 Uhr wäre sonst ein schlechter Witz geblieben.

Neue Tarife gelten, wie jedes Jahr, ab 1. Juli. Die Grundgebühr wurde ganze 20 Cent erhöht, und pro Kilometer sind jetzt 5 Cent mehr fällig.

1. Juli 2012

Erster Arbeitstag nach dem Urlaub. Egal, wieviel ich früher davon geschwärmt habe, wie toll es ist, auch einen Scheißjob zu haben, finde ich nun allein die Gedanke von Arbeit depremierend. Das Gute bei der Sache ist, dass im Juli die meisten Fahrer Urlaub machen und die Besitzer selbst hinter dem Lenkrad hocken. Die kennen die besten Geschichten dieser kleinen aber feinen Branche, und ich hoffe, einige nette Stories zu hören.

Woher weiß man, dass man alt geword... ähm, vielleicht nicht mehr ganz so jung ist? Ein sicheres Zeichen dafür ist, dass die immer noch voll aktuellen Lieder mittlerweile mehr als 20 Jahre alt sind und im Radio unter den Classics laufen. Wie dieses hier.

26. Juni 2012

Wie nett!

Wie bitte? Ein w124 als Taxi. Mit dem wäre ich so gerne gefahren. Unter den Linden, Berlin

Grossglockner. Hmm, ja, aber welcher?

Ein ehemaliges Machtzentrum. Die Stelle lässt sich heute nicht mehr leicht finden. Was und wo?

Immer einen Besuch wert. Für die Jungs das zweite Mal, für mich bereits das fünfte.

Die Fähre Richtung Heimat. Ein gutes Gefühl, vor allem bei schönem Wetter.

Mein alter s124 hat doch die Strapazen der Tour d'Allemagne überstanden. Rund 5100 km in 10 Tagen, mal 2504 m ü.d.M., mal mit einer Geschwindigkeit von 180 km/h.

Wieder in Tampere. Am Sonntag fahre ich meine erste Schicht, bis dahin werde ich praktisch nur noch auf dem Couch liegen. Aber nein, es war wirklich ein Super-Urlaub, ganz nach meinem Gusto; eine Mischung von Reisen im Ausland (mit Kindern), Begegnungen mit alten Freunden; möglicherweise kamen ein paar neue dazu - und später eigene Ruhe ganz weit im Norden. Perfecto! Und hör, hör - bevor der dunkle Herbst ganz einkehren wird, wird im August das Lachsfischen noch für eine Woche fortgesetzt. Echt endgeil.

18. Juni 2012

Boratbokcá, Fluss Teno. Meines Achtens der schönste Terrassenausblick im Lande.

Nuorgam. Mein Urlaub hat endlich seinen Höhepunkt erreicht, zumindest geographisch gesehen. Von den anderen Höhepunkten füge ich später ein paar Bilder hinzu. Noch bis Freitag ist Fliegenfischen auf Lachs angesagt, danach geht es wieder Richtung Süden. Bezahlter Urlaub ist wirklich was Feines!

2. Juni 2012






Berlin. Heute Nacht um zwei Uhr angekommen.  Haben unseren Wagen außerhalb der Umweltzone abgestellt und uns von Sash in die Manteuffel fahren lassen. Super, dass du da warst! Die letzte Tour am Donnerstag ging vom Uniklinikum nach Kurikka. Hätte meinen Urlaub nicht besser beginnen können.

27. Mai 2012


Fremdgehen. Mein Chef rief mich heute an und fragte, ob ich eine Tagesschicht fahren würde. Sein ehemaliger Fahrer hat jetzt eigenes Taxi und bräuchte dringend einen Fahrer für morgen. Für die Nachtschicht fünde er schon jemanden. Hmm, warum eigentlich nicht? Morgen werden wir dann sehen, ob ich tatsächlich Freude am Fahren habe.



Feiertag gestern. Mit den Kids haben wir den Vergnügungspark Särkänniemi besucht. Obligatorisch war auch der Besuch auf dem 168 Metern hohen Turm Näsinneula. Der Turm wurde zwischen 1970-1971 errichtet. Baubeginn war am 6. Juni 1970. Der Turmschaft selbst wurde in 33 Tagen von einer ungarischen Bautruppe in Kletterbauweise betoniert. Die restlichen Bauarbeiten dauerten noch bis zum Frühjahr des daraufhin folgenden Jahres. Der Turm wurde am 1. Mai 1971 eröffnet. Zu Beginn war das Bauvorhaben sehr umstritten, 41 Jahre später ist Näsinneula das bekannteste Wahrzeichen der Stadt.

25. Mai 2012

Mal in Lammi. Nicht extrem weit weg, aber doch eine nette Tour von 140€.

Morgenstunde am Bahnhof. Die Welt wird erklärt kurz bevor der Zug aus Helsinki anrollt.

22. Mai 2012

Ein Penner wie ich soll seinen Mitmenschen auch Gutes tun. Ich spende Blut in regelmäßigen Abständen. Heute ist wieder ein Spendetag. 

Auf geht's!

20. Mai 2012

Meine Nachtschicht gestern, Beginn 21.30 Uhr:

- Koskipuisto - Nachtclub Seurahuone. Ein altes Paar, der Herr Maler mit einem Stetson, aber strich nur Wände.

- Bahnhof - Park Koskipuisto. Zwei stockbesoffene Idioten.

- Stand Koskipuisto - Jänislahdenkatu 6. Ein Ehepaar, er schlief ein, sie ignorierte dies und redete weiter als würde er immer noch zuhören.

Stand Koskipuisto - Kneipenschiff "Suvilaiva". Vier Herren, Arbeitskollegen.

- Keskustori - Tesomajärvenkatu. Geschwister, Rund 60.

- Pyynikintori - Korvenkatu 32. Ein junges Paar, sprachen kein einziges Wort.

- Stand am Warenhaus Sokos - Auto Ollanketo. Ein Herr wollte seine Freundin retten, die nach ein paar Gläsern zu viel nicht mehr Fahrrad fahren konnte.

- Hotel Ilves - Sorinkatu. Eine Dame und und ein Herr, wollten zu zweit zum Büro, wo am späten Abend niemand mehr war.

- Hotel Ilves - Hotel Cumulus Hämeenpuisto. Zwei Damen, wegen eines Sportevents in der Stadt.

- Stand am Warenhaus Sokos - Nokia. Ein Paar mit Hot Dogs in der Hand. Bitte, nicht im Auto essen. Unterwegs stellte sich heraus, dass sie ein junges Couple waren: Er musste bald verreisen, hatte aber nicht so recht Lust weg von ihr zu gehen. Ja, dann sollte er vielleicht nicht gehen. Sie wolle ihm natürlich nichts untersagen, so 'ne Frau sei sie nämlich nicht, aber vermissen würde sie ihn doch schon, falls er ginge... Oh ja, diese Geschichte kenne ich.

- Keskustori - Nokia. Ein Ehepaar meines Alters, kamen von einer Party, sie recht respektlos ihm gegenüber, er die ganze Zeit in der Verteidigung. Ehe in der Endphase.

- Pyynikintori - Iidesranta 20. Drei Herren zwischen 40 und 50 Jahren.

- Bahnhof - Käpytie - Kuormaajankatu - Korpikodinkatu. Drei junge Damen, mal ein Abend ohne die Herren.

- Bahnhof - Tohlopinkatu. Schwuler Mann, der seinen Freund anrief, weil er mit ihm so lange reden wollte, wie die Fahrt dauerte. Sobald wir vor seinem Haus waren, legte er auf, einfach so.

- Keskustori - Piettasenkatu 41. Noch ein Paar. Sie besoffen auf dem Hintersitz, er unzufrieden mit der Situation auf dem Beifahrersitz. Sagte aber nichts.

- Länkinotkonraitti - Torpankatu. Eine junge Frau, heim von einer Hausparty.

- Pyynikintori - Siivikkala. Eine nette Frau Mitte 30. Angetrunken aber lustig.

- Keskustori - Resiinankatu - Liutunkatu. Drei Arbeitskollegen vom Rettungsdiest, zwei Damen und Herr. Harte Arbeit, harte Freitzeit: die konnten kaum noch laufen.

- Bahnhof - Järvensivuntie. Ein Herr wegen eines Junggesellenabschieds seines Freundes in der Stadt.

- Kirkonmäenkatu 15, Verstaankatu. Zwei Herren von einer Firmenparty kommend.

Die Zeit 05.40. Feierabend mit einem Umsatz von 402 €.

18. Mai 2012

Die erste und gleich die netteste Tour heute ging vom Universitätsklinikum zum Stadtkrankenhaus in Hatanpää. Eine Frau, Mitte 30, hatte einen Untersuchungstermin vom Uniklinikum bekommen, aber blöderweise hatten sie vergessen, ihr mitzuteilen, dass die Untersuchungen im Stadtkrankenhaus durchgeführt würden und nicht dort, wo sie jetzt war, nämlich bei der Uniklinik für Radiologie.

Ich fuhr sie eiligst an den richtigen Ort. Es war eine gute Fahrt. Wir redeten ziemlich viel. Natürlich war sie sauer auf das Krankenhauspersonal und meinte, sie sollten wenigsten für die Kosten der Taxifahrt aufkommen. Dafür bräuchte sie eine Quittung von mir. Da ich die Quittung möglichst ausführlich ausfüllen wollte, fragte ich sie nach ihren Namen.
"Susanna."

Mein Stift blieb stehen. Wie nett! Im Bruchteil der Sekunde verstand sie, dass meine Frage nicht so gemeint war. Sie korregierte sich selbst rasch und gab mir ihren Familiennamen, den ich in die Quittung auch eintrug. Ich gab ihr die Quittung und wünschte ihr noch eine bessere Fortsetzung für den Tag.
"Danke, gleichfalls. Obwohl dein Tag bestimmt sowieso gut laufen wird."

Dann öffnete sie die Tür und stolperte aus dem Wagen. Alter, sagte ich zu mir selbst, bist möglicherweise nicht der attraktivste Mann auf dem Planeten, aber ganz hoffnungslos bist du auch wieder nicht.

16. Mai 2012

Trennung. Ein Faktum. Zunächst mal ein Witz dazu:

Ein Mann geht zur Spielzeugabteilung im Warenhaus, da er seiner Tochter eine Barbie-Puppe zum Geburtstag schenken will. Im Regal stehen zahlreiche Modelle in verschiedenen Outfits. Alle sehr hübsch und kosten nur 19,98 €. Aber eine der Puppen hat dicken Bauch, sieht müde und alt aus und kostet ganze 199,99 €. Der Mann erkundigt sich bei der Verkäuferin:
"Können Sie mir erklären, warum diese heruntergekommene, hässliche Barbie so viel mehr kostet als die jungen, hübschen Puppen?"
Die Verkäuferin feilt ihre Fingernägel ungestört weiter und antwortet:
"Klar. Wenn Sie diese Barbie kaufen, bekommen Sie auch Kens Haus, Auto, Boot..." 
So schlimm wird es bei uns wohl nicht kommen. Erstens besitzen wir kaum etwas. Außerdem verstehen wir uns momentan besser als seit langem. Was mich die Trennung kosten wird, klären wir im August. Kommt wie es kommt, es ist nur Geld. Hauptsache, wir kriegen es mit dem Umgangsrecht hin und ich sehe meine Kinder möglichst oft.

15. Mai 2012

Vorgestern war Muttertag. In tausenden Familien öffneten die Mütter Geschenke und ließen sich davon überraschen, was die Klassenlehrerin sich dieses Jahr hatte einfallen lassen. Am Tag zuvor erzählte mir eine Frau strahlend, wie die Lehrerin für Textilarbeiten in der Schule, die ihre Kids besuchten, Jahr für Jahr dieselbe Nummer zum Muttertag mit den Kindern durchzog mit der Folge, dass sie nun drei fast identische Topflappen hatte. Aber was soll's, hinterher hat's Kaffee und Kuchen gegeben und alle waren glücklich.

Urlaub steht vor der Tür. Den ganzen Monat Juni habe ich freigenommen. Herrlich! Pläne für die Tour d'Allemagne kristallisieren sich langsam auch: Berlin, Wittenberg (Lutherhaus u. Augusteum), Regensburg (mittelalterisches Zentrum u. Weltenburger Kloster), München (BMW-Welt), Zell am See (Großglockner) -liegt in Österreich, ich weiß ja-, Stuttgart (Daimler, Porsche), Oberes Mittelrheintal, Hamburg, Kopenhagen (Tivoli), heim.

Versteht sich von allein, dass BMW, Porsche, Tivoli u.Ä. wünsche der Jungs sind und der Papa sich nur für den alten Kram interessiert...

11. Mai 2012

Früher erwähnte ich schon mal, dass der misstraurische Taxler immer suspektiert, dass die Frauen in der Zentrale das Verteilen der Fahraufträge manipulieren. Müssen sie doch, denkt er; wie denn sonst bekommen immer die anderen die guten Aufträge und ich nicht? Es fehlt nur der Beweis. Wie wäre es hiermit:

Ich habe Geburtstag am Ende dieses Monats. Letztes Jahr stand ich zu Beginn dieses fröhlichen Tages am Stand in Lamminpää. Dort ist normalerweise nichts los, aber einige Fahrer, darunter auch ich, hatten herausgefunden, dass zweimal pro Woche morgens eine krebskranke Frau mit dem Taxi nach Turku reiste, wo ihr Blut komplett ausgetauscht wurde. Nach der Operation kam sie mit dem selben Auto zurück. Da könnte schon einiges zusammenkommen. Bezahlt hat die KELA, unsere nationale Versicherungsanstalt.

Da stand ich und genoss die Morgensonne und steigende Temperatur und wartete, als fünf vor halb acht ein Wagen hinter meinem auftauchte. Mist! Im gleichen Moment war der Fahrauftrag auf dem Bildschirm meines Boardcomputers: Hin- und Rückreise nach Turku + höchstens 6 Stunden Wartezeit. Na geht doch! Ich fuhr los. Kurz nach meiner Ankunft im Hof der Frau kam sie angerannt und meinte, die Abholzeit wäre doch erst in zehn Minuten gewesen und ich habe sie überrascht.

Moment mal, dachte ich mir. Sobald ein zweites Auto zum Stand fuhr, bekam ich frühzeitig einen Super-Fahrauftrag, und das noch zu meinem Geburtstag? Alles nur Zufall? Wirklich? Wir waren zehn Stunden unterwegs. Am Ende war es ein Tag von einer einzigen Tour und einem Umsatz von 477 €. Bedanken kann ich mich bei niemandem, denn ich kann leider nichts beweisen.

8. Mai 2012

Ein Post zu der etwas anderen Geschichte. Der 100. insgesamt.

Jahrelang trug ich den Ring. Zehn Jahre drückte er meine Haut. Seitdem ich ihn nicht mehr trage, fühlt sich die ganze Hand irgendwie anders, viel leichter. Aber die Haut im Ringfinger ist noch nicht ganz abgeheilt. Wenn man genau hinsieht, kann man da noch einen dunklen Streifen sehen. Die Haut wird heilen, aber dass der Finger noch einen Ring sehen wird, halte ich momentan für unwahrscheinlich.

Reden? Probleme aufarbeiten? Beziehungstherapie? Nein danke. Ich glaube, wir Finnen sind romantischer gesinnt als viele andere, die viel und gerne reden. Der alte Witz über ein finnisches Ehepaar lautet: Nach 60 Jahren Ehe fragt die Frau, ob der Mann sie noch liebt. Er:



"Ob ich dich liebe und ob ich dich liebe! Muss ich die ganze Zeit von der Liebe schwärmen? Als ich dich heiratete sagte ich schon mal, dass ich dich liebe. Weißt du noch? Wenn ich dich nicht mehr liebe, dann sag' ich dir bescheid."

Wenn eine Beziehung zu Ende geht, teilt man das Vermögen, notfalls mit einer Kettensäge, kämpft im Gerichtssaal bitter um die Kinder und geht getrennte Wege. Das ist hart, aber danach ist wieder freie Bahn, das Leben beginnt neu. Ich meine, wenn die Gefühle nicht mehr da sind, sind sie eben nicht mehr da. Das viele Reden bringt sie nicht zurück. Muss man die Frust und den Ärger, den man für die andere Hälfte nur noch hat, zur bloßen Erduldung aufarbeiten und alle Ewigkeit in einem selbstgebauten Gefägnis leben? Es kann keine schlimmere Qual geben!

Also sprach der Zwilling...

Meine eigenen Eltern waren bis zum Tod meines Vaters zusammen. Als ich einmal bei denen zu Besuch war, war meine Mutter nicht zu Hause. Ich fragte den Alten, wo sie war. Seine Antwort:

"Woher soll ich das wissen? Hoffentlich noch am Leben."

5. Mai 2012

Die Eishockey-WM? Interessiert mich nicht. Spielt man doch jedes Jahr. Ein Wettbewerb, den wir in Eishockey hätten gewinnen müssen, war 2004 der Word Cup of Icehockey, der früher ganz einfach Canada Cup hieß. Leider unterlagen wir den Kanadiern im Finale knapp mit 3-2. Dieser Sieg wäre etwas Besonderes gewesen, denn in diesem Wettbewerb sind jedes Mal die Besten der Besten dabei.

Die Fußball-Europameisterschaft 2012 ist meines Achtens das wichtigste Sport-Event des Jahres. Aber es gibt doch die Affäre Timoschenko! Sie sitzt im Knast. Hmm, das ist echt Scheiße. Aber vielleicht nimmt man es in ihrem Fall nicht so genau mit den Vorschriften und sie bekommt auch einen Fernseher...

4. Mai 2012

Plenum. Ein Wort, das ich lange nicht mehr gehört oder gar selbst benutzt habe. Ein Wort, bei dem es mir des öfteren kalt über den Rücken lief, damals, in den Häusern Ecke Marchstr. 23/Einsteinufer 41. Ein Plenum konnte sich zu einem wirklich horrorhaften Erlebnis entwickeln. Vor ei paar Tagen bekam ich eine E-Mail von einer Freundin in Berlin. Sie wohnt in einem ehemaligen besetzten Haus in SO36 und schrieb mir hinsichtlich meines Besuchs im kommenden Juni, dass sie das Gästezimmer buchen und mich auf dem Plenum ankündigen wird. Oder besser gesagt uns ankündigt, denn es sind meine Jungs, mit denen ich eine kleine "Tour d'Allemagne" mache. Vom 1. bis 6. Juni sind wir in Berlin.

In der Arbeit war gestern eine Nacht der dicken Bücher. Nix los und null Bock.

1. Mai 2012




Indentitätsfragen zum 1. Mai. Hier oben ist 1. Mai neben der Arbeiterklasse auch ein Tag der Studenten, vorwiegend Hochschulstudenten. Alle, die das Abitur machen, bekommen als Zeichen für ihre Leistung eine weiße Mütze, "Ylioppilaslakki". Diese Mütze trägt man traditionell zum 1. Mai. Ab in die Universität ging es früher nach dem Abitur, und deshalb hat das Tragen dieser Mütze noch heute ein akademisches Flair, obwohl die meisten nach dem Abitur woanders als in einer Hochschule studieren. Rund 60 % der Jugendlichen gehen übrigens hier aufs Gymnasium und fast 90% von denen packen auch das Abitur.

Zu meinen Berliner Hausbesetzerzeiten besuchte ich regelmäßig die "Revolutionäre 1. Mai Demo" und hier (Bildgallerie Der 1. Mai in Berlin). Yo, war nix mit der weißen Mütze damals! Aber Spaß hat's gemacht, bis unser besetztes Haus dann langsam von Innen zusammenbrach, der Frust kam und ich  zu mir selbst sagte: In dieser Bewegung, mit diesen Leuten mach' ich nicht mehr mit. Danach war ich bis zu meiner Rückkehr nach Finnland die meiste Zeit nur noch so dicht, dass man diese Periode kaum mit dem Wort "leben" bezeichnen kann.

Heute Nachmittag setzte ich meine weiße Mütze wieder auf und fuhr in die Stadtmitte wie zigtausende andere Stadtbewohner auch. Ich wußte, was ich war und wo ich herkam: Sohn eines Restaurantbetreibers und einer Krankenschwester, Vater, akademisch ausgebildet, bald finnische Mittelschicht, aber mit einem sehr ungewöhnlichen Lebenslauf. Damit meine ich nicht nur die Zeit in Berlin. In meiner Vergangenheit gibt es noch ein Haufen andere Dinge, die man als ungewöhnlich bezeichnen könnte. Dazu vielleicht ein anders Mal mehr.

Ach ja, fast vergessen: Ich bin auch Taxifahrer. Kein ganztägiger und gewiss nicht für immer, aber dennoch. Ich bin eigentlich sehr stolz auf diesen Job. Mit dem Taxifahren verdiene ich mein Lebensunterhalt und kann für meine Kinder sorgen. Außerdem gewinne ich dadurch gewisse Freiheiten: Ich brauche keinem Behörden berichten, wie ich lebe und wofür ich Geld ausgebe. Ich habe das Geld selbst verdient und mache damit, was ich will. Das ist der Hauptgrund, warum mir kein Job zu klein ist, und einer der vielen Gründe dafür, dass ich momentan Taxifahrer bin.

28. April 2012

Radio hören im Auto macht Spaß. Heute verfügen auch die meisten Wagen über ein sehr raffiniertes Audio System mit mehreren Lautsprechern, die an verschiedenen Stellen rund um den Innenraum montiert sind. Diese neuen Systeme sind von dermaßen hohen Qualität, dass man an der Ampel gelegentlich auch die Passagiere des nebenan stehenden Wagens zum Winken bringen kann. Das kommt natürlich völlig auf die Musik an: manchmal blicken sie nur stur geradeaus und tun so, als ob neben ihnen niemand stehen würde.

Beim Zuhören von Sprachprogrammen passiert oft, zumindest zu mir, etwas Seltsames: wenn mal etwas Interessantes läuft und ich genau mitkriegen will, was gesagt wird, drehe ich die Lautstärke schnell auf und beuge mich leicht nach vorne  -  Richtung des Radioapparats in der Mittelkonsole! Warum denn nur? Die naheste Tonquelle ist doch links von mir an der Tür. Aber das ist wie ein Reflex. Ich tue dies jedes Mal, als wäre in die Konsole des Mercedeses ein alter Holzkasten aus den Kriegszeiten montiert, in dem man nur knisterne Geräusche hören kann, und ich müsste mich richtig anstrengen, um etwas von der Sendung mitzubekommen. Eigentlich bräuchte ich nur die Lautstärke aufdrehen und das Programm in Dolby Surround genießen. Aber leider wird mein Handeln nicht immer von der Logik bestimmt.

25. April 2012

Unter den Fahrern haben wir einen, der immer lächelt. Ein Taxifahrer, der lächelt? Gibt es nicht. Und wenn, dann bestimmt nicht in Finnland. Könnte man meinen, nicht? 

Aber einen gibt es, und er lächelt immer glücklich ohne einen scheinbaren Grund. Irgendwie einfach kommt dieser Mann einem vor, obwohl man nicht genau sagen kann, was diesen Eindruck weckt. Er ist keineswegs zurückgeblieben oder dümmer als die anderen. Kiffen tut er auch nicht. Trotzdem scheinen ihn die Sorgen dieser Welt überhaupt nicht zu berühren. Er grinst nur, dieses Unschuldswesen. Nun wollen die bösen Zungen in der Fahrerrunde am Bahnhof, wo man sowieso alles weiß, herausgefunden haben, was hinter seiner unglaublich guten Laune steckt: Er hat noch nie eine Beziehung zu einer Frau gehabt!

Ja, ich weiß. Pardon! Momentan kommen nur solche Witze gut bei mir an. Aber wenn man will, kann man die Rollen auch umdrehen:
"Es gibt eine Frau, die immer glücklich lächelt..."

21. April 2012

An einer ruhigen Straße im Osten Tamperes steht das Clubheim einer der weltweit bekanntesten  Rockerbanden, deren Mitglieder immer wieder wegen Gewalt-, Drogen- oder Waffendelikten in die Schlagzeilen geraten. Der Ort ist jeden Taxler bekannt und die Fahraufträge, die aus dieser Adresse kommen, werden von den meisten Fahrern abgelehnt.

Was viele nicht wissen, ist dass hinter diesem gefürchteten Vereinsheim, auf dem gleichen Grundstück, steht noch ein Haus, das über die gleiche Adresse verfügt, in dem aber eine schöne Frau wohnt, die nichts mit den Rockern zu tun hat. Ich weiß das, und habe sie bereits einige Male gefahen. Bei einem dieser Male wartete sie am dunklen Parkplatz auf das Taxi und sah recht frustriert aus. Als sie einstieg fragte sie höhnisch:


"Ihr Helden lasst euch Zeit, was? Frage mich nur warum?"

Eigentlich erwartete sie keine Antwort von mir, denn sie Sache war uns beiden klar: Taxler haben Angst vor den Bikers. Dann führte sie lächelnd fort:


"Ist ja auch egal. Andererseits brauche ich meine Tür nie abzuschließen, weißt du? Bei uns traut sich keiner was zu klauen."
Das konnte ich mir denken. Tja, ich kann nur hoffen, dass das auch künftig so weitergeht, bei der Schönen und den Bestien.

17. April 2012

Wie ich so höre, will man in Deutschland das Rederecht der Parlamentarier einschränken. Gute Idee. Sorgt garantiert für eine allgemein bessere Atmosphäre im Lande. In Finnland haben wir das schon: Höchstens zwei Minuten dürfen sie reden. Diese Einschränkung finde ich vielleicht ein bisschen überflüssig, denn so lange redet hier niemand auf einmal.

Weltpolitk: Wisst ihr was? Dieser Präsidentschaftskandidat Mitt Romney ist ein harter Brocken. Als ich erfuhr, dass er die obligatorische Missionszeit der Mormonen in Frankreich verbracht hatte, war mir klar, dass er ein Leistungstyp der Sonderklasse ist. Denkt doch drüber nach: Zwei Jahre lang bemühte er sich, ausgerechnet Franzosen für eine Religion zu gewinnen, die Alkohol und außereheliche Beziehungen verbietet!

12. April 2012

Meine Posts haben oft einen seeeehr erzählerischen Charakter. Ich bin mir dessen bewusst. Das hat man davon, wenn man sich akademisch ausbilden lässt.

Aber wir können auch anders. Jetzt mal die Kopfhörer einpluggen und volle Pulle aufdrehen, denn:

She kicks ass!


Schönes Wochenende!

11. April 2012

Im See Näsijärvi, etwa einen Kilometer nördlich von unserer lieben Stadt, liegt ein Felsenriff namens Siilinkari. Im Zentrum, genau gesagt in Hämeenkatu 9, befindet sich ein gleichnamiges Café, das seit 1960 von einer Bäckerei erfolgreich betrieben wird. Neulich erzählte mir ein älterer Kollege die folgende Anekdote:

Damals, als die Winter noch wahre Winter waren und die Fahraufträge über den Funk vermittelt wurden, gab es über die Wintermonate hinweg eine Eisstraße von Lapinniemi nach Teisko. Die Kunden wollten immer über die Eisstraße gefahren werden, weil diese Strecke deutlich kürzer war, als wenn man über die normalen Landstraßen gefahren wäre. Ihr Wunsch ist jedes Mal auf entschlossenen Widerstand bei den Fahrern gestoßen, mit dem Hinweis darauf, dass sie nicht zur Verantwortung gezogen werden wollen, wenn etwas passiert. Zurückgefahren ist man selbstverständlich immer über die Eisstraße.

Einmal war dieser Kollege auf dem Rückweg aus Teisko als die Zentrale einen offenen Fahrauftrag "in die Luft warf":

Die Zentrale: Lapinnemi, Straße X, Hausnummer 1?

Der Kollege: Auto 1 beim Siilinkari.

Die Zentrale (verzögernd): Hämeenkatu ist doch ein bisschen weit, nicht? Ist kein Wagen näher dran?

Der Kollege: Nein, nicht doch das Siilinkari! Ich bin hier auf dem See, versteht ihr?

Die Zentrale (nach einer etwas längeren Pause): Auto 1: Straße X, Hausnummer 1.

7. April 2012

Ich war gestern mit dem Taxi in Vampula. Die haben einen tollen Namen für ihr Dorf gefunden! Der Name klingt lustig auch auf Finnisch.

Die Nacht war kalt. Die Temperaturen lagen zwischen -5 und -15 Grad. Unangenehm genung an sich, klar, aber das Dumme bei der Sache war, dass die Tankstellen begonnen haben, wieder auf Sommerdiesel umzustellen, was auch ich tagsüber auf dem Rückweg aus Vampula getankt hatte. Der Gefrierpunkt von Sommerdiesel liegt bei -15 Grad. Als ich gegen zwei Uhr nachts mit dem alten Benz durch die offenen Ackerflächen in Punkalaidun düste und das Thermometer tiefer und tiefer sank, flehte ich: Bitte, jetzt bloß nicht abkacken!

Karwoche. Hier will uns der Staat nicht mehr vorschreiben, was wir an diesen christlichen Feiertagen zu tun oder zu lassen haben. Tanzverbot gibt es nicht, was sich auch gestern bemerkbar gemacht hat. Singles und junge Leute waren in Horden unterwegs. Es war ganz schön viel los. Die Leute 30+ fehlten fast komplett, die Familien-Leute eben. Daraus können wir erschließen, dass sobald man Familie hat, beginnen einem Hingabe und, vor allem, Leiden etwas zu bedeuten. Haha, sehr witzig. Na ja, die Drei da oben werden schon meine blöden Scherze verkraften, oder?

Schöne Ostern an alle!

2. April 2012

Da wir schon bei den Herzenssachen gewesen sind, habe ich auch eine Taxi-Anekdote zum Thema parat:

Bei uns beschäftig Taxi oft mehrere Mitglieder aus einer Familie: Väter, Söhne, Töchter, Ehepartner usw. Alle fahren natürlich nicht. Zum Beispiel hat der Mann ein Taxi und seine Frau arbeitet in der Zentrale. Bei solchen Fällen entsteht natürlich der Verdacht, dass alle Aufträge möglicherweise nicht korrekt vermittelt werden. Seitdem die Aufträge über GPRS- Verbindung auf den Boardcomputer kommen, weiß niemand, wer was von den Aufträgen abbekommt. Und niemand ist mißtraurischer als der Taxler.

Wenn uns die Technik mal in Stich lässt, der Server stürzt ab, o.Ä., und die Aufträge wieder über Funk vermittelt werden müssen, konkretisieren sich manches Mal unsere Verdächte:

Die Zentrale: "Stand 26?"

(Keine Antwort)

Die Zentrale: "Straße X, Hausnummer 1."

Auto 1: "Auto 1 in der Y-Straße."

Auto 2: "Auto 2 in der Z-Straße."

Die Zentrale: "Auto 2: Straße X, Hausnummer 1."

Auto 1: "Was? Er ist doch überhaupt nicht am nächsten daran!"

Auto 3: "Am nächsten am Herzen, Alter. Darum geht es. Du hattest keine Chance."


Und damit wünsche ich euch allen einen schönen Wochenbeginn!

31. März 2012


Also, da hat jemand wohl nicht verstanden, dass wir keinen neuen Schnee brauchen, echt nicht. Mann, wir haben es so satt!

29. März 2012

Ein Frühlingstag. Zu Beginn alles grau, auf einmal drängt ein zauberhaftes Sonnenbündel durch die Wolken hervor. Dann der Regen. Und naher lockert der Himmel langsam wieder auf.
"Blumen für die Frau zu Hause?"
So lautete die entscheidende Frage an mich am Sonnabend. Nein danke, möchte jetzt keine Blumen kaufen. Und in dem Moment wusste ich es. Es gab nur einen Ausweg für mich.

Am Montag war es so weit. Wir saßen zu zweit in der Küche. Ich erzählte ihr, was passiert war, auch an der Uni, und was das alles für mich bedeutete: Es ist nicht mehr wie früher zwischen uns. Ich bin alles andere als glücklich. Tränen. Dann das Geständnis: Sie wisse, es geht uns beschissen. Ihr habe nur die Kraft gefehlt, mit mir darüber zu sprechen. Sie wisse es auch, unsere Beziehung ist seit langem wie eine Partnerschaft in einer Firma. Dies zuzugeben tue aber weh. Dass die Gefühle gestorben sind, möchte doch niemand zu hören bekommen. Ich versicherte ihr, ich habe sie nicht verletzen wollen. Aber ich konnte nicht anders.

Wir sind seit elf Jahren verlobt und jetzt ist plötzlich alles offen. Für mich ist die Gefühlswüste, die ich gewohnt war, keine Option mehr. Was auch immer demnächst passiert, wichtig dabei ist, dass wir einander und unsere Lage mit offenen Augen betrachten.

Bevor ich für mein rücksichtsloses Handeln in dieser Frauengeschichte ans Kreuz genagelt werde, gestattet doch eine Frage: Was hat man von dem Schweigen eigentlich? Wir sind hier nur einmal. Aber zugegeben: Einer Frau persönliche Dinge laut zu sagen, ist verdammt schwer. Oder einer Person anderen Geschlechts überhaupt, bekannt oder nicht. Unglaublich. Nur Mut.

27. März 2012

Mein Chef besitzt Wald, ganz schön viel eigentlich, und wieder ist die Zeit des Jahres angekommen, wo er sich lieber mit den dazugehörenden Angelegenheiten als mit seinem Taxigeschäft beschäftigt. Weil ich momentan nur an Wochenenden fahren kann, und möchte, heißt es nun, dass ein zweiter Fahrer vorübergehend reinspringen muss.

Einen hat der Chef schon parat. Und was für einen! Rund 60, kennt jeden in der Branche - und alle kennen ihn. Nämlich, nach regelmäßigen Abständen nimmt er sich, wie es die Kollegen am Bahnhof ausdrücken: "Sonderurlaub zur Erhaltung und Wiederherstellung der Arbeitskraft"; will sagen, er trinkt ein oder zwei Wochen, bis er physisch, psychisch und finanziell am Ende ist und furchtbar verschwollen und mit roten Augen zurück zur Arbeit kehren muss.

Nach seinem neuesten Comeback hat er Arbeit in einem Auto gefunden, das derzeit mit überdimensional großen, gelben Werbeaufklebern verhüllt ist. Um die Arbeitsstunden der kommenden Monat mit ihm teilen zu können, soll ich die Sache selbst mit ihm besprechen, was ich am kommenden Freitag am Stand auch erledigen werde. Ihn zu finden, müsste einfach sein, denn selbstironisch und seine Situation durchaus erkennend hat er meinem Chef eine Anweisung für mich gegeben:
"Der Zirkuswagen, wo ein Clown drinne sitzt, das bin ich."

24. März 2012


"Sex ist wie mühsames Masturbieren. Und hinterher beschwert sich noch die Hand über die Leistungsdauer, -technik und völlig ausgebliebenen Emotionen."

Reine Schadenfreude füllte meine Seele als ich gestern beim Morgenkaffee dieses Zitat in unserer lokalen Zeitung Aamulehti lies. Das Blatt ist wirklich keine Perle unter den europäischen  Zeitungen, und oft sind die Versuche ihrer Redaktion, die Welt zu erklären, Schüsse ins Leere geblieben. Und jetzt dies! Wie hübsch! Sie ist schon eine witzige Bemerkung, aber "unter Jungs" und nicht in der Zeitung. Der verantwortliche Journalist dürfte bereits von seinen Eiern an der Decke hängen.

Auf der Arbeit versuchte ich dann herauszufinden, wie diese Bemerkung bei den Leuten angekommen war. Eine klare Antwort bekam ich nicht, irgendwie gab es die richtige Kundschaft nicht und es schien mir, dass die meisten hätten die Bemerkung gar nicht gelesen. Und dann am späten Abend ein Kollege:

"Das Gute an Masturbieren ist, dass man selbst wählen kann, mit wem man vögelt."

Hirnloser Affe. Wie peinlich. Es fiel kein Wort mehr. Ich ging zurück zu meinem Auto, stieg ein, schloss die Autotür und lachte los. Wo bin ich hier eigentlich?

23. März 2012

Die junge Dame, die in Peltolammi vom Bild verschwand und ihren Kopf gegen die Wand schlug - sie blutete übrigens heftig - hat den Vorfall überlebt. Die fehlende Summe von 10€ war am Montag auf mein Konto überwiesen worden.

Heute hat es in der Lokalzeitung eine witzige Bemerkung über Sex gegeben. Ich versuche heute Abend herauszufinden, ob sie Resonanz bei der Taxikunschaft gefunden hat. Worum es geht, erzähle ich euch morgen.

21. März 2012

Frühling und ein neuer Layout mit Farben! Ich wurde darauf aufmerksam gemacht, dass weiße Schrift auf schwarzem Grund möglicherweise nicht ideal ist. Mit dieser Lösung habe ich versucht, die Stimmung der dunklen Jahreszeit des Nordens zu vermitteln. Aber hier oben beginnt ja langsam die Zeit, wo es hauptsächlich hell ist. Das will der neue Layout jetzt imitieren. Hoffe, es gefällt euch.

Ich war bei der Polizei am Montag. Es war unangenehm, wie immer. Eine Stunde saß ich da, bis mir dann der Herr Ermittler einen kurzen Text über den Tisch reichte. Er war wirklich kein langer Text, aber wegen den Satzkonstruktionen und zahlreichen Tippfehlern habe ich ihn zweimal lesen müssen, bevor ich alles verstanden habe. Unterschrieben habe ich das Papier, oder sachlich ausgedrückt Verhörprotokoll troztdem.

Mein alter s124er hat vor kurzem den Kilometerstand von 400 000 km erreicht.  Der w211er meines Chefs hat jetzt 506 000 km im Tachometer. Schlecht gebaut ist er auch nicht. Der Alte hat endlich einen neuen E200 CDI bei einem deutschen Autohändler bestellt, nach zwei Jahren Hin und Her. War ja ehrlich gesagt die höchste Zeit. Der neue Wagen wird jetzt gebaut, aber erst im August geliefert. Grund dafür ist, dass er beim Händler als Vorführwagen drei Monate stehen wird. Es kann sein, dass ich ihn aus Heide abhole - wenn mein Chef genug zahlt.

Fliegenfischen-Saison steht vor der Tür. Hurra! Unterkunft am Fluss Teno für die Wochen 24- 25 und 31 ist bereits gebucht. Wahrscheinlich gehen wir auch rüber nach Norwegen für ein paar Tage. Bevor es so weit ist, werde ich beim Aufbau der Fliegenfischen Messe Tampere am 14. und 15. April helfen. Frühling ist die Jahreszeit fürs Planen!

18. März 2012

Es ist lange her, dass ich das letzte Mal die Touren aufgelistet habe, die ich während der Nacht gefahren habe. So verlief  meine Schicht gestern. Beginn war 17:00 Uhr:

- Kissanmaa - Välimaankatu 1: ein junger Herr mit einem Rucksack voll von Bierflaschen auf dem Weg zu seinem Bruder.
- Sammokatu 8 - Satamakatu 8: eine Dame aus Helsinki, die zu Besuch bei Freunden war.
- Uni-Klinik, Dialyse - Kalkku: ein älterer Herr, sehr schweigsam.
- Rahola - Busbahnhof - Iidesranta: zwei junge Herren auf dem Weg zur Einzugsfest, Krach vorhergesagt.
- Kissanmaa - Club Pakkahuone: ein Ehepaar auf dem Weg zum Stand-Up-Festival. Der Herr Autoliebhaber, quatschte mich voll, obwohl ich nicht besonderes auf Autos stehe.
- Tampere-Haus - Hotel Ilves: ein älteres Paar. Die Fahrt kostete €10,60, eine Ermässigung von 60 Cent, weil ich zu faul war, um das Kleingeld rauszuholen.
- Stand 4 - Nachtclub Seurahuone: ein Ehepaar, das Tanzen wollte. Die Zeit: 21.30 Uhr.
- Kissanmaa - Hämeenkatu 10: vier junge Herren unter 20 Jahren. Wenig Geld, aber es hat dann doch geklappt mit der Zahlung.
- Stand 4 - Hallila: ein Unternehmerehepaar, ewig zusammen, aber wie Hund und Katz.
- Hotel Ilves - Atala: ein junges Ehepaar, der erste gemeinsame Abend seit langem. Zum Abendbrot stand Sushi auf der Liste, und zwar zu Hause und zu zweit.
- Pub Tasanne - Bistro 2h+k: vier Herren aus der Restaurant-Branche. Klatschtanten.
- Bahnhof - Pyhältö in Lempäälä: ein Ehepaar, nette Leute von einer Firmenparty kommend.
- Bahnhof - Siuro in Nokia: noch ein nettes Paar. Die Fahrt kostete über 40€, aber sie legten noch einen Fünfer drauf als Trinkgeld.
- Bahnhof - Korkinmäki: ein junger Herr, froh darüber, dass er nicht noch mehr getrunken hatte. Das war ich auch.
- Bahnhof - Janka: zwei Herren und eine Dame, die Herren trugen Lederjacken mit draufgenähten Ami-Flaggen. Für sie war der Benz zu klein, versteht sich.
- Bahnhof - Lamminpää: zwei Damen, von denen die eine bereits in Epilä ausstieg.
- Nachtclub Seurahuone - Haapalinna - Tesoma: eine Dame und ein Herr, Mitte 50. Er zahlte bis Haapalinna, €15.60 + 4,40 Trinkgeld. Sie zahlte den Rest, €7,80, kein Trinkgeld.
- Eteläpuisto 4 - Linnainmaa - Kangasala: drei Fahrgäste, die miteineander befreundet waren, hatten eine Geburtstagsparty besucht.
- Bahnhof - Annala: drei Partygänger, die in einer Privatwohnung weiterfeiern wollten.

Die Zeit: 04:50 Uhr. Feierabend mit einer Kasse von € 458,80. Wünsche Euch allen einen guten Wochenbeginn!

17. März 2012

Ein Kollege rief mich vor ein paar Stunden an und fragte, ob die Polizei bereits mit mir gesprochen habe. Die Polizei? Ach, genau! Gestern Nacht hat es einen Ueberfall gegeben. Ich hatte einen Fahrgast in Kaukajärvi abgesetzt, als ein Taxi um die Ecke Alarm schlug. Plötzlich sah ich dann den Wagen an mir vorbeifahren. Ich drehte mein Auto um und fuhr ihnen hinterher. Der Wagen hielt an, die Tueren gingen auf, und ein Mann und eine Frau sprangen raus. Der Kollege und ich verfolgten sie, aber die beiden konnten sich in der Menschenmenge vor der naheliegenden Eissporthalle aus dem Staub machen. Die Bullen kamen an, aber es war zu spät. Die Täter hatten den Fahrer mir einer Spritznadel gedroht und wollten Geld. Er hatte nur 60€ in Bar. Dann wollten sie seine Bankkarte und die Kennzahl haben und drohten, ihn zu schiessen, wenn er sich weigern oder etwas versuchen wuerde. Sie waren beim Bankomat angegommen, als ich auftauchte.

So, und jetzt muss ich morgen oder am Montag aufs Revier, weil ich da war und die Täter gesehen habe. Gottverdammter Fixer! Wegen meiner Vergangenheit als Berliner Hausbesetzer bin ich prinzipiell kein grosser Fan der Bullen. Aber ich werde hingehen und erzählen, was ich gesehen habe, denn Fixer sind das Allerletzte, was es gibt.
Gestern fuhr ich eine alleinerziehender Mutter mit drei Kindern von der Uni-Klinik nach Urjala, wo ich letztes Jahr drei Monate als Lehrer tätig war. Obwohl ich ihre Kinder alle kannte, sprachen wir vom Schulwesen hauptsächlich nur auf der allgemeinen Ebene. Ein paar nette Anekdote erzählte sie mir doch noch. Sie war eine serh ruhige und bodenstänsige Frau. Die Tour war ein merkwüdiger Zufall auch deshalb, weil ich noch am vorigen Tag jemandem von Urjala erzählt hatte. So ist es beim Taxi eben. Einmal saßen wir im Wagen eines Kollegen vor der Uni-Klinik, und ich beklagte mich bei dem darüber, dass ich überall gewesen war, nur in Heinola noch nie. Und was glaubt ihr, wohin dann gleich die nächste Tour ging? Richtig.

In der Nacht habe ich mich dann wieder wie ein wahrer Ritter benommen. Ich habe ja immer davon geschwärmt, wie die finnischen Frauen die absolute Spitzenklasse darstellen. Dieser Meinung bin ich immer noch, nur wenn es um die Sache mit dem Alkohol geht, ist da bedaurlicherweise gewisse - hmm, ja -  Schwankung zu beobachten. Es war gegen drei Uhr, und ich hatte eine junge, stockbesoffene Dame vom Hotel Ilves nach Peltolammi befördert. Vor ihrem Wohnhaus stellte es sich heraus, dass sie nicht genung Bargeld bei ihr hatte und ihre Electron-Karte nicht kooperationswillig war. Sie schuldete mir noch zehn Euro. Um sie schnell loszuwerden, schlug ich vor, dass sie mir das Geld am nächsten Tag auf mein Konto überweist. Ok, kein Problem. Als sie dann ausstieg, stürtze sie sofort ab und schlug ihre Schläfe gegen die Betonwand. Um Gottes Willen! Ich nahm Papier mit und rannte zu ihr, half ihr auf die Füße und fragte, ob ich sie zur Erste-Hilfe-Station bringen sollte. Nein, das wollte sie nicht. Sie wolle nach Hause. Na gut. Ich öffnete die Tür und half ihr zum zweiten Stock, wo sie wohnte. Ihre Wohnungstür musste ich auch noch öffnen, sie hätte es nicht geschafft. Endlich war ich sie los. All das, obwohl sie mir Geld schuldete. Bin ich blöd oder was? Nee...

15. März 2012

Mal vorm Vaasaer Krankenhaus


Es war ein großer Tag heute. Damit meine ich nicht das Bild, das ich oben hinzugefügt habe. Nein, heute ging es um etwas von Bedeutung. Es ging um die Art und Weise, wie wir unsere Lebenszeit verbringen und mit unseren Mitmenschen umgehen. Es ist wohl klar, dass mein Post diesmal sehr persönlich wird und eigentlich wenig mit dem Taxifahren zu tun hat. Aber ihr könnt ja jederzeit aufhören, zu lesen.

Na, wusste ich doch. Also, die Frage lautet: Wie kann es sein, dass man beziehungsmäßig mehr als zehn Jahre ein ganz normales Leben - mit den Ups und Downs - führen und dabei denken kann, alles sei in Ordnung, bis man plötzlich merkt, dass allein die Anwesenheit einer anderen, völlig unbekannten Frau, die man nicht einmal angesprochen hat, die Gedanken durcheinander bringen kann? Und es wird noch schlimmer: Seitdem ich sie bemerkt habe, (es war im Herbst, als ich an der Uni eine junge Frau sah, die Bücher in der Hand hatte und bunte Gummistiefeln trug -an die Farbe kann mich nicht mehr erinnern, war ja auch nicht das, was ich mir angesehen habe, wenn ihr wisst, was ich meine), habe ich mich daran gewöhnen müssen, dass ich immer weiß, ob sie anwesend ist oder nicht. Ich weiß, wenn sie kommt und wenn sie geht. Und wenn sie den Raum betritt, hebe ich fast automatisch meinen Blick. Ich weiß nicht, was das soll, und es stört mich unheimlich. Neulich habe ich noch Fowles gelesen, und alle, denen der Name Frederick Clegg etwas sagt, können sich vorstellen, was mir manchmal durch den Kopf gegangen ist. Bin ich normal?

Nein, ich habe sie nicht überfallen und mit Chloroform betäubt. Ich lud sie zum Kaffee ein. Dann erzählte ich ihr, was los war. Sie hat es überlebt, denke ich mir jedenfalls. Ich habe lange überlegt, ob ich das tun soll oder nicht. Letzten Endes denke ich dann doch, dass unser Dasein geradezu erbärmlich wird, wenn wir weder den Mut haben, das zu sagen, was uns bewegt, noch das Glück, manchmal nette Sachen über uns selbst zu erfahren.

Und zu Hause? Mal sehen. Ich glaube, ich werde vorerst nichts von dieser Episode erzählen. Wenn ich darauf angesprochen werde, dann sage ich die Wahrheit. Meine Lebensgefährtin wird mich schon nach der Ursache fragen, wenn sie glaubt, dass mit mir etwas nicht stimmt. Und ich bin mir sicher, dass der Tag bald kommen wird. Sie ist doch nicht blöd. Das Schöne und gleichzeitig Schokierende an dieser Geschichte ist das, dass obwohl man glaubt, man kenne sich gut, kann man eines Tages ohne Vorwarnung zu der Erkenntins gezwungen werden, dass das nicht der Fall ist.

Egal ob ich mich richtig oder falsch verhalten habe, eines steht fest: Den heutigen Tag werde ich nie vergessen. Und darauf kommt es an.

5. März 2012

   Der kleine blaue Punkt an der Westküste

Semesterferien. Und was mache ich? Fahre Taxi. Unten habe ich die Tage und, leider Gottes, Nächte hinzugefügt, für die ich mich bereits arbeitsmässig verpflichtet habe.

Am Montag vergangener Woche fuhr ich einen Kunden nach Mustasaari. Eine interessante Fahrt. Offiziell ist Finnland ein zweisprachiges Land. Alle müssen in der Schule Schwedisch lernen, obwohl die schwedischsprachige Minderheit von Rund 5 % in den Küstenregionen im Süden und im Westen des Landes wohnen. Richtig motiviert sind verständlicherweise die meisten finnischsprachigen nicht, diese "unbedeutende" Sprache zu lernen. Als werdende Lehrer habe ich mir jedoch extra Mühe geben müssen in Sachen Schwedisch, denn rein theoretisch kann mir eines Tages eine Verbeamtung bevorstehen. Und als Diener des Volkes muss ich dann Bürger auch hinsichtlich der Sprache gleich behandeln können. Ob ich nun Schwedich gut kann? Es geht. Mit dem Fahrgast unterhielten wir uns auf Schwedisch die ganze Zeit, und in Mustasaari lud er mich zu Kaffee und Kuchen ein.

Zum Schluss noch eine kleine Anekdote. Die Tampereer Taxler wissen alles besser. Sie glauben alles über jeden zu wissen, und von den Angelegenheiten der Kollegen weiß man sowieso bescheid. Einmal saßen dann ein paar Taxler beim Kaffee. Einer von denen hatte neulich ein Kind bekommen, und über dessen Name wurde spekuliert.

"Und, weiß man schon, wie das Baby heißt?"
"Nein, noch nicht."
"Kein Wunder, es war ja noch nie im Taxi."

24. Februar 2012

Wieder da

Ehem, ja -jetzt ist die Woche endlich um. Melde mich zurueck und merke gleich, dass mein Handy nicht alle Buchstaben kennt.Es ist fast ein Jahr her, dass ich das letzte Mal gebloggt habe. Hat sich etwas inzwischen geändert? Eigentlich nicht. Beruflich war mein Leben eine Mischung aus Studium, Lehren und Taxifahren. Da tut sich jedoch ein bisschen was: bis zum Ende des Semesters habe ich alle Kurse absolviert und meine Magisterarbeit werde ich voraussichtlich im Herbst vorlegen. Dann bin ich qualifizierter Lehrer und es ist wohl vorbei mit dem Taxifahren.

Im Privatleben ist wenig passiert, was man in einer Familie mit Kindern vielleicht schätzen soll. Dies mag nicht die ganze Wahrheit sein, aber darueber mehr später. Ein paar Super-Touren habe ich auch erwischt, von denen zwei hervorzuheben sind: einmal ging es nach Kuopio (470€) und ein anderes Mal nach Liperi (560€). Der Letztere war ein Student, der eine ermässigte Fahrkarte gekauft hatte aber fuer einen sehr hohen Preis mit dem Taxi ans Ziel befördert werden musste. Bezahlt hat die finnische Bahn.

25. April 2011

Ich melde mich nächste Woche wieder zu Wort!

24. Februar 2011

Alles ist bestens hier oben. Ich habe mir nur etwas Zeit genommen vom Bloggen. Jetzt bin ich wieder da.

Ja, ich weiß: wenn man nichts zu sagen hat, spricht man über das Wetter. Aber versucht doch erst mal eine Zeitweile hier ober zu leben! Wie die drei spanische Austauschstudenten, die ich vor kurzem als Fahrgäste hatte. Sie meinten, sie verstünden jetzt, warum man hier häufig über das Wetter redet. Es ist bereits Ende Februar und die Temperaturen wälzen immer noch irgendwo zwischen -15 und - 25 Grad. Die Tiefstwerte für diesen Winter, -41,3 Grad, hat man vor einer Woche im nordöstlichen Naruska bei Salla gemessen. Es liegt ein halber Meter Schnee am Boden und es ist meistens dunkel. So sehr dunkel ist es eigentlich gar nicht mehr, aber sie haben trotzdem eine Pointe gemacht: hier beeinflusst das Wetter das Leben jeden Einzelnen so stark, dass es ein völlig salonfähiges Diskussionsgegenstand ist.

Betrefflich des Schnees, oder genauer noch, des Schneeräumens, das die Stadt alle zwei Jahre nach Preiswettbewerben in private Hände gibt, muss ich  Folgendes sagen: je mehr man privatisiert, desto sozialistischer sehen die Resultate aus. Wie in diesem Winter: Fahrspuren bleiben tagelang so gut wie unbefahrbar, kleinere Straßen außerhalb des Zentrums wochenlang sogar, Bürgersteige haben sich in schmale, eisige Spuren verwandelt, und die Schneeberge an zahlreichen Kreuzungen sind so hoch, dass man die andere Fahrzeuge erst dann sieht, wenn es fast zu spät ist.

Ich bin der Meinung, dass das Steuern der Steuergelder in die Taschen von privaten Unternehmen eher Missverwaltung gemeinsamer Mittel ist, und auf blinde, grundlose Glaube an eine imaginäre Effektivität der privaten Sektor basiert. Und das gilt nicht für die Straßenreinigung allein.

10. Dezember 2010

Fahne am Rathaus hissen, einen Politiker wählen, der reden will, und alle warten auf das anschließende Feuerwerk


Mann, wat für 'ne Woche, ey! Habe wie ein Tier gearbeitet am Wochenende. Es war ein langes Wochenende diesmal, da am Montag unser Unabhängigkeitstag war, was ein allgemeiner Feiertag ist. Vier Tage Party, also. Aber wie absurd wirkt dieser Tag, an dem Politiker von nationaler Souveränität und Freiheit schwärmen in ihren Reden und ein paar Zeilen weiter uns davon überzeugen wollen, dass auch unsere kleine Volkswirtschaft Milliarden in die Euro-Rettungspaketen reinstecken muss, sonst ist alles hin.

Am Dienstag habe ich in Valkeakoski einen Unfall gebaut. Aus Versehen habe ich zu spät gebremst, und den hinteren Stoßstangen eines Opel Astras demoliert. Der Benz hat auch Blechschaden bekommen aber die sind angeblich leicht rebarable. Das hat mich so geärgert! Nicht des Chefs wegen, er meinte nur, dass sowas passiert eben ab und zu in diesem Beruf. Aber trotzdem! Ich habe mich immer für einen guten Fahrer gehalten und gedacht, mir passiert sowas nicht. Und dann ist es passiert...Mist! Naja, positiv gesehen: es waren nur Blechschaden und Versicherung zahlt alles.

Am gleichen Abend kommt dann meine Frau ins Krankenhaus und wird am nächsten Tag am Hals operiert. Sie darf am Freitag wieder nach Hause, alles ist wieder in Ordnung, aber es waren wirklich sehr hektische Tage, vor allem wegen der Kinder. Alle Achtung an alleinziehende Eltern! Kind(er), ein Job oder zwei, studieren vielleicht auch noch. Ihr habt es wirklich nicht leicht!