21. Januar 2013


Hatte eigentlich nicht vor, auch heute noch zu fahren, aber weil der Alte mich so nett darum bat, ging ich noch für einige Stunden raus. Zwei Touren, einmal nach Virrat und einmal nach Kaukajärvi, und schon war die Schicht erledigt. 

Ich versprach ja, im letzten Beitrag Bilanz zu ziehen. Dann mach ich das jetzt auch. Ich begann Taxi zu fahren, als ich mein Lehrertraining absolvierte und einen Weg finden musste, außerhalb der normalen Arbeitszeiten Geld zu verdienen. Ich hatte bereits  drei Kinder, die ernährt werden mussten, aber Tagsüber war ich eben in der Schule und machte dieses Training. Taxi war die Lösung. Von dieser mir gänzlich neuen Welt wollte ich auch anderen berichten. Finnische Taxiblogs auf finnischer Sprache gab es bereits einige, da waren keine neuen nötig, aber vielleicht konnte ich von der Branche völlig fremden Menschen erzählen? Auf welcher Sprache denn? Die Alternativen waren entweder Deutsch oder Englisch. Nun kamen auch andere Interessen in Bild. Englisch ist in diesem Land überall präsent, im Kino, Fernsehen, Radio, Videospiele, Internet, aber Deutsch nicht. Ich selbst hatte das Problem, dass ich zwar wissenschaftliche und sonstige formale Texte relativ gut verfassen konnte, aber seitdem ich nicht mehr in Deutschland wohnte, fehlte mir die Möglichkeit, mich auf dem alltagssprachlichen Niveau zu äußern, d.h. so zu schreiben, wie Menschen normalerweise schreiben (und auch sprechen). Das wollte ich nun versuchen, obwohl ich wusste, dass ich das Risiko wage, mit meinem begrenzten Sprachkenntnissen den Muttersprachlern so richtig auf den Keks zu gehen. Es entstand  eine komische Randerscheinung, ein deutschsprachiges Taxiblog aus Finnland. Mit der Sprache war aber auch das Problem der Anonymität gelöst. Oder was glaubt ihr, wie viele Taxi-Kollegen es gibt in Tampere, die Deutsch verstehen? Ich konnte ruhig schreiben, was ich wollte.

Auch statistisch gesehen ist mein Blog eine Randerscheinung. Heute werden rund 1 500 Besucher im Monat gezählt. Die Gesamtzahl der Seitenaufrufe liegt knapp über 15 000, von denen die meisten Aufrufe nach meinem Comeback vor ungefähr einem Jahr registriert wurden. Eher magere Zahlen im Vergleich zu Torsten, Sash und Mia zum Beispiel, die mit ihren Hunderttausenden und Millionen in völlig anderen Sphären fliegen. Aber ich kann mit meinen Besucherzahlen zufrieden sein, vor allem wenn man bedenkt, dass, zusätzlich zu dem, was ich oben sagte, meine Webpräsenz gleich null war. Ich möchte noch vermerken, dass es eigentlich keinen Sinn hatte, eine Blogroll einzurichten, denn viele von euch kennen bereits die Taxi-Blogs, die ich lese. Ich lese deutschsprachige Taxi-Blogs, ansonsten verfolge ich keine Blogs. Sie sind nicht mein Ding. Die Top-fünf-Länder, aus denen die Besucher kommen, sind: Deutschland, Vereinigte Staaten, Finnland, Frankreich und die Schweiz. Dabei sind einige Überraschungen: die USA? Frankreich? Und wo ist Österreich? Auf Twitter versuchte ich anfangs auch ein bisschen was zu schreiben, beschloss mich aber sehr bald, nur Fakten der langen Touren, die das Besondere in meiner Taxi-Karriere darstellen, wiederzugeben.

Die langen Touren. Ich hoffe, niemand glaubt jetzt aufgrund meines Blogs, so einfach und lukrativ wie in meinem Fall ist Taxifahren generell in Finnland. Was die langen Touren angeht, bin ich wirklich eine Ausnahme, auch wenn ich das selbst sage. Teils Glück, teils Können und teils... Na ja, besprechen wir doch die zwei ersten zuerst. Glück ist eine Größe, der Taxler immer ausgesetzt sind. Nie weiß man, wer als Nächstes einsteigt und wohin die Fahrt geht. Und ich habe einen unglaublichen Schwein mit meinen Touren gehabt. Können ist so weit im Spiel, dass da ich Sohn einer pensionierten Oberkrankenschwester des Uniklinikums bin, kenne ich den Rhythmus des Hauses. Zwischen 8 und 9 werden oft Exemplare, Blut und Patienten, die noch am selben Tag behandelt werden müssen, nach verschiedenen Instituten und Krankenhäusern losgeschickt. Dann ist Ruhe. Kurz vor 12 werden Patienten, die weit weg wohnen, aber nicht essen wollen, auf den Weg nach Hause gesetzt. Dann passiert in zwei Stunden wieder kaum was, bis dann ab halb 2 Patienten, die gegessen haben, nach Hause geschickt werden. Diese Hochsaison dauert bis ca. 17 Uhr, wo die Patienten, die nur einen Tagesbesuch benötigten, in ihren Heimatort fahren. Es lohnt sich also nicht, den ganzen Tag am Uniklinikum zu stehen, sondern nur zu bestimmten Zeiten. Der dritte Faktor waren dann Frau S. und die Damen der Zentrale (zu denen zähle ich auch die ein paar Herren, die dort arbeiten). Sie haben mich des Öfteren beglückt, da bin ich mir sicher. Warum, ist mir unklar geblieben. Soweit ich weiß, kenne ich keine von ihnen. Frau S. hat möglicherweise Augen für mich, aber gewiss ist das nicht. Ich werde das auch nicht herausfinden wollen.



Schwiegervater meines ältesten Sohns und Freund seit der 6. Klasse hat mich bei den Vorbereitungen zum Lachsfischen fotografiert. Feriendorf Reisti, Outakoski, August 2012.

Der Untertitel bekam im Frühjahr 2012 das längst fällige "und andere Erzählungen" angehängt. Ich hatte schon lange über andere Gelegenheiten, als nur über die gute Branche berichtet, und fand das daher auch sehr angemessen. Über die Zeit kommentierte ich die US-Präsidentschaftswahlen, Rederecht der Parlamentarier, H1N1-Impfungen, Qualität unserer Lokalpresse und was weiß ich noch was alles. 

Jeder Taxifahrer hat auch ein Privatleben. Teilzeitfahrer sogar noch eher. Meine Leser haben erfahren, dass ich aus der Mittelschicht komme, dass ich früher mal Hausbesetzer in Berlin war und dass ich seit Ewigkeit Universitätsstudent und werdender Lehrer bin. Ich habe über den Tod meines Vaters, über Urlaubsreisen der Familie und meine Leidenschaft für Fliegenfischen berichtet. Und über meine Verliebtheit und Trennung. Das erste war ein Gefühl, das ich so noch nie erfahren hatte. Plötzlich war ich wegen einer unbekannten Frau orientierungslos als wäre ich gegen die Wand gefahren. Von Anfang an war mir klar, dass es mit ihr aussichtslos war. So trat ich auf die Bremse so hart, es nur ging. Trotzdem gelang  es mir, auch den kleinen übrig gebliebenen Rest zu vermasseln. Perfektion begegnet man selten, aber manchmal. Sie war einfach unwiderstehlich. Das zweite war logische Folge dessen, was passiert war. Ich musste zugeben, ich lebte mit einer Frau zusammen, für die ich gar keine Gefühle mehr übrig hatte, von Frust und Ärger abgesehen vielleicht. Ich zog die Konsequenzen, obwohl ich wusste, es würde bedeuten, dass ich allein bleiben würde. Aber wie ich damals schon sagte, wir sind hier nur einmal. Für eine andauernde Lüge ist diese kurze Zeit zu wertvoll. Schade um die Kinder, sicher, andererseits ist es aber auch so, dass zu viele Kinder unter der Kälte und unter der Emotionslosigkeit der Beziehung ihrer Eltern gelitten haben. Unsere Kinder werden nicht zu denen gehören. Ich habe die Kinder fast die Hälfte der Zeit bei mir, oder je nach Abmachung, und ich sehe sie auch fast täglich. Sofern bin ich zufrieden.

Und nun? Fürs Frühjahr werde schon ausreichend Lehrervertretungen finden. Und später dann auch eine feste Stelle. Im Juni werde ich wieder mit den Kids eine Auslandsreise machen, möglicherweise nach Spanien, weil sie noch nie im Flugzeug waren und weil ein Strandurlaub mit kleinen Kindern sinnvoller ist als ein Stadturlaub. Kinder wollen spielen und keine Skulpturen und alten Gebäude sehen. Später im Juni beginnt dann eine neue Lachssaison. Mindestens zwei Reisen in den Norden stehen auch dieses Jahr auf dem Programm. Was gibt's denn Neues? Ich habe ein bisschen was geerbt. Es sind keine Hunderttausenden, aber immerhin so viel, dass in der letzten Woche in der Bankfiliale zum ersten Mal in meiner Gegenwart ein Satz gesprochen wurde, dessen zwei wichtigsten Konstituenten "Termin" und "Finanzberater" waren. Ich fand das irgendwie witzig, denn ich bin absolut kein Typ, der auf Mammon steht. Woran ich zunächst einmal gedacht habe, ist ein kleines Segelboot auf See Näsijärvi und segeln lernen. Das könnte etwas sein. In meinem Leben kann ich also einen klaren Aufwärtstrend erkennen. Dazu kommt noch, dass ich von meiner Grundstimmung her ein sorgloses Frühlingskind bin: ich kann Leben nicht allzu ernst nehmen. Das geht einfach nicht. Ich glaube immer noch naiv, ich werde es schon schaffen. Ich hoffe, ihr werdet das auch. 

Zum Schluss noch ein Song. Was die Popmusik angeht, stehe ich auf Bands wie AC/DC, Judas Priest etc., aber auch sehr auf Britpop oder alternativen Pop wie auf Pulp, Primal Scream, Stone Roses, Happy Mondays, Travis, U2 (ja, auch) usw., sowie auf Moby und Falco, dessen Album "Falco 3" ich damals total gern gemocht habe. Zugegeben, bei mir tritt die Entwicklung einigermaßen auf der Stelle. Aber was soll's. Zum besonderen Anlass habe diesmal etwas Feines ausgesucht.

So, liebe Leser/innen, ich habe zumindest vorläufig die letzte Taxischicht hinter mir. Die Zeit ist also gekommen, auch hier den längst ausgedachten letzten Satz zu schreiben: Mit diesen Worten beende ich die Sendung aus dem hohen Norden.

Zum Song

14. Januar 2013


Ich hatte von vornherein beschlossen, nur von Uniklinikum aus zu fahren, und auch diesmal ging für mich die Rechnung auf. Ich fuhr drei Touren, 13,80 €, 81,80 € und 210 € und verbrachte die übrige Zeit quatschend mit dem schwedischsprachigen Kollegen, von dem früher schon mal die Rede war. Er war mit seiner Frau auf Teneriffa gewesen und war nun in bester Laune und allein deshalb gute Gesellschaft. Also, wie schwer ist Taxifahren nun wirklich? :)

9. Januar 2013


Endlich der Tag der Abgabe. Welch eine Erleichterung!

7. Januar 2013

Zu Beginn der Fahrt hatte er Geld, am Ziel dann nicht. Penner. Buchstäblich diesmal. Ich dachte schon gleich am Anfang, die Fahrt könnte böse enden, und so tat sie dann auch. Das Fahrziel war eine Notunterkunft für Menschen der Straße in Hervanta, wo sich herausstellte, in Wirklichkeit hatte dieser Herr so gut wie kein Geld. 

Ich habe selbst in meinen wilden Jahren vorm Charlottenburger Rathaus in Berlin geschnorrt und zum Teil davon auch gelebt. Ich weiß, wie das ist, wenn man gar nichts hat, und deshalb hält sich noch heute meine Arroganz diesen Leuten gegenüber in Grenzen. Aber dieser Typ hatte mich mit Absicht reingelegt und das ärgerte mich schon. Nun wollte er am nächsten Tag zahlen. Er schaffe das schon, garantiert. Zum Pfand gab er mir sein Portemonnaie, das 80 Cent, einen abgelaufenen Personalausweis und sonst gar nichts beinhaltete. Na gut, dachte ich mir. Wollen wir doch mal sehen, wie diese Geschichte ausgehen wird.

Gestern um 18 Uhr trafen wir uns wie abgemacht. Und sieh an! Mit 2-Euro-Münzen bezahlte er die Summe, die er mir schuldete. Es fehlte eigentlich noch ein Euro, aber da ich ahnte, welche ganz besondere Anstrengung das Einsammeln dieses Geldes für ihn hatte bedeuten müssen, machte ich keine Nummer daraus, sondern reichte ihm nur meine Hand und ging dann wieder. 

5. Januar 2013

Januar ist traditionell ein harter Monat fürs Taxi. Das machte sich gestern auch bemerkbar. Ich begann die Schicht um 12.00 und, obwohl ich auch einmal nach Parkano fuhr, hatte ich um 02.30 gerade mal 290 € Umsatz. Traurig. Ich stellte das Auto ab und ging schlafen, zwei und halb Stunden vor dem offiziellen Schichtende. Ein unprofessioneller aber vernünftiger Entschluss.

2. Januar 2013

Die letzte Nacht des Jahres war mit einem Umsatz von rund 650 € finanziell gut. Die Nacht war auch in der Hinsicht ein Abbild von 2012, dass sie eine längere Tour (Ruovesi) vom Uniklinikum und zahlungskräftige, gutgelaunte Fahrgäste beinhaltete, die kein Scheiß bauten, mal salopp ausgedrückt.
Eine Bilanz werde ich im letzten Beitrag, der in absehbahrer Zukunft erfolgt, ziehen. Bis dahin dauert's aber noch einige Tage.

Nun wünsche ich allen ein erfolgreiches Jahr 2013!

31. Dezember 2012

Es gibt ja Gründe, dem Taxifahrer Trinkgeld zu geben.Gestern kam ein ganz neuer dazu. Ein Betrunkener gab mir 2 Euro, weil ich mich verweigert hatte, das Radio anzumachen. Ich höre selten Radio, wenn ich fahre, lieber höre ich dem Motor und sonstigen Geräuschen zu und gebe meinen Gedanken freien Lauf. Außerdem halte ich die Playlists nicht mehr aus, und Sprachprogramme verlangen wiederum Konzentration, die eigentlich dem Straßenverkehr gewidmet werden sollte. Also bleibt das Radio ausgeschaltet, oft auch gegen den ausdrücklichen Wunsch der Kundschaft. Die Frage des gestrigen Fahgastes, ob man nicht Radio hören wolle, beantwortete ich mit einem Nein, was mir am Fahrziel mit der Begründung: „Selten begegnet man Leute, die stilles Fahren schätzen” gutgeschrieben wurde.

26. Dezember 2012

Viel Leute aber wenig Taxen gestern in der Stadt. Teilweise lange Wartezeiten an Ständen. Am Bahnhof steigt kurz nach vier ein Mann, knapp unter 20 Jahre, bei mir ein.
"Kalt, Mann, arschkalt! Meine Nuggets sind ja auch schon eingefroren."
"Erspar mir den Rest..."
Stumm zeigt er mir eine ungeöffnete Packung von McNuggets, die er beim McDonald's um die Ecke mitgenommen hat.
"Ach ja, diese Nuggets. Klar. Wie dumm von mir..."

24. Dezember 2012

Weihnachten. An dieser Stelle möchte ich das Wort weiter geben an Karen. In ihrem Blog schildert sie sehr schön, wie finnisches Weihnachtsfest beginnt.

Hyvää joulua! Frohe Weihnachten!

22. Dezember 2012





Endlich Kokkola! Es ist die nördlichste Stadt, aus der Patienten nach  Tampere für spezielle Operationen kommen. Patienten nördlich von Kokkola müssen nach Oulu. Regelmäßig fahren Tampereer Taxen nach Kokkola, nur ich war noch nie dort. Und da ich voraussichtlich nicht mehr lange Taxi fahren werde, hatte es begonnen hinsichtlich eine Kokkola-Reise düster auszusehen. Bis gestern 13 Uhr, als Frau Fortuna alles änderte und mir eine Frau an Board gönnte, mit der es angenehm vier und halb Stunden im Auto sitzen ließ.

Kokkola ist eine der ältesten Städte Finnlands und verfügt über eine wirklich schöne Altstadt "Neristan" aus alten Holzbauten. Neristan, aus dem Schwedischen "ner-i-stan": "unten-in (der)-Stadt" war ein Stadtteil für Arbeiter und Seeleute und Uppistan, "upp-i-stan" "oben-in (der)-Stadt" war dagegen für Kaufleute und Reeder. Logisch. Weitere schöne Stadteile aus Holzbauten findet man zumindest in Kristiinankaupunki und Rauma, von denen das letztere auch zur Liste des UNESCO-Welterbes gehört.

16. Dezember 2012

Es war wohl das letzte vorweihnachtliche Wochenende mit Firmenpartys und stockbesoffenen Berufstätigen aller Art. Boah! Obwohl, ich muss sagen, dass im Vergleich zu vergangenen Jahren war es diesmal okay. Wahrscheinlich, weil es der Wirtschaft europaweit dreckig geht: 

In Hochkonjunktur werden Narren plötzlich zu Herren, zumindest im Taxi. Besoffen von Firmenpartys kommend, auf denen sie sich mit ihrem Vorgesetzten in ganz lockerer Stimmung die Kante gegeben und alle Firmensachen geklärt haben, glauben sie nun, wenigstens werdende Manager zu sein. Deshalb soll der Taxifahrer seine Klappe halten und diesen leitenden Kräften zuhören, wenn sie sich über alles mögliche, Routen, Tarife und Fahrstil beschweren. Sie bezahlen ja schließlich alles. In Rezession dagegen, wenn der Rausschmiss droht, fassen die Füße langsam wieder Boden, und die hart in der Nacht arbeitende Mitmenschen sind auch etwas wert.

Wir sind jetzt offiziell in der Rezession, und dementsprechend menschennah war auch die Stimmung im Taxi. Zumindest in dem Taxi, das von mir gefahren wurde.

13. Dezember 2012

Irgendwas sagte mir, dass ich am Archiv der Militärhochschule angekommen war. 

Von einer Freundin begleitet, reiste ich heute mit dem Zug nach Helsinki. Wir trennten uns am Bahnhof, sie ging ihren Weg zum Meeting - sie ist Grafikdesignerin des Theaterhauses Tampereen Teatteri (Ja, sie wird auch die Fotos für meine Magisterarbeit bearbeiten) -  und ich machte mich auf den Weg ins Archiv der Militärhochschule. Jeder von uns hat seine Interessen, nicht? 

Nach drei Stunden intensiver Arbeit konnte ich endlich essen und fuhr dann mit dem 15.06 Zug nach Tampere. Frau A. kommt erst später heute Abend zurück und ich gebe ihr die Speicherkarte mit den Fotos dann morgen. Die Züge fuhren pünktlich, obwohl es seit gestern wieder geschneit hat. Nun bin ich wieder zu Hause und sitze zufrieden am Abendbrot: Alles hat gut geklappt.

9. Dezember 2012


Hatte gestern den ersten freien Samstagabend seit langem, fuhr aber dafür heute eine Tagschicht. Es war Sonntag und nicht viel los, aber mir war das Glück wieder einmal gnädig: Uniklinikum - Ruovesi, 129,40 €. Umsatz: rund 268 €.

Ich hätte gestern Nacht besser verdient als in der Tagschicht heute, aber anderseits ist es so, dass da ich die gestrige Nacht durchschlafen konnte, tickt meine innere Uhr nun richtig, ich kann auch heute früh ins Bett und hoffe daher, in der kommenden Woche hinsichtlich meiner Magisterarbeit den Endspurt machen zu können, statt den Plan B oder C entwickeln zu müssen. Nach Helsinki muss ich noch - wahrscheinlich am Mittwoch, und mit dem Zug! -, um einige Fotos im Archiv der Militärhochschule zu machen. Mal sehen wie das alles klappt.

Wünsche allen einen guten Wochenstart!

7. Dezember 2012


Die gestrige Schicht verlief ohne spektakuläre Ereignisse. Diese eine etwas längere Fahrt war in der Hinsicht nett, dass der Fahrgast einschlief und die Landstraße durch einen weißen, mit Schnee komplett bedeckten Wald verlief. Die Stimmung war wirklich angenehm ruhig.

5. Dezember 2012


Blick aus dem Fenster der Unibücherei Humanika Richtung Viinikka. Ein schöner Tag eigentlich, aber kalt mit - 16 Grad. Der Mann, dem die Brieftasche verloren gegangen war, überwies das Geld auf mein Konto gestern. So weit ist alles in Ordnung. 

Morgen wird angebliche Unabhängigkeit Finnlands landesweit gefeiert. Frage mich nur, warum? Als ein EU-Mitgliedstaat haben wir das zu tun, was Brüssel sagt. Also feiert man morgen meiner Meinung nach eigentlich nur noch das, dass das Land 1945 nicht von der UdSSR besetzt wurde. Aber das ist auch was, oder?

3. Dezember 2012


Angenehm winterliche Verhältnisse hier oben. Der Winter begann in der Nacht zu Freitag mit einem Schneestorm. Die finnische Bahn verkündete am vorigen Tag stolz, dass alle notwendigen Maßnahnen getroffen wären und es zu keinerlei Störungen im Personalverkehr kommen würde. Hat es auch nicht, aber nur weil genug Busse und Taxen für Schienenersatzverkehr bereitstanden. Ein Dutzend Tampereer Droscken, darunter auch ich, waren am Freitag in Keuruu, Jyväskylä, Jämsä und Pori unterwegs.

Tragisch irgendwie das Ganze. Unsere Bahn hat Züge aus Italien gekauft, und jedes Mal, wenn es ein bisschen schneit, fahren sie nicht. Das zweite Problem ist der Bahnhof in Helsinki. Wenn der Zugverkehr in Helsinki gelähmt ist, spürt das das restliche Finnland auch, weil der meiste Verkehr auf Schienen dort beginnt und endet. Jetzt will man in Helsinki die Gleise frei vom Schnee halten, indem man sie heizt. Unsinn. Wenn man die Gleise auf diese Weise bei -10 Grad und Schneefall sauber halten möchte, müssten sie praktisch glühen, und das geht nicht.

Die finnische Bahn hat es bewiesen: die Technik allein hilft nicht immer weiter. 

30. November 2012

Mist! Die vorgesehene Deadline für die Magisterarbeit ist heute, aber ich kann sie nicht einhalten. Der heutige Abgabetermin wird mindestens um zwei Wochen überschreiten. Der Professor ist auf Dienstreise bis 10. Dezember, kann also meine Arbeit sowieso noch nicht lesen, was bedeutet, die Lage ist zwar durchaus ernst aber nicht katastrophal.

27. November 2012

Der Alte rief mich eben an. Er war in Oulu. 770€ hatte die Fahrt gekostet. Und das Wetter war natürlich auch dementsprechend wunderschön mit Temperaturen um -7 Grad. Ich hatte schon gewundert, wieso in der letzten Zeit Tampereer Taxen öfters dort waren. Jetzt weiß ich warum. Und ich weiß auch, dass die Aufträge nicht am Uniklinikum verteilt werden. Interessant.

In Utsjoki hat heute die Polarnacht begonnen. Das nächste Mal zeigt sich die Sonne am 16. Januar 2013 um 12.03 Uhr. Stellt euch das mal vor! 

25. November 2012


Die Nachtschicht gestern (Beginn 17.00 Uhr):

- Bahnhof - Tahmela: Eine pensionierte Deutschlehrerin. Nettes Gespräch.
- Stand 2 - Tampere-Haus: ein Paar auf dem Weg zum Konzert.
- Bahnhof - Hyhky: Ein Paar, Mitte 50, Gewerkschaftsfunktionäre.
- F.E. Sillanpään-katu - Hatanpään puistokuja 22: zwei ältere Damen auf dem Weg zu einer Veranstaltung.
- Bahnhof - Lemminkäisenkatu 32: zwei Frauen und ein Mann, einfache Leute, alle angetrunken, trotzdem eine nette Tour.
- Bahnhof - Tammela: eine Fernsehpersönlichkeit, ein interessantes Gespräch.
- Peltokatu 23 - Segelclub: ein Taxifahrer, mal ein freier Abend und gleich die besten Klamotten an und eine imponierende Blume in der Hand.
-Tampere-Haus - Kangasala: 2 Paare, um die 50: guter Spass unter Erwachsenen, die sich nicht mehr über ihre bereits aufgewachsenen Kinder unterhalten.
- Stand 4 - Ylöjärvi: ein wohlhabender Mann mit seiner viel jüngeren Frau. Eine pompöse Festung als Haus, aber Köpfe waren leider Leer.
- Stand 4 - Pub Pikilinna: 2 Taxiunternehmer, ein Festpreis von 10 €.
- Club Pussy Cat - Club Seurahuone: ein Mann aus Turku, um die 50. Schon welchen gehabt oder noch nicht?
- Stand 4 - Grillbude Lamminpää: 3 Männer, besoffen; sogar so stark, dass Citroën C5 im Gespräch zur Wertarbeit wurde.
- Hedelmäkatu - Pirkkala: ein schwedischsprachiges, älteres Paar. Ich verstand jedes Wort, schwieg höflich, aber verabschiedete mich am Ziel dann doch auf Schwedisch.
- Hotel Ilves - Selininranta in Pirkkala: eine Dame, die mit ihren Freundinnen auf einem guten Konzert gewesen war.
- Bahnhof - Äänekoski: ein Mann, der wie ein Schlagersänger aussah, war aber keiner, und seine zweite Frau. Festpreis von 250 €, Barzahlung. Beginn: 23:47; Ende: 02:01 Uhr. Auf dem Rückweg eine halbe Stunde Pause im Rasthof "ABC Hirvaskangas". Zurück in Tampere kurz vor halb fünf.
- Bahnhof - Lempäälä: 3 Damen meinen Alters, 3 verschiedene Adressen, alle Eigentumshäuser.

Feierabend um 05: 15. Umsatz: 592 €. Genug vom Fahren für eine ganze Woche.

24. November 2012

Gestern hatte ich einen Mann an Board, der seine Brieftasche verloren hatte. Das stellte sich natürlich erst am Ziel heraus. Gab ihm meine Kontonummer und ließ ihn laufen, aber gehe eigentlich davon aus, dass ich das Geld nie sehen werde. Auf Männer ist in Sachen Geld kein Verlass.