19. August 2009

Als es im Angelwettbewerb wirklich drauf ankam, war der Sohn dem Vater mit 3 : 1 überlegen.
Stockholmer Kollegen vor dem schwedischen Parlament

So. Bin wieder da. Der Urlaub ist vorbei und der Alltag kehrt langsam wieder ein. Fahre bis Sonntag jeden Tag Taxi bei vier verschiedenen Chefs. Die Chefs sind alle gleich, keine großen Unterschiede da, aber ich darf mit vier unterschiedlichen Karren fahren: Huyndai Sonata, Peugeot 407 sw, E-Klasse Limousine und Ford Mondeo Kombi. Ich kann ja später mal einen Testbericht schreiben. Der Peugeot wird nicht gut abschneiden, das lässt sich bereits nach dem ersten Tag sagen. Aber mehr dazu später. Geschäftsmäßig läuft es bestens: Ich war schon zwei mal in Helsinki binnen drei Tage und obendrauf fuhr ich heute noch einen Kunden für 85 € nach Iittala. Womit habe ich das alles verdient? Die Kollegen jammern, wie schlecht das Geschäft läuft, und ich düse mit Blutpaketen durch die Gegend und verdiene das große Geld.
Mein Sohn ist in diesem Herbst in die erste Klasse gegangen. Tja, jetzt ist er geliefert... Nee, ich nehme seine Einschulung gelassen. Unser Schulsystem funktioniert noch, auch wenn einige Studenten für weltweites Aufsehen mit ihren Amokläufen gesorgt haben. Große Herausforderungen stehen uns jedoch bevor, denn momentan bietet die Schule der Jugend keine alternativen Ideen an, sie liefert der Marktwirtschaft nur hochqualifiziertes "Kanonenfutter", das sogar im Schlaf monoton widerholt: "Lebenlanges Lernen, lebenlanges Lernen..."

4. August 2009

Am Freitag fur ich noch einmal mit einer Blutpackung nach Valkeakoski, aber ansonsten war der Tag und die darauffolgende Nacht eine einzige Qual. Das lag daran, dass ich ab Samstag wieder Urlaub machen durfte. Es war bei mir schon immer so: am Tag vor dem Urlaub gibt die Arbeitsmoral dermaßen dramatisch nach, dass manche könnten mal meinen, ich hätte lieber zu Hause bleiben sollen. Diesmal hat mir Frau Fortuna geholfen und ich habe in beiden Schichten einen mehr oder weniger akzeptablen Umsatz gefahren. So, am Dienstagmorgen fahre ich mit meinem älteren Sohn und einem Freund nach Kuusamo. Dort ist Fliegenangel angesagt für vier Tage. Am Samstag fahren wir zurück nach Tampere und am Sonntag geht es dann mit der ganzen Familie Richtung Helsinki und von dort mit der Fähre rüber nach Stockholm. Taxi fahre ich erst in zwei Wochen wieder.

30. Juli 2009

Und der Gewinner der Taxler-Lotterie... bin ich! An zwei aufeinanderfolgenden Tagen habe ich am Stand 16 den Jackpot geknackt. Gestern bin ich mit einer Blutpackung nach Seinäjoki gefahren und heute mit einem Kunden nach Kristinestad, was soviel wie Kristiinankaupunki auf Finnisch heißt. Die Fakten:
Seinäjoki:
Beginn: 9:57 Uhr
Grundgebühr: 5,76 €
Taxa1: 274,95 €
Strecke: 178,3 Km
Dauer: 137 Minuten und 12 Sekunden
MwSt. 22% (Güterlieferung): 50,62 €
Total: 280,71 €
Kristinestad:
Beginn: 12:59 Uhr
Grundgebühr 5,10 €
Taxa1: 242,20 €
Strecke: 181,0 Km
Dauer: 145 Minuten und 19 Sekunden
MwSt. 8%: 17,63
Total: 247,30
Eine Info-Tafel über das Krankenhausgelände in Seinäjoki
Ein distanzierter Blick auf die bildschöne Kristinestader Innenstadt. Die Häuser sind immer noch zum großen Teil alte Holzhäuser.

29. Juli 2009

Wer gewinnt den Jackpot? Vorm Hauptgebäude der Universitätsklinik dürfen nur acht Taxen stehen. Sonst wird's eng. Die anderen zwanzig warten in Kuntokatu, 100 Meter vom eigentlichen Stand entfernt.

27. Juli 2009

Die lange Tour vom Uni-Klinikum habe ich dann doch erwischt. Nicht ganz so, wie ich es mir vorgestellt hatte, aber dennoch. Am Dienstagmorgen habe ich so gegen halb fünf einen Auftragsangebot zur Beförderung einer jungen Frau von der Frauenklinik nach Huittinen bekommen. Die Stunde war angeblich doch noch nicht geschlagen, was auch vorzeitig gewesen wäre, und sie durfte heimkehren. Das war eine Fahrt von 118 Euro. Klasse! Nur die Uhrzeit war das nicht, denn die frühen Morgenstunden zum Schluss einer Nachtschicht sind die schwersten. Ich war auch schon recht müde und habe vor der Rückreise eine halbstündige Pause gemacht.

Practical Jokes können auch schieflaufen, wie die folgende Geschichte beweist. Stehen zwei Taxler am Busbahnhof, wenn sie einen abgestürzten Penner bemerken, der Kopf hängend und Spucke an die Brust herunterlaufend auf einer Treppe sitzt und ruht. "Weißt du was", sagt der eine, "ich habe 'ne Flasche Bier im Kofferraum." "Echt? Dann gib mal her!" Der zweite Taxler schleicht sich zum Schlafenden und setzt die Bierflasche auf den Bürgersteig vor seine Füße. Dann geht er schnell zurück zu seinem Kollegen. Aber der Penner wacht nicht auf. Die Wohltäter hupen kurz. Der Penner wacht auf, sieht die Flasche, guckt sie einen Augenblick an, als wäre sie das achte Wunder und ... öffnet sie. Die Taxler amüsieren sich. Aber kaum hat der Penner die Hälfte von dem Bier getrunken, und das hat bestimmt keine zehn Sekunden gedauert, als er einen üblen Krampfanfall bekommt, was die Taxler dazu zwingt, eiligst einen Notartz zu rufen, der den Alkoholkranken in ein Krankenhaus einliefert.

20. Juli 2009

Im Großen und Ganzen ist das Taxifahren ein Glücksspiel. Nie weiß man, wo und wann der lukrativste Auftrag aller Zeiten angeboten wird. In Tampere wird die wahre Taxler-Lotterie am Uni-Klinikum gespielt. Das Tamperer Uni-Klinikum ist die zentrale Pflegeanstalt z.B. für Krebskranke einer weiten Region, die von Lahti bis Pietarsaari reicht. Auf Kosten der Steuerzahler werden dann Patienten zwischen den Therapieperioden nach Hause gefahren. Und wenn das Zuhause in Pietarsaari ist, bedeutet das für den Taxler eine Tour von 400 Euro. Danach kann man ja den Rest der Schicht nur Kaffee trinken. Die Erste-Hilfe Station Acuta beschäftig die Taxen, sowie Finn-Medi, das Blutplasma und Organe in Krankenhäuser überall in Finnland durch Tampereer Taxen liefern lässt. Der Stand 16 ist also von den Taxen immer gut besetzt. Patienten werden täglich nach Mittag nach Hause geschickt, ein akuter Bedarf für Blut und Organe kann jeder Zeit entstehen und das Acuta ist auch einsatzbereit rund um die Uhr. Da ich momentan auch Tagessichten fahre, habe ich beschlossen, auch mal eine lange Tour zu erwischen. Bisher hatte ich wenig Erfolg. Einmal bin ich an der Reihe so gegen 13 Uhr. Um die Uhrzeit also, wenn die Patieten nach Hause geschickt werden. Kommt der Auftragsangebot: eine SOTE-Fahrt von Automarket Prisma nach Vipusenkatu. Wie bitte!? Das sind ja ganze 500 Meter! Das zweite mal werde ich zum Haus Z5 (Dialyse) bestellt, wo ich eine Pakung fürs Laboratorium des Finn-Medi bekomme. Diesmal eine Fahrt von 200 Metern (die Uhr tickte natürlich solange, bis ich wieder im Auto war, insgesamt 12 €). Auf dem Rückweg treffe ich im Treppenhaus den Fahrer des hinter mir gestandenen Autos, der 5 Minuten nach mir einen Auftrag zur Lieferung eines Blutpakets nach Helsinki bekommen hat. Aargh! Ich fahre gleich zur heutigen Ziehung zum Stand 16, mal sehen wie es diesmal geht. Die Olympischen Festspiele der Jugend wurden gestern eröffnet. Es gibt also jede Menge Wildfremde aus aller Welt in der Stadt, die sich hier nicht auskennen. Ist ja durchaus möglich, dass der eine oder andere von ihnen mal ein Taxi braucht.

14. Juli 2009

Es war wieder mal Hochkonjunktur für Tampereer Taxen letztes Wochenende. Vom Mittwoch bis Sonntag hat man Tammerfest gefeiert und nebenbei die Taxibranche bereichert. Auch ich habe eine gute Leistung erzielt. Ich bin Fr. 7-17 Uhr und 21-06 Uhr, sowie Sa. 21-06 Uhr gefahren und insgesamt 1180 € eingebracht. Am gestrigen Montag wurde es gerade mal 151 €, aber ich denke, nach so einem Superwochenende kann ich damit leben. Und so liefen die Nachtschichten: - Von der Eissporthalle zum Paapan Kapakka (Koskikatu 9). Ein sehr zufriederer Herr, da Finnland in der Volleyball-Weltliga Polen 3:2 bezwungen hatte. - Vom Stand 13 nach Pirkankatu 21, 11€, der junge Fahrgast drückt mir 15 € in die Hand "Stimmt so." - Vom Hotel Rosendahl zum Hotel Cumulus Koskikeskus. Ein junges Paar aus Kuopio. - Wieder vorm Hotel Rosendahl. Diesmal geht es mit zwei Damen zum Hotel Ilves. - Werde zum Paapan Kapakka bestellt. Es geht mit zwei Damen über Olkahinen nach Kangasala, 42 €. -Wieder in der Stadt, von Jankanraitti 10 zum Inferno (Tuomiokirkonkatu 17). Zwei Herren aus Pori wollen sich besaufen. - Fahre zum Stand 50. Fahre eine besoffene Herrschaft nach Koivistonkylä - Vom Stand 6 nach Kullervonkatu 25, ein junger Herr, sehr müde. - Vom Stand 7 nach Hämeenkatu - Vom Stand 2 nach Riihitie mit einer nüchternen Frau Mitte 40. - Vom Stand 5 nach Vihilahdenkatu, zwei junge Herren. Der eine kann kaum noch laufen, der andere hilft. - Vorm Manse Kebab (Hatanpään valtatie 4) wartet geduldig ein junger Herr, der zum Emma (Hämeenkatu 26) will. Wäre schneller am Ziel zu Fuß gewesen. - Vom Stand 2 nach Sepänkatu 2, ein sachlicher Herr, der seine Grenzen kennt. - Vom Stand 50 nach Ahotie nach Nekala, ein Geologiestudent, der zur Zeit auf dem Bau schuftet. - Vom Gastropub Nordic (Otavalankatu 3) über Siltakatu zum Badehotel Lapinniemi. Eine feine Herrschaft von vier Personen und 1 € Trinkgeld. - Vom Stand 4 nach Leilikuja, ein stilles aber nüchternes Paar. -Werde zum Lähde (Männikönkatu 2) bestellt. Über Bulldog Bar (Koivistontie 38) nach Palokallionkatu. Sinti und Roma, aber bezahlen die Rechnung korrekt. - Von Tammikuja 7 fahre ich einen jungen Herren, der gerne ein großer Herr wäre, zum Zentrum, wo ich ihn in Pellavatehtaankatu absetze. - Vom Stand 4 nach Tasanne. Ein junger Herr, der über eine Dame schwärmt, mit der er am nächsten Tag verabredet ist. Wünsche ihm viel glück. - Vom Stand 6 nach Atala. Eine Frau, die nur noch auf den nächsten Tag wartet, wo ihre Lieblingsband die Tehosekoitin auftreten werden. - Vom Stand 6 über Pirkkala nach Akaa (Toijala). Zwei Damen, Kleinunternehmerinnen. Die Fahrt kostet ingesamt 67 €. -Fahre schnell zum Stand 6. Von dort aus fahre ich einen völlig erschöpften Kunden nach Haukiluoma. -Vom Stand 50 nach Nokia. Setze ein Paar im Zentrum ab, da die Frau will noch zum Imbiss. - Eine Tour in Nokia: Vom Martinmyllyntie nach Sarpatintie. Ein junger Herr, der noch um halb sechs morgens Bier trinken kann. - Fahre zum Bahnhof. Jeden Morgen kommt ein Zug aus dem Norden. Diesmal fahre ich eine junge Frau nach Härmälä. Feierabend um sechs Uhr morgens. Am Sonntag ging es dann weiter: - Um 21 Uhr vorm Bahnhof. Drei junge Leute zum Hällän kellari (Hämeenkatu 25) - Vom Stand 2 zum Apollo. Bandmitglieder irgendeiner Band. Weiß aber nicht, welcher. - Werde nach Pispalanharju bestellt. Fahre eine Frau zum Soho (Otavalankatu 10). - Stand 4 - Ylöjärvi. Ein Herr und eine Dame Mitte 60. - Eine Tour in Ylöjärvi. Fahre einen Herren zum Zentrum. - Stand 40 - Virontörmänkatu. Ein Herr, nicht alle Tassen im Schrank, 10 € Trinkgeld. - Stand 38 - Pensaskatu - Zentrum, eine Dame, zwei Herren. Die Dame erzählt die ganze Fahrt, wie alles viel besser in Helsinki ist. Eine Zugereiste also. - Stand 4 - Zentrum Pirkkala, zwei Herren, die die Schnautze voll vom Tammerfest haben. - In Pirkkala nehme ich drei Herren mit, die ich vorm Bahnhof absetze. - Stand 6 - Tesoma. Zwei Herren, die aus Camping Härmälä rausgeschmissen worden waren. - Sotkankatu - Hällän kellari. Vier junge Damen, alle betrunken. - Stand 2 - Asuntila in Ylöjärvi. Eine Frau, die zum ersten Mal seit dem Geburt ihres Sohnes draußen war. - In der Stadt werde ich zum Pub Kahdet kasvot (Kauppakatu 14) bestellt. Eine sehr junge Frau will zum Vihilahdenkatu. Sie kotzt im Auto in Hämeenkatu Ich hatte es geahnt und hatte eine Plastiktüte parat. - Stand 11 - Tampellan Esplanadi 7. Ein junges Paar. Die Frau ist bildschön, aber der Junge denkt nur an einen Döner. Setzte ihn vor einem Imbiss ab und fahre sie nach Hause. - Vom Stand 3 über Tammmelantori nach Insinöörinkatu 74. - Stand 6 - Tankstelle ABC (Lempääläntie 10). Der Herr versteht nichts mehr von dieser Welt. - Werde von meiner Frau vor Hämeensilta (Hämeenkatu 13) bestellt. Fahre sie nach Hause. - Stand 6 - Leilikuja. Zwei Paare. - Stand 6 - Sotkankatu. Eine Frau und ein Mann, der eins auf die Fresse gekriegt hat. - Seurahuone (Hämeenpuisto 17) - Nokia. Eine nüchterne Frau Mitte 50. - Stand 50 - Virontömänkatu 8. Ein stiller Herr. - Stand 50 - Siivikkala. Eine Frau und ein Mann kehren zurück nach Hause aus einer Hochzeit. - Stand 50 - Tohlopinkatu, drei Fahgäste, die gerne singen würden, aber können das einfach nicht mehr. - Palomäentie - Busbahnhof. Eine ältere Dame auf ihrem Weg ins Ausland. - Stand 5 - Siivikkala. Eine Familie kehrt zurück nach Hause nach einer Spanienreise. - Vom Stand 6 über Kaskitie nach Hervanta. Drei Fahrgäste. - Vom Acuta (Erste-Hilfe Station der Uni-Klinik) nach Kalkun viertotie 12. Ein Paar, der Herr hat seine Arm gebrochen. Die vier Leute, die ich nach Leilikuja fuhr, waren die lustigsten. Dem einen Herrn wurde es übel, und er hat in eine Tüte gekotzt im Auto. Alle haben sofort angefangen, Witze über ihn zu machen. -Ja ja, lacht nur! Mir laufen die Tränen an den Backen herunter. Dann hat sich eine der Frauen zu ihrem Mann bekannt und sich ironisch geäußert : - Die anderen lachen. Ich liebe dich doch nur! Wir haben uns alle totgelacht. Auch ich und der Betroffene.

9. Juli 2009

Tampere macht seinen Senioren das Leben schwer. Bis zum 1. Juni konnte eine SOTE-Fahrt um jede Zeit an jedem Taxistand begonnen werden, inzwischen aber kann eine SOTE-Fahrt ex tempore nur am Stand 5 und 6 beginnen. Der Statistik zufolge wurden vorm Inkrafttreten der neuen Regelung die meisten SOTE-Fahrten von den Standen 2 und 21 aus gefahren. Was steckt dahinter? Die Stadt will Geld sparen. Sie will, dass jede SOTE-Fahrt 30 Minuten im Voraus bestellt wird, damit genug Zeit übrig bleibt, möglichst viele Fahrten zusammen zu fügen. Drei Omas in einem Taxi ist billiger als drei Omas in drei Taxen, versteht sich. Und mit der Verlegung der "freien Standen" weit von den früher stark frequentierten Standen werden die Senioren gezwungen, nach den Sparzielen der Stadt mitzustreben, denn die meisten von ihnen sind nicht in der Lage, längere Strecken zu laufen, um ein Taxi zu nehmen wenn es ihnen passt. Eigentlich eine Schweinerei, wenn Sie mich fragen. Vorbestellt kann eine SOTE-Fahrt in beliebiger Adresse beginnen, wie früher und von 17 bis 07 Uhr an jedem Stand auch. SOTE-Preise sind auch gestiegen. Früher kostete eine SOTE-Fahrt den Fahrgast 2€, was durch zwei geteilt werden konnte, wenn andere mitfuhren. Jetzt zahlt jeder Fahrgast 2,50€. Die Stadt hat auch eine eigene Zentrale zum Zusammenfügen der SOTE-Fahrten gegründet. Zuvor wurde die Arbeit von einer Tochterunternehmung der finnischen Post gewährleistet, aber nun will die Stadt nebenbei Geld verdienen. Die neue Zentrale fügt auch die SOTE-Fahrten der umliegenden Kommunen zusammen und verlangt von ihnen dafür 2,35 € pro Fahrt. Die regionale Taxizentrale hat ein Angebot von 1.10 € pro Zusammenfügung gemacht, es wurde von der Stadt Tampere abgelehnt, ist ja klar, aber von den umliegenden Kommunen Ylöjärvi, Nokia, Pirkkala und Kangasala auch. Sie haben sich für die neue Zentrale entschieden. Wie seltsam, da steckt sicherlich Politik dahinter! Auch allgemeine Taxitarfe wurden ab 1. Juli erhöht. Die neuen Grundgebühre sind 5,20 und 8 € und Kilometertarife 1,33 und 1,60 €. Taxi ist wohl die einzige Branche der Welt, die auf sinkende Nachfrage mit Preiserhöhungen reagiert. 27. Juni um 4:46 Uhr

23. Juni 2009

So, ich bin wieder da! Gleich nach einer 13-stündigen Fahrt von Utsjoki nach Tampere bin ich am darauffolgenden Tag eine Schicht von 12 Stunden hinterm Lenkrad gehockt. Ich habe wohl nicht alle Tassen im Schrank! Arbeiten war eigentlich gar nicht so schlimm, denn vorübergehend habe ich einen neuen Arbeitsplatz: Die nächsten zwei Wochen fahre ich einen Mercedes 220 CDI der neuen E-Klasse. Bin echt beeindruckt. Er ist mit Abstand der komfortableste Wagen, den ich in diesem Beruf begegnet habe. Steif und stabil, so hab ich es gerne! Khm, sprech' also von Autos jetzt...

15. Juni 2009

Von Sendepausen, langen Touren und Polizisten

War mal wieder eine längere Sendepause, teils aus Zeitmangel, teils aus tecnischen Gründen. Vom Anfang bis Ende Mai war ich als Klassenlehrer tätig, fuhr Taxi und hatte einen höllischen Stress mit meiner Lehrerausbildung. Fürs Bloggen hatte ich keine Zeit. Und als die Schulferien begannen und der Stress ein wenig nachgab, fing es an mit den technischen Problemen. Der nagelneue Fujitsu-Siemens sprang auf einmal nicht mehr an. Der Service war jedoch auf dem Laufenden und nach vier Tagen war unser PC wieder voll funktionsfähig, nach dem die Hauptplatine ausgetauscht worden war. Ein paar lange Touren durfte ich während dieser Zeit fahren. Einmal ging es nach Ruovesi, in den frühen Morgenstunden der gleichen Nacht nochmals nach Vammala und eine Woche später fuhr ich einen Kunden nach Huittinen. Die fahrten kosteten der Reihe nach 120€, 85€ und 121€. Mit den Rückfahrten nehmen solche Touren viel Zeit in Anspruch. In der Hochsaison hätte ich wahrscheinlich das gleiche Geld in der Stadt verdient. Nur, lange Touren sind meistens gemütlich und stressfrei und deshalb fahre ich sie sehr gerne.

Zum ersten Mal habe ich als Taxler auch die Polizei begegnet. Ich wurde vom Stand 5 zur Sorinkatu 10 bestellt. Da steht das Polizeipräsidium. Eine Frau und ein junger, offensichtlich besoffener Mann warten vor einer Seitentür. Ich halte an. Sie steigen ein, und kaum ist die Tür zu, wenn der Junge hinter mir brüllt: "Pass auf Fahrer, dass ich dich nicht absteche!" Ich steig aus, öffne die Hintertür und sage: "So mein Junge, deine Fahrt endet gleich hier." Er steigt aus und jetzt meldet sich die Frau zur Wort: "Er tut doch nichts. Ich bin seine Mutter. Er ist nur betrunken. Können wir nicht weiterfahren, bitte!" Ich lasse den Jungen wieder einsteigen, aber er soll sich nicht hinter mir setzen. Dann fahren wir los. Es soll nach Perkiönkatu nach Härmälä gehen. Von der Sorinkatu kommt man schlecht zu Hatanpään valtatie. Mann müsste eigentlich über den Parkplatz der Tankstelle fahren, die in der Ecke Tampereen valtaväylä/Hatanpään valtatie steht. In Tampereen valtaväylä gibt es jedoch eine Durchfahrt zur Jokikatu und Hatanpään valtatie. Sie darf aber nur von Alarmfahrzeugen befahren werden. Ich wollte meine Kunden möglichst schnell loswerden und beschloss mich, nur diesmal die Regeln ein bisschen zu biegen. Als wir vor der Durchfahrt standen, fuhr wie bestellt eine Wanne vom Hof des Polizeipräsidiums in die Sorinkatu direkt hinter uns. Mist! Mir blieb nichts anderes übrig, als nur meinen ursprünglichen Plan durchzuführen. Mein Manovieren wurde von den Polizisten nachgemacht und wenig später standen wir alle am Straßenrand. "Schön guten Abend! Fahrpapiere bitte! Und hier mal kurz blasen!" Dann: "So, Sie wissen ja, dass Taxi kein Alarmfahrzeug ist, nicht?" "Ja, das weiß ich. Aber die Stimmung hier war extrem angeheitzt." "Das ist aber kein hinnehmbahrer Grund für Ihre Tat." "Nein." "Schön, diesmal gebe ich Ihnen nur eine mündliche Warnung. Guten Abend!" "Tschüss!" Dann der Junge: "Hah, Fahrer! Hat's weh getan?" "Nö, sie machen ja nur ihre Arbeit." In Perkiönkatu entschuldigt sich noch mal die Mutter für ihren Sohn und ich mich für den Polizeieinsatz. Alles ist wieder gut.

Momentan sitze ich vor einem Laptop in einer kleinen Hütte in Utsjoki. Die Sonne geht hier nicht unter und auch nicht auf. Keine 50 Meter von der Hütte entfernt fließt der Fluss Tana, oder Teno auf Finnisch. Der Atlantische Lachs zieht ihn hinauf. Ich, wie hunderte andere Angler auch, haben auf diesen Moment gewartet und wollen jetzt unser Glück versuchen. An meinen Fliegen haben die Lachse schon Interesse gezeigt. Ich habe so eben eine Stulle mit Lachs gegessen, den ich gestern selbst geangelt und gegravt habe. Diese paradiesische Zustände dauern bis zum 21. Juni, wo ich wieder nach Tampere reise. Am darauffolgenden Tag fahre ich dann wieder. Fotos füge ich auch erst nach dem 22. Juni hinzu. Vorausgesetzt natürlich, dass der Fujitsu-Siemens anspringt.

Am Stand 4. Der Beginn der Schulferien am 31. Mai hat den Park gefüllt.

Beginn der Schulferien am 31. Mai. Im Hintergrund der Tempo-Bau, Hämeenkatu 15, früher Warenhaus Tempo, erbaut 1938.

Stand 2 am 1. Juni um 4 Uhr morgens.

Stand 6: Anstehen für Taxi am 7. Juni um 5 Uhr morgens nach dem Sauna Open Air Metal-Festival. 20 Meter Schlange an allen Taxistanden im Zentrum.

18. Mai 2009


Aussicht vom Stand 15 (Lapinniemenranta) auf Näsinneula-Turm und Pispala

Seitdem die Läden wieder sonntags geöffnet sind, fährt man auch SOTE-Fahrten von und zu den großen Automärkten rundum das Stadtzentrum. Bisher wurden die sonntägigen SOTE-Fahrgästen fast ausschließlich entweder zu ihren Verwandten oder zu irgendwelcher religiösen Gemeinschaft gefahren. Es waren nicht viele Kunden unterwegs. Aber mit den Sommeröffnungszeiten der Geschäfte ist auch für die Taxen mehr Arbeit vorhanden als zuvor. Prima, denn die Taxen leben auch sehr schlecht vom Geist allein!

17. Mai 2009

Ich habe jetzt zwei Nachtschichten hinter mir und eine Tagesschicht beginnt gleich um 13 Uhr. Ganz normale Kunden, keine schönen Geschichte diesmal. Ich fahre Taxi jetzt seit einem halben Jahr. Und erst jetzt bin ich mit den Tampereer Straßennamen einigermaßen vertraut geworden und finde die Zieladressen ohne Navi. Zugegeben, Tampere ist keine europäische Metropole, aber verdammt viele Adressen haben wir auch. Und wenn ich die Zieladresse problemlos finde, bin ich mit mir selbst zufrieden und merke oft, dass auch der Fahrgast meine gewerbsmäßige Leistung schätzt. Es ist Frühling, und wie es bereits erwähnt wurde, versuchen die Finnen nach der Polizeistunde zu Fuß nach Hause zu kommen. Gestern kommt mir gegen fünf Uhr morgens eine Gruppe von jungen Männern so um die 20 Jahren in Kalevankangas entgegen. Plötzlich winkt einer und ich halte an. Er hat's satt vom Laufen und will, dass ich ihn nach Mekaniikanpolku nach Hervanta fahre. Okey. Die anderen drei wollen laufen. Das ist eine Strecke von über sechs Kilometern! Ich fahre mit meinem Kunden ab. Ich hätte das gleiche getan wie er. Wenn man 20 Jahre alt ist, glaubt man im Besitz von überirdischen Kräften zu sein. So muss es auch sein. Mit der Zeit gibt diese wunderschöne Glaube jedoch nach und man merkt, dass man immer öfter in ein Taxi steigt.

12. Mai 2009

Ich bin letztes Wochenende nicht gefahren. Als ich vor einem Monat meine Schichten auswählte (ja, ich darf das noch!) habe ich mir überlegt, dass nach dem 1. Mai die Leute sowieso pleite sind und sich von der intensiven Sauferei der letzten Zeiten erholen müssen. Ich könnte mich auf ganz andere Dinge konsentrieren, einfach mal mein Leben genießen. Und das ganze Wochenende über habe ich dann gerätselt, ob ich mit meinem Kalkül richtig lag!Wie ätzend! Und jetzt, wenn ich weiß, dass ich am kommenden Wochenende wieder fahre, kann ich es kaum noch warten, in die Freitagnacht losdüsen zu dürfen und zu sehen, was es da alles zu sehen gibt. Taxifahren geht definitiv unter die Haut!

4. Mai 2009

Es war nichts los in der Stadt gestern und vorgestern. Doch das Wetter war schön an beiden Tagen, und es war recht angenehm Fenster offen am Stand zu stehen, Zeitung zu lesen und sich vom milden Wind streichen zu lassen. Geld habe ich dabei nicht sehr viel verdient, aber ganz umsonst habe ich auch nicht arbeiten müssen. Ich bin immer sehr gerne am Stand 50 oder 6 gestanden, neulich habe ich mich aber immer häufiger am Stand 15 oder 5 gefunden. Wer weiß warum. Stand 5, Busbahnhof in funktionalistischem Stil aus dem Jahre 1938

1. Mai 2009

In der Nacht zum 1. Mai habe ich das Schlimmste vermeiden können. Nur vorübergehend habe die Innenstadt besucht, danach fuhr ich hauptsächlich Kunden vom Stand 50 in die westlichen Stadtteile, bis eine Fahrt mich in den Osten brachte. Danach ging es vom Stand 6 aus immer Richtung Osten fast bis zum Schichtsende. Im Zentrum sah es in den Morgenstunden aus wie nach einem Rock-Festival: überall lagen leere und zerbrochene Flaschen, Müll und Essensreste verstreut. Wirklich schade, dass ich keine Kamera mitgenommen hatte.

Zwei der schönsten Fahrgäste überhaupt waren ein Ehepaar, das ich gestern zum Zentrum fuhr. Kurz nach neun Uhr stehe ich vorm Badehotel in Lapinniemi. Eine Frau und ein Mann steigen ein. Sie haben gerade gut gegessen und wollen jetzt über Tammelantori in die Innenstadt, um mal zu sehen, wie es dort zugeht. Während der Fahrt berichten sie mir, dass sie aus Orivesi herkommen und heute ihren 49. Hochzeitstag feiern. Goldene Hochzeit feiert man also nächstes Jahr, wenn nichts Radikales vorkommt. "Aber das glaube ich nicht", meint der Herr, "Scheidungen sind verdammt teuer." Wir lachen uns tot. Ich setze sie vorm "Tillikka", Keskustori 2, ab. Noch dieses Mal hat die Fahrt 12 € gekostet, nächstes Jahr fahre ich sie umsonst.

Vom Stand 13 werde ich kurz darauf zum "Ohranjyvä", Näsilinankatu 15, bestellt. Es ist noch warm und die Kneipentür ist offen. Meine Ankunft wird hinter der Theke notiert, und eine junge, hübsche Kellnerin kommt zu mir und sagt, dass ein älterer Herr gleich kommen werde. Okey, alles klar. Ich schlage die Uhr an. Bald geht die Wagentür auf und ein Mann steigt ein. Er ist vielleicht Mitte 40. Ein älterer Herr!? Welch ein Glück, dass ich mir bereits eine Frau angelacht habe, denn in weniger als zehn Jahren würde auch mein Wert auf dem Beziehungsmarkt ins Bodenlose stürtzen! Wie depremierend! Dem Fahrgast, der am Ringfinger keinen Ring trägt, erzähle ich natürlich nichts davon, dass obwohl er noch glaubt, jung und frisch zu sein, ist er bereits von Fachkundigen analysiert worden und seine Aussichten sind nicht gut.

21. April 2009

Ganz oben eine Grundschule für Klassen 1-6, Pispalanharju 47

Am Wochenende bin ich wieder gefahren. Als es soeben von den Kassen die Rede war, ist die der Freitagnacht eine verhältnismäßig schlechte geworden. Man darf nie über Geld sprechen! Die Nacht zum Sonntag war finanziell gut, aber ansonsten recht ärgerlich: Das Auftragsvermittlunssystem stürzte ab und die Aufträge wurden über Funk vermittelt die ganze Nacht durch. Und zum ersten Mal hat's mich erwischt: ein Kunde, der tatsächlich völlig zahlungsunfähig war. 19 Euro Verluste habe ich abschreiben müssen. Aaargh!
Ich habe angefangen, Fotos zu machen von der Stadt, wenn ich mit dem Taxi unterwegs bin. Bilder sagen ja mehr als tausend Worte...
Anbei auch noch Bilder von dem Boardcomputer und seinen Seiten: 1. Auftragsangebot, 2. Info über den angenommenen Auftrag, 3. Standen mit Wagen (die Nummern sind also Wagennummern) und 4. sonstige von der Zentrale durchgegebene Information (rot). Der Computer hat auch noch einen Navi und die Funktion des Taxameters, Genaueres dazu später.
Es folgt jetzt eine längere Pause. Ich fahre erst in der Walpurgisnacht wieder. Da ich meine Landsleute kenne, bin ich mal gespannt, was daraus wird...


14. April 2009

Osterferien sind vorüber und ich bin ganz gut davon gekommen: nach jeder Schicht hatte ich mindestens 300 Euro in der Kasse, einmal sogar 411 Euro. Gefahren bin ich am Donnerstag, Freitag, Samstag und Montag. Gestern wusste ich von vornerein, dass der Umsatz am Flughafen, Busbahnhof und Hauptbahnhof gemacht wird. Die Leute kehren zurück in die Stadt und Taxen werden benötigt. So war's dann auch. Nur: Immer häufiger lassen die Leute sich abholen heute. Jedesmal wenn ein Zug einrollte, wurde der kleine Parkplatz vorm Bahnhof dicht von Autos der Abholer. Das war einfach irre! Ich habe mich früher selten mit einem Taxi fahren lassen, aber seitdem ich selbst fahre, zögere ich keine Sekunde, auch in der Freizeit sofort in ein Taxi einzusteigen, wenn es sonst irgendwie kompliziert zu werden droht. Mich braucht auch keiner abholen. So teuer ist Taxi auch wieder nicht! Die Rezession (OK, es ist jetzt eine geworden) hat die Taxikurse gefüllt. Leute, die woanders rausgeschmissen worden sind, wollen jetzt ihr Glück als Taxifahrer probieren. Das wird Folgen haben. Bis jetzt konnten die Fahrer wählerisch sein, ihre Arbeitszeiten selbst aussuchen und alles Mögliche noch dazu verlangen, denn es waren einfach nicht genug Fahrer da. Das wird sich nun ändern. Bald muss der Fahrer dem Chef beweisen, dass es sich lohnt, ihn fahren zu lassen, dass er besser und sorfältiger ist und mehr Geld einbringt als die zehn Frischlinge mit den der Chef gerade telefoniert hat. Wie ich merke, wird aus mir wohl nie ein Gewerkschafter, obwohl mein Herz dann doch links schlägt. Wie auch immer, die Zeiten der Tampereer Hab-mal-wieder-keine-Lust-mehr-Fahrer sind vorbei.

11. April 2009

Die gestrige Nacht war auch OK. Es sieht ganz so aus, dass die Leiden unseres Erlösers auf kaum mehr Resonanz bei jungen Leuten stößen, eher ist Selbstqual durch Suff, Kiff und eine fettige Pizza vorm Absturz angesagt. Aber ich bin doch kein Moralist. Solange ich von dem Heidentum der Jugend profitiere, halte ich lieber meinen Mund. Und ehrlich gesagt, ich bin mir auch nicht ganz sicher, wie es mit der Auferstehung von damals wirklich gewesen ist... Aber was soll's. Das Wetter ist durchaus angenehm heute, die Sonne scheint wieder und ich glaube, ich werde einen Spaziergang machen, bevor die Schicht beginnt, da das ewige Sitzen hinter dem Lekrad Steifheit im Rücken und Knien verursacht.

10. April 2009

Ostern. Skeptisch bin ich gestern um 21 Uhr auf die Arbeit losgefahren. Es war dann doch mehr los als ich dachte. Neun Stunden später hatte ich 363 Euro in der Kasse und war damit auch ganz zufrieden. - Stand 20 - Mäentakusenkatu - Pättieniementie - Stand 50 - Pyynikintie 32 - "Jäähovi" (Sammon valtatie 7) - Taxizentrale (Sammon valtatie 7) - Nivarinkatu - Stand 20 - Kämmenniemi - "Pub Väinämöinen" (Väinämöisenkatu) - Stand 14 - "Jäähovi" - "Oluthuone" (Tuomiokirkonkatu 11) - Stand 50 - Rinnekatu - Sammonkatu Pause 15 Minuten - Stand 7 - Rauhaniemenkatu - Ilmarinkatu - Stand 50 - Pirkankatu 22 - Lokintaival 6 - Stand 6 - Rinnekatu in Ylöjärvi - Stand 50 - Hämeenkatu 23 - Lapintie 7 - Stand 4 - Segelklub - Leinonkuja - Haiharankatu - Stand 4 - Imbiss "Pizpala" - Vaarnakatu in Nokia - Vier Winker vom Hallituskatu nach Tanhuankatu - Stand 4 - Huovarinkatu - Stand 36, Vorbestellung, Koukkarinkatu - Alte Kirche - Stand 6 - Suomensaarenkatu Wagen abgestellt um 6 Uhr 20. Bin ausnahmsweise mit einem Passat TSI gefahren. Ein Wagen, der niemandem zu empfehlen ist. Habe die ganze Zeit gefürhtet, dass gleich etwas kaputtgeht. Und noch was: gestern Nachmittag hatte ich bei meinem eigenen Auto auf Sommerreifen gewechselt und in den Morgenstunden fielen drei Zentimeter Schnee...

4. April 2009

Das ist der erste Post seit fast drei Wochen. So führt man doch kein Blog, könnte man behaupten. Das stimmt. Aber alles hat seine Gründe. Mein Vater starb am 7. März im Alter von 64 Jahren. So, dachte ich mir, das steht ja den meisten von uns bevor. Väter sterben eben alle eventuell, das ist nichts Neues unter der Sonne. Charakteristisch für mich ist auch, dass es immer der neue Tag ist, worauf ich mich einzurichten versuche. So weit alles bestens. Bis ich dann vor einiger Zeit bemerkte, dass ich Termine und Aufgaben vergesse, oder einfach keine Zeit fürs Durchführen aller meiner Vorhaben finde. Ich fing an, strenge Prioritäten zu setzen. Nur ganz wenige Dinge standen oben auf der Liste. Daran merkte man, dass bei mir nicht alles in Ordnung war. Gefahren bin ich jedes Wochenende wie gewönlich, aber ich habe keine neuen Posts geschrieben. Heute ist wohl eine Ausnahme. Gestern war die Beerdigung, gestern bin ich auch gefahren, und heute schreibe ich einen Post. Das Leben geht also voran.

Wie war denn der Alte? Ehrlich gesagt, ich weiß es nicht. Aber ich hatte ein gutes Verhältnis zu ihm, ein Verhältnis, das sich im Laufe der Zeit auch änderte. Anfangs war er nur mein Vater und aus dieser Zeit ist mir sowohl viel Gutes als auch etwas Schlechtes in Erinnerung geblieben. So muss es auch sein. Nach meiner Jugendzeit und Rückkehr nach Finnland haben wir uns dann erneut als erwachsene Männer, beide mit Kind und Kegel, kennengelernt. Diese Entwicklung wurde jetzt durch seinen Tod unterbrochen und ich merke, dass dieser Mann, der auch mein Vater war, mir sehr fehlt.