10. Januar 2010
31. Dezember 2009
21. Dezember 2009
Am Samstag durfte ich wieder die Eltern meines Nachbars nach Ruovesi fahren. Unspektakuläre 36 Stunden gearbeitet am Wochenende, von den Touren nach Ruovesi und Kuru abgesehen. Beide brachten 100 € ein. Die Partyzeit ist nun vorüber, und es heißt erstmal 'Frohe Weihnachten' für ein paar Tage. Aber die Silvesternacht steht ja noch bevor und ich schätze mal, dass das Trainieren dafür gleich am 26.12. beginnen wird. Schönes Winterwetter mit mehr Schnee und Temperaturen zwischen -13 und -17 Grad ist für die kommende Woche vorausgesagt. Herrlich! Und wie man in den Nachrichten so hört, haben auch unsere mitteleuropäische Mitbürger eine Kostprobe von einem wahren, weißen Winter bekommen.
16. Dezember 2009
Eine Fahrt vom Uni-Klinikum nach Ypäjä hat den Tag gerettet, 148, 90 €. Das ganze Land in ist Zonen eingeteilt, wie die Stadt Tampere. Grob gesagt beginnen die Zonen von Tampere aus gesehen mit 6000 im Norden, 4000 im Osten, 3000 im Süden und 7000 im Westen. Die Zonen "am Rande" des Landes, die Südküste, der Osten und der Norden von Seinäjoki beginnend, beginnen mit 9000. Die längsten Touren, die ich gefahren bin, brachten mich zu de Zonen 9000 (Helsinki), 6661 (Kristinestadt), 6558 (Seinäjoki-Süd), 90021 (Seinäjoki-Mitte), 3979 (Ypäjä) und 7853 (Äetsä).
Es macht natürlich tierischen Spaß, im Touchscreen des Boardcomputers zu folgen, wer von den Kollegen eine lange Tour erwisch hat. Besonderes viel Spaß macht das dann, wenn der Wagen des Kolleges soeben vor oder hinter dir am Uni-Klinikum gestanden ist. Manchmal könnte man einfach vor Neid platzen!
Die Temperatur bleibt bei winterlichen -15 bis -21 Grad und man merkt schon, dass das die Nutzungsgrad der Taxen erhöht.
13. Dezember 2009
Immer in der Rezession, als die fetten Jahren der Volkswirtschaft vorbei sind, blühen in Gerichtssaalen Fälle, wo irgendeine Schwindel-Firma Abermillionen von blauäugigen Investoren abgezockt hat und für ihre Untat jetzt verantworten muss. Bei einem Fall handelt es um eine Firma namens Ikaros, bei dessen Untergang auch einige Millionen verschwanden. Ja genau! Man fragt sich nur, wie blöd waren die Anleger eigentlich? Allein der Name sagt ja alles: Hier nicht investieren, dein Ziel wirst du nie erreichen!
Eine gute Allgemeinbildung spielt eine Rolle nur in den Sonntagsreden der Finnen, man soll sich ja spezialisieren, aber wie unser kleines Beisspiel zeigt, schadet es nicht, wenn man über seinen eigenen Tellerrand blicken kann.
Wir stehen hier oben vor einer sehr winterlichen Woche. Momentan zeigt die Thermometer - 12 Grad und im Laufe der Woche fällt die Temperatur auf - 17 Grad. Es hat auch geschneit und es sieht sehr schön aus draußen. Ich hatte schon die Schnautze voll von dem "Euro-Winter" und der unendlichen Dunkelheit und Nässe.
10. Dezember 2009
Englische Ausprachelehre und Grammatik haben mich in den letzten Tagen beschäftigt. Grammatik geht noch, man kann sie verstehen. Aber wie man weiß, weicht im Englischen die Lautung teilweise stark von der Schreibung ab, und das Fertigen von phonetischen Transkriptionen ist deshalb wirklich abartig! Wer mir nicht glaubt, kann das jederzeit selbst probieren.
In der Sontagnacht stehe ich am Stand 20 vor einem Kaufhof. Der ist ein guter Stand, auch wenn der Kaufhof zu hat, denn es wohnen rund 30 000 Stadtbewohner in der Zone des Standes, aus der die Bestellungen der Wagen an der Reihe dann bekommt. Lange muss man dort eigentlich nie warten. Ziemlich spät am Abend kommt dann ein Angetrunkener zu Fuß zu mir:
-Mach die Uhr an und warte hier, ich hole schnell mal Bares aus dem Bankomat (in der Wand des Kaufhofs 20 Meter hinter uns war einer), dann fahren wie zu der Kneipe, die dort vorne an der Ecke ist.
-Wie jetzt, ich soll den Taxameter anmachen und warten, dass Sie zu Fuß zum Bankomat gehen und dann hierher zurückkommen?
-Ja.
Er ging zum Bankomat und ich fuhr dann doch dorthin und nahm ihn mit. Und so begann eine Fahrt, die nach dreißig Sekunden und hundert Metern zu Ende war.
-So, das macht 10 €.
-Hier hast du es. Danke für die Fahrt und schönen Abend noch!
Normalerweise wird man hier aufs Abstellgleis gestellt, wenn man zwei Bestellungen binnen 30 Minuten ablehnt. Dann bekommt man keine Bestellungen über die Datafunk für eine halbe Stunde. Am Freitag fuhr ich gegen sechs Uhr abends Richtung Bahnhof als aus der Hannibal eine Bestellung kam, die ich ablehnte, weil der Zug aus Helsinki eingerollt war und Kunden vor dem Bahnhof bereits Schlange standen. Und im Bildschirm des Boardcomputers, wo man den Standort aller Wagen der Region sieht (auch wenn sie sich Rovaniemi befänden), tauchte hinter meiner Wagennummer sofort ein kleines h (h=hylly=Regal) auf. Mist! Anscheinend genügt einmal ablehnen in der Weinachtszeit. Kunden habe ich bekommen vom Bahnhof, und eine halbe Stunde ist auch nicht die Ewigkeit.
2. Dezember 2009
Die Vorweihnachtszeit sollte voll im Gange sein, aber nach zwei Wochenenden kann man schon sagen, dass ganz so wild wie letztes Jahr ist es nicht, jedenfalls noch nicht.
Ich habe jetzt ein Jahr Taxifahren hinter mir. Gewiss, ich bin bloß ein Hobby-Fahrer, der sein Studium und seine Lachsfischerei mit gelegentlichem Taxifahren an Wochenenden und in Urlaubszeiten finanzieren will. Und ich darf auch noch wählerisch sein mit meinen Arbeitzeiten. Aber so viel weiß ich, dass wenn ich meinen Lebensunterhalt von den Straßen Tamperes von Tag zu Tag holen sollte, wäre das sicherlich hart. In Finnland kann man noch seine Existenz auf Taxifahren bauen (das heißt auch, dass die Branche nicht dadurch subventioniert wird, dass der Staat ein Teil vom Unterhalt der Taxifahrer in Form von Arbeitslosengeld übernimmt, weil die Löhne schlecht zum Leben reichen), aber Arbeitszeiten sind schlecht und gesund ist Autofahren auf Dauer sowieso nicht.
Ich bin froh, dass ich (auch) diesen Job habe, besonderes in Tagen wie diesen, aber irgendwann ist damit Schluss, das weiß ich jetzt schon.
Aber ich gestehe offen, dass es in diesem Beruf auch einen Haken gibt, der mich zieht. Man genießt eine gewisse Freiheit während der Arbeitszeit, ist immer dem Zufall ausgesetz, sieht viel, hört viel und trifft alle möglichen Leute. Und das alles gefällt mir sehr.
18. November 2009
Das H1N1-Virus ist auf dem Vormarsch auch hier in Finnland. Die Epidemie hat ihren Höhepunkt in der Umgebung von Tampere (Pirkanmaa heißt die Region rund um Tampere) jetzt erreicht. Angefangen hat die Epidemie in Lappland, wo sie bereits langsam vorbei ist, und von dort aus hat sie dann ihren Weg sehr schnell Richtung Süden aufgearbeitet. Man impft gegen die Grippe was das Zeug hält, aber manche Ärtzte meinen, dass der Wettlauf bereits verloren sei. Es dauert zwei Wochen, bis die Impfung Schutz bietet, und erst Ende Januar dürfte die ganze Bevölkerung geimpft sein. Und für viele ist das zu spät. Alle meine drei Kinder waren schon mal krank, zwei von denen sind das immer noch, aber ob das nun Schweinegrippe ist, wissen wir nicht. Geimpft werden sie trozdem in dieser und nächster Woche.
Letztes Wochenende habe ich einen Kunden vom Uni-Klinikum nach Parkano gefahren. Die Wagentür ging plötzlich auf, und ein Mann hat gefragt, wieviel eine Fahrt von hundert Kilometern kostet.
- Ja, also, wenn sie einen KELA-Schein bekommen haben, dann kostet sie Ihnen 9,25€.
- Nein, ich habe keinen bekommen. Bin ein Alkoholsünder. Die Polizei hat mich erwischt und zum Bluttest hierher gebracht.
- Na dann kostet die Fahrt um die 140€...
Wir sind losgefahren. Zu Beginn der Fahrt war der Fahrgast immer noch leicht betrunken und sauer auf alles und jeden. Mit der Zeit wurde er stiller und ihm wurde möglicherweise langsam klar, dass er allein daran Schuld war, dass er mit seinem Auto von der Straße abgekommen war, der Blutest über 1,2 ergab, und er in der nahen Zunkunft mit dem Gericht zu rechnen hatte.
Die Fahrt von 144€ zahlte er mit Bargeld. Abschließend wünschte er mir noch alles Gute. Ich habe ihm das gleiche gewünscht.
5. November 2009
Zwei Extra-Schichten werde ich morgen fahren. Grund dafür ist eigentlich mein Nachbarn, der wieder gefragt hat, ob ich am Freitag bereit wäre, nach Ruovesi zu fahren, falls seine Eltern zu Besuch kommen. Klar doch, das ist immerhin eine Fahrt von 100 Euros. Und jetzt, wenn ich den Mercedes am Parkplatz stehen habe, sieht es so aus, dass sie nicht kommen! Aber das ist mir eigentlich egal, ich werde morgen trotzdem zwei Extra-Schichten fahren und ein bißchen zusätzliches Geld verdienen.
Mit meinem neuen Chef haben wir heute kurz über unsere gemeinsame Zukunft gesprochen. Er hat versprochen, dass ich frei wählen darf, wann und wie oft ich fahre. Prima. Ich werde so machen wie bisher: freitags, samstags und sonntags fahren, insgesamt 6-8 Schichten im Monat. Hauptsächlich werden es Nachtschichten sein, aber das ist OK, ich komme damit zu recht.
1. November 2009
So das war's dann. Ab 14. November fahre ich bei einem neuen Chef. Ein neuer Arbeitsgeber ist anfangs immer ein Unsicherheitsfaktor, aber ich bin zuversichtlich, dass alles klappen wird, denn ich habe nur Gutes von ihm gehört.
Mit dem Hyundai habe ich in den vergangenen sechs Monaten unglaublich gute Touren gemacht: öfters mal nach Helsinki, zweimal nach Seinäjoki, einmal nach Kristinestad und dann noch zu den naheliegenden Orten wie Huittinen, Hämeenlinna, Kyröskoski, Mänttä, Ruovesi, Toijala und Äetsä. Bin nicht abergläubisch, aber hoffe, dass der Mercedes auch so ein gutes Karma hat.
31. Oktober 2009
Gestern hat es geschneit, teilweise schon ganz ordentlich, wie man im Bild sieht. Heute ist es kalt, Temperatur liegt bei -1.5 Grad und stellenweise liegt noch Schnee am Boden. Die Fahrbahnen sind jedoch trocken und der Verkehr durfte reibungslos fließen.
Aber: Bin ich jetzt ein kaltblutiger Zyniker, wenn ich feststelle, dass die Erste-Hilfe Station Acuta voll von Leuten sein dürfte, die ihr Bein oder Arm gebrochen haben und für ihre Heimkehr Taxi brauchen? Oder denke ich nur professionell? Taxler können vom Kundenservice sprechen so viel wie sie wollen, aber sie sind auch Geier. Und alle wissen das.
24. Oktober 2009
Eine Qual waren die beiden Schichten gestern! Ich war nicht in der Laune, Fahrgäste großartig mit dem Hyundai zu befördern und habe deswegen versucht, das Minimalergebnis mit ein paar langen Fahrten am Flughafen und am Uni-Klinikum zu erreichen. Total missglückt! Das Ergebnis meines gestrigen Bestrebens waren insgesamt ganze 350 €.
Practical Jokes Teil II:
Ein Kollege, Mitte 50, erzählte uns gestern am Flughafen, wie er eines Abends einen betrunkenen Kunden nach Hause gafahren hatte, der aber dann überraschenderweise kein Geld bei sich hatte. Zu Hause sollte aber noch welches liegen. Also gut, er hat seine Uhr als Pfand hinterlegt und losgerannt, um das Geld zu holen. Während dessen hat der Kollege die Uhr des Kundes um eine Stunde vorwärts gedreht. Einfach so, aus Spaß. Am Morgen ist der Kunde also möglicherweise zu früh und immer noch betrunken in seinem Arbeitsplatz aufgetaucht.
20. Oktober 2009
Ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Hier haben wir sogar zwei Bilder, aber auch sie können den Verlauf meiner Tagschicht am Freitag nicht zufriedentstellend beschreiben.
Am Donnerstag Nachmittag liege ich gemütlich auf dem Sofa, wenn es plötzlich an der Tür klingelt. Mein Sohn geht an die Tür und bald höre ich, wie mein Nachbar vom Haus neben an ihn fragt, ob der Papa zu Hause sei. Was nun? Ich stehe auf und gehe auch an die Tür.
-Fährst du morgen Taxi? (hier oben dutzt man sich ohne weiteres)
-Ja...? (etwas skeptisch)
-Meine Eltern kommen zu Besuch morgen. Könntest du sie am Nachmittag zurück nach Ruovesi fahren? Taxameter an, natürlich.
Als ich am Abend meiner Frau erzählte, wie ich doch nicht nach Arbeit suchen muss, sonder sie wird mir angeboten auch wenn ich mich zu ruhen versuche, habe ich als Scherz noch hizugefügt, dass wenn ich am nächsten Tag noch eine Fahrt nach Helsinki erwischen würde, könnte ich den Rest der Schicht nur noch Kaffee trinken. Und am Freitagmorgen um 8:44 Uhr war das
Auftragsangebot auf meinem Computerschirm...
Die insgesamt vier Fahrten der Tagschicht am Freitag haben fast 500 Euro in die Kasse eingebracht. Danach habe ich es etwas lockerer genommen. Dennoch habe ich am Wochenende in 26 Stunden knapp unter 1000 Euro eingefahren. Ein gutes Ergebnis, würde ich mal sagen.
14. Oktober 2009
Lietsunkulma in Ollinojankatu 5 ist eine der feinsten Adressen der Tampereer Kneipenlandschaft. So fein ist es, dass in den Auftragsangeboten die Taxizentrale nur die Postadresse durchgibt, in der Hoffnung, dass es Taxler gibt, die nicht wissen, was es sich da befindet und aus Versehen dort hinfahren, um Kunden abzuholen. Was dieser Oase der Bierdurstigen den letzten Schliff gibt, ist das, was hier jedermann bekannt ist: das Lokal hat einen ehemaligen, weltweit bekannten Rekordmeister im Skispringen als Stammkunden, eine eher traurige Figur, die immer noch Schlagzeilen macht und mittlerweile eine Art Kultstatus genießt.
Eines Abends hat ein Kollege einen Kunden von Lietsunkulma nach Hause gebracht. Der leicht angetrunkener Mann musste am nächsten Tag wegen seines Jobs nach Saudi-Arabien fliegen. Er bat, dass der Kollege ihn am Morgen abholt und zum Busbahnhof bringt. Von dort fahre er dann mit dem Bus zum Flughafen nach Vantaa. Abgemacht. Am frühen Morgen stand dann der Kollege vor dem Haus seines nächtlichen Fahrgastes. Aber aus dem Haus kam niemand. Der Kollege fuhr zum nächsten Taxistand, denn falls der Schlafende wirklich nach Saudi-Arabien musste und seinen Job behalten wollte, sollte bald ein Taxi in die Adresse bestellt werden.
So war's dann auch. Nach zehn Minuten Wartezeit wurde ein Taxi in die gleiche Adresse bestellt. Der Kunde wusste nichts mehr von der nächtlichen Abmachung, entschuldigte sich aber und bat, dass der Kollege ihn zum Busbahnhof bringt.
- Klar, kann ich machen. Aber der Bus ist schon abgefahren.
Nach einer kurzen Überlegung hat der Kunde gefragt, ob der Kollege ihn direkt nach Vantaa bringen würde. Ja, gerne doch. Sie haben sich über einen Festpreis von 200 Euro geeinigt und eiligst zum Flughafen gefahren, wo der Fahrgast dann doch sein Flugzeug erwischt hat.
Ein cleverer Taxler verdient immer sein Geld, auch mit den Gästen von Lietsunkulma.
3. Oktober 2009
Gestern Nacht sank die Temperautur auf -1 Grad Celsius ab und es bildete sich stellenweise Glatteis. Autobahnkreuzen im Westen und im Süden waren die gefährlichsten Stellen.
Ob die lokale Tageszeitung Aamulehti von Unfällen zu berichten weiß, weiß ich noch nicht. Ich werde sie erst im Auto lesen können, in ungefähr 45 Minuten also...
29. September 2009
So, ich hab' es jetzt satt mit dem Huyndai Sonata und ähnlichen Kisten. Ab November fahre ich ausschließlich E-Klasse Mercedes. Das steht jetzt fest. Grund für den Wechsel ist die Tatsache, dass ich 196 cm groß bin und der Sonata bietet mir eben nicht genug Fahrkomfort, der ist also zu klein.
Der Wechsel fällt mir zum Teil schwer, denn mit dem Chef läuft alles wie geschmiert. Wirklich alles, sowie kohlemäßig als auch hinsichtlich der Schichten. Er ist wirklich in Ordnung. Hoffe, dass er einen anständigen neuen Fahrer findet.
Gestern durfte ich eine Extraschicht fahren, denn er war erkrankt. Eine der Fahrten brachte mich dann nach Äetsä.
Durch diese Farbenvielfalt lässt es sich angenehm fahren, vor allem wenn man dabei 111.10€ verdient.
Am Ziel in Äetsä, das heute zu Sastamala gehört
26. September 2009
Gestern bin ich kein Stück reicher geworden. Nach 18 Stunden intensiver Taxiarbeit hatte ich knapp über 400 Euro in der Kasse. Durchschnittlicher Wert von einer Fahrt war gestern 19,90. Das heißt also, dass man fast eine Stunde am Stand steht, und dann eine Tour von 20 € fährt. Das Komische ist, dass die Polizei angefangen hat zu kontrollieren, ob man Fahrtagebuch korrekt führt und oft genug Pausen macht. Pausen macht man nun wirklich oft genug heute, keine Sorge, Herr Polizist!
22. September 2009
Bitte um Entschuldigung für meine lange Abwesenheit. Ein neues Studienjahr an der Uni hat begonnen (das elfte bei mir, wenn ihr das genau wissen wollt), und es dauert eben jedes Jahr seine Zeit, bis ich wieder alles auf die Reihe gekriegt habe und weiß, wo es lang geht.
Anglistik und ein Kurs namens "American Literature1" sind in diesem Herbst angesagt. In den vergangenen Wochen habe ich meine Aufmerksamkeit Namen wie Benjamin Franklin und Washington Irving widmen müssen. Darüber kann ich mich nun wirklich nicht klagen, denn beide Herren schreiben außerordentlich gut und ihre Geschichten sind sehr amüsant.
Aber trotzdem sind meine Gedanken bereits auf das kommende Wochenende gerichtet, wo ich mich wieder hinter dem Lenkrad setzen werde, in der Hoffnung, dass ich die Fahrt aller Fahrten erwische.
Letztens war ich einmal in Hämeenlinna, einmal in Ruovesi und einmal in Mänttä. Nach Ruovesi und Mänttä bin ich sogar während der selben Nacht gefahren. Die Frau und ihr Sohn, die ich von Acuta nach Mänttä mitten in der Nacht brachte, hatten kein Geld bei sich, obwohl sie mir von der KELA-Fahrt noch eine Selbsthaftung von 9,25 € schuldeten. Und was tue ich? Ich schreibe meine Kontonummer auf und sage, dass ich die fehlende Summe von meinem eigenen Wechselgeld in die Kasse einzahlen werde und sie sollten sie mir möglichst bald in mein Konto überweisen. Das war am Samstagnacht so gegen 02 Uhr. Am Dienstagmorgen war die Überweisung bei meiner Bank eingebucht.
6. September 2009
Die langen Touren machen süchtig. Blut ist ein stiller Fahrgast und Kranke beschweren sich nicht über Routen und Fahrstil, denn sie kommen nach Hause egal wie spät es ist und müssen ihre oft sehr lange Fahrt selbst nicht bezahlen. Und man verdient natürlich gutes Geld.
Am Freitag habe ich wieder mein Glück am Uni-Klinikum versucht, diesmal mit magerem Resultat: keine der 11 Fahrten hat mehr als 30 Euro eingebracht, eher waren es immer 10 oder 12 Euro. Eine Bestellung von Finn Medi Delta (Blut) habe ich auch erwischt, aber auch sie brachte mich nicht weiter als bis zum Krankenhaus Hatanpää (Hatanpäänkatu 24). Wenn nicht, dann eben nicht.
Punkt 22 Uhr Stand ich wieder am Stand 16. Die erste Fahrt ging von Acuta nach Kyröskoski und brachte 69€ ein. Auf dem Rückweg habe ich am Flughafen eine Vorbestellung erwischt und wegen eines sehr verspäteten Flugs 60 € verdient, auch wenn das Fahrziel nicht weiter als in Piettasenkatu war. Danach ging es nur bergab. Ein Kurzschluss hat in der Taxizentrale Computer zum Absturz gebracht und nach Mitternacht wurden alle Bestellungen über Funk vermittelt. Die alten Hasen kamen mit der Situation ganz gut zu Recht, denn Funk war ja Alltag in den 1970er und 1980er Jahren, aber die jüngeren Kollegen standen teilweise so ziemlich auf dem Schlauch. Wenn die Zentrale Bestellungen über Funk an den Taxen verteilen muss, benutzt sie die Spitznamen der Standen anstatt ihrer Nummern. Sie fragt also nicht "Stand 46?", sondern "Am Leo?", worauf der Wagen an der Reihe dann mit seiner Wagennummer antwortet. Ich habe mir mittlerweile die Spitznamen erlernt und kam deshalb ganz gut zu Recht. Ich wusste immer an welchem Stand oder in welcher Zone ich war und ob ich mir die Bestellung schnappen konnte. In acht Stunden habe ich ziemlich genau 300€ gemacht.
Samstag war OK, sagen wir es mal mal so. Er lief normal ab, in technischer sowie finanzieller Hinsicht.
Woher kommt eigentlich die Idee, dass Taxler alles wüssten, immer die richtige Antwort oder die relevanteste Meinung zu allem hätten? Der Teufel im Taxi:
"Scheiße, morgen geht die Welt unter. Sagen Sie mal Fahrer, was halten Sie davon?'"
Ich kenne alle Tampereer Taxifahrer nicht, aber ich habe bereits viele getroffen. Einige haben wirklich nicht das Pulver erfunden und die meisten haben die Schule verlassen sobald es ging und würden sich wahrscheinlich denken: "Was redet er für Müll? Kann er nicht die Klappe halten?"
29. August 2009
Da stehe ich am Freitag am Stand 16 und werde kurz vor dem Schichtsende Erster. Der Tag ist miserabel gewesen und ich habe ganze 120 Euro in der Kasse. Nach 10 Minuten Wartezeit kommt ein Mann auf mich zu, gibt ein Handzeichen, dass er ein Taxi braucht, öffnet die Tür und steigt ein.
"Eigentlich müsste ich nach Seinäjoki..."
Die Tour hat 259,80€ gekostet. Davon hat mein Kunde sebst nur 9,25€ bezahlt, denn die KELA, die nationale finnische Versicherungsanstalt (bin mir nicht sicher, ob das nun der richtige deutschsprachige Terminus ist) hat den Rest übernommen. Das ist der Fall immer dann, wenn der Patient aus der Pflegeanstalt entlassen wird, selbst nicht Auto fahren kann und es ihm aufgrund der späten Stunde oder gesundheitlicher Lage ( z.B. gebrochenes Bein, Entzündungsgefahr etc.) nicht zuzumuten ist, öffentliche Verkehrsmittel zu benutzen. Dann schreibt der zuständige Arzt dem Patienten einen KELA-Schein fürs Taxi. Der Kunde zahlt dann 9,25€ für die Fahrt, egal wie lange die gefahrene Strecke ist, und der Taxiunternehmer stellt der KELA für den Rest eine Rechnung, die innerhalb von drei Wochen ausgeglichen wird.
Die längste Strecke, die mit einem KELA-Schein in diesem Sommer von Tampere gefahren wurde, oder von der ich weiß, ging nach Tornio. Am Ziel ist die Uhr bei 900 Euro gestanden. Der Kunde hat die volle Summe mit Bargeld bezahlt und gemeint, dass er den Papierkram mit der KELA selbst erledigen wolle... So gehört sich das!
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