11. Mai 2012

Früher erwähnte ich schon mal, dass der misstraurische Taxler immer suspektiert, dass die Frauen in der Zentrale das Verteilen der Fahraufträge manipulieren. Müssen sie doch, denkt er; wie denn sonst bekommen immer die anderen die guten Aufträge und ich nicht? Es fehlt nur der Beweis. Wie wäre es hiermit:

Ich habe Geburtstag am Ende dieses Monats. Letztes Jahr stand ich zu Beginn dieses fröhlichen Tages am Stand in Lamminpää. Dort ist normalerweise nichts los, aber einige Fahrer, darunter auch ich, hatten herausgefunden, dass zweimal pro Woche morgens eine krebskranke Frau mit dem Taxi nach Turku reiste, wo ihr Blut komplett ausgetauscht wurde. Nach der Operation kam sie mit dem selben Auto zurück. Da könnte schon einiges zusammenkommen. Bezahlt hat die KELA, unsere nationale Versicherungsanstalt.

Da stand ich und genoss die Morgensonne und steigende Temperatur und wartete, als fünf vor halb acht ein Wagen hinter meinem auftauchte. Mist! Im gleichen Moment war der Fahrauftrag auf dem Bildschirm meines Boardcomputers: Hin- und Rückreise nach Turku + höchstens 6 Stunden Wartezeit. Na geht doch! Ich fuhr los. Kurz nach meiner Ankunft im Hof der Frau kam sie angerannt und meinte, die Abholzeit wäre doch erst in zehn Minuten gewesen und ich habe sie überrascht.

Moment mal, dachte ich mir. Sobald ein zweites Auto zum Stand fuhr, bekam ich frühzeitig einen Super-Fahrauftrag, und das noch zu meinem Geburtstag? Alles nur Zufall? Wirklich? Wir waren zehn Stunden unterwegs. Am Ende war es ein Tag von einer einzigen Tour und einem Umsatz von 477 €. Bedanken kann ich mich bei niemandem, denn ich kann leider nichts beweisen.

8. Mai 2012

Ein Post zu der etwas anderen Geschichte. Der 100. insgesamt.

Jahrelang trug ich den Ring. Zehn Jahre drückte er meine Haut. Seitdem ich ihn nicht mehr trage, fühlt sich die ganze Hand irgendwie anders, viel leichter. Aber die Haut im Ringfinger ist noch nicht ganz abgeheilt. Wenn man genau hinsieht, kann man da noch einen dunklen Streifen sehen. Die Haut wird heilen, aber dass der Finger noch einen Ring sehen wird, halte ich momentan für unwahrscheinlich.

Reden? Probleme aufarbeiten? Beziehungstherapie? Nein danke. Ich glaube, wir Finnen sind romantischer gesinnt als viele andere, die viel und gerne reden. Der alte Witz über ein finnisches Ehepaar lautet: Nach 60 Jahren Ehe fragt die Frau, ob der Mann sie noch liebt. Er:



"Ob ich dich liebe und ob ich dich liebe! Muss ich die ganze Zeit von der Liebe schwärmen? Als ich dich heiratete sagte ich schon mal, dass ich dich liebe. Weißt du noch? Wenn ich dich nicht mehr liebe, dann sag' ich dir bescheid."

Wenn eine Beziehung zu Ende geht, teilt man das Vermögen, notfalls mit einer Kettensäge, kämpft im Gerichtssaal bitter um die Kinder und geht getrennte Wege. Das ist hart, aber danach ist wieder freie Bahn, das Leben beginnt neu. Ich meine, wenn die Gefühle nicht mehr da sind, sind sie eben nicht mehr da. Das viele Reden bringt sie nicht zurück. Muss man die Frust und den Ärger, den man für die andere Hälfte nur noch hat, zur bloßen Erduldung aufarbeiten und alle Ewigkeit in einem selbstgebauten Gefägnis leben? Es kann keine schlimmere Qual geben!

Also sprach der Zwilling...

Meine eigenen Eltern waren bis zum Tod meines Vaters zusammen. Als ich einmal bei denen zu Besuch war, war meine Mutter nicht zu Hause. Ich fragte den Alten, wo sie war. Seine Antwort:

"Woher soll ich das wissen? Hoffentlich noch am Leben."

5. Mai 2012

Die Eishockey-WM? Interessiert mich nicht. Spielt man doch jedes Jahr. Ein Wettbewerb, den wir in Eishockey hätten gewinnen müssen, war 2004 der Word Cup of Icehockey, der früher ganz einfach Canada Cup hieß. Leider unterlagen wir den Kanadiern im Finale knapp mit 3-2. Dieser Sieg wäre etwas Besonderes gewesen, denn in diesem Wettbewerb sind jedes Mal die Besten der Besten dabei.

Die Fußball-Europameisterschaft 2012 ist meines Achtens das wichtigste Sport-Event des Jahres. Aber es gibt doch die Affäre Timoschenko! Sie sitzt im Knast. Hmm, das ist echt Scheiße. Aber vielleicht nimmt man es in ihrem Fall nicht so genau mit den Vorschriften und sie bekommt auch einen Fernseher...

4. Mai 2012

Plenum. Ein Wort, das ich lange nicht mehr gehört oder gar selbst benutzt habe. Ein Wort, bei dem es mir des öfteren kalt über den Rücken lief, damals, in den Häusern Ecke Marchstr. 23/Einsteinufer 41. Ein Plenum konnte sich zu einem wirklich horrorhaften Erlebnis entwickeln. Vor ei paar Tagen bekam ich eine E-Mail von einer Freundin in Berlin. Sie wohnt in einem ehemaligen besetzten Haus in SO36 und schrieb mir hinsichtlich meines Besuchs im kommenden Juni, dass sie das Gästezimmer buchen und mich auf dem Plenum ankündigen wird. Oder besser gesagt uns ankündigt, denn es sind meine Jungs, mit denen ich eine kleine "Tour d'Allemagne" mache. Vom 1. bis 6. Juni sind wir in Berlin.

In der Arbeit war gestern eine Nacht der dicken Bücher. Nix los und null Bock.

1. Mai 2012




Indentitätsfragen zum 1. Mai. Hier oben ist 1. Mai neben der Arbeiterklasse auch ein Tag der Studenten, vorwiegend Hochschulstudenten. Alle, die das Abitur machen, bekommen als Zeichen für ihre Leistung eine weiße Mütze, "Ylioppilaslakki". Diese Mütze trägt man traditionell zum 1. Mai. Ab in die Universität ging es früher nach dem Abitur, und deshalb hat das Tragen dieser Mütze noch heute ein akademisches Flair, obwohl die meisten nach dem Abitur woanders als in einer Hochschule studieren. Rund 60 % der Jugendlichen gehen übrigens hier aufs Gymnasium und fast 90% von denen packen auch das Abitur.

Zu meinen Berliner Hausbesetzerzeiten besuchte ich regelmäßig die "Revolutionäre 1. Mai Demo" und hier (Bildgallerie Der 1. Mai in Berlin). Yo, war nix mit der weißen Mütze damals! Aber Spaß hat's gemacht, bis unser besetztes Haus dann langsam von Innen zusammenbrach, der Frust kam und ich  zu mir selbst sagte: In dieser Bewegung, mit diesen Leuten mach' ich nicht mehr mit. Danach war ich bis zu meiner Rückkehr nach Finnland die meiste Zeit nur noch so dicht, dass man diese Periode kaum mit dem Wort "leben" bezeichnen kann.

Heute Nachmittag setzte ich meine weiße Mütze wieder auf und fuhr in die Stadtmitte wie zigtausende andere Stadtbewohner auch. Ich wußte, was ich war und wo ich herkam: Sohn eines Restaurantbetreibers und einer Krankenschwester, Vater, akademisch ausgebildet, bald finnische Mittelschicht, aber mit einem sehr ungewöhnlichen Lebenslauf. Damit meine ich nicht nur die Zeit in Berlin. In meiner Vergangenheit gibt es noch ein Haufen andere Dinge, die man als ungewöhnlich bezeichnen könnte. Dazu vielleicht ein anders Mal mehr.

Ach ja, fast vergessen: Ich bin auch Taxifahrer. Kein ganztägiger und gewiss nicht für immer, aber dennoch. Ich bin eigentlich sehr stolz auf diesen Job. Mit dem Taxifahren verdiene ich mein Lebensunterhalt und kann für meine Kinder sorgen. Außerdem gewinne ich dadurch gewisse Freiheiten: Ich brauche keinem Behörden berichten, wie ich lebe und wofür ich Geld ausgebe. Ich habe das Geld selbst verdient und mache damit, was ich will. Das ist der Hauptgrund, warum mir kein Job zu klein ist, und einer der vielen Gründe dafür, dass ich momentan Taxifahrer bin.

28. April 2012

Radio hören im Auto macht Spaß. Heute verfügen auch die meisten Wagen über ein sehr raffiniertes Audio System mit mehreren Lautsprechern, die an verschiedenen Stellen rund um den Innenraum montiert sind. Diese neuen Systeme sind von dermaßen hohen Qualität, dass man an der Ampel gelegentlich auch die Passagiere des nebenan stehenden Wagens zum Winken bringen kann. Das kommt natürlich völlig auf die Musik an: manchmal blicken sie nur stur geradeaus und tun so, als ob neben ihnen niemand stehen würde.

Beim Zuhören von Sprachprogrammen passiert oft, zumindest zu mir, etwas Seltsames: wenn mal etwas Interessantes läuft und ich genau mitkriegen will, was gesagt wird, drehe ich die Lautstärke schnell auf und beuge mich leicht nach vorne  -  Richtung des Radioapparats in der Mittelkonsole! Warum denn nur? Die naheste Tonquelle ist doch links von mir an der Tür. Aber das ist wie ein Reflex. Ich tue dies jedes Mal, als wäre in die Konsole des Mercedeses ein alter Holzkasten aus den Kriegszeiten montiert, in dem man nur knisterne Geräusche hören kann, und ich müsste mich richtig anstrengen, um etwas von der Sendung mitzubekommen. Eigentlich bräuchte ich nur die Lautstärke aufdrehen und das Programm in Dolby Surround genießen. Aber leider wird mein Handeln nicht immer von der Logik bestimmt.

25. April 2012

Unter den Fahrern haben wir einen, der immer lächelt. Ein Taxifahrer, der lächelt? Gibt es nicht. Und wenn, dann bestimmt nicht in Finnland. Könnte man meinen, nicht? 

Aber einen gibt es, und er lächelt immer glücklich ohne einen scheinbaren Grund. Irgendwie einfach kommt dieser Mann einem vor, obwohl man nicht genau sagen kann, was diesen Eindruck weckt. Er ist keineswegs zurückgeblieben oder dümmer als die anderen. Kiffen tut er auch nicht. Trotzdem scheinen ihn die Sorgen dieser Welt überhaupt nicht zu berühren. Er grinst nur, dieses Unschuldswesen. Nun wollen die bösen Zungen in der Fahrerrunde am Bahnhof, wo man sowieso alles weiß, herausgefunden haben, was hinter seiner unglaublich guten Laune steckt: Er hat noch nie eine Beziehung zu einer Frau gehabt!

Ja, ich weiß. Pardon! Momentan kommen nur solche Witze gut bei mir an. Aber wenn man will, kann man die Rollen auch umdrehen:
"Es gibt eine Frau, die immer glücklich lächelt..."

21. April 2012

An einer ruhigen Straße im Osten Tamperes steht das Clubheim einer der weltweit bekanntesten  Rockerbanden, deren Mitglieder immer wieder wegen Gewalt-, Drogen- oder Waffendelikten in die Schlagzeilen geraten. Der Ort ist jeden Taxler bekannt und die Fahraufträge, die aus dieser Adresse kommen, werden von den meisten Fahrern abgelehnt.

Was viele nicht wissen, ist dass hinter diesem gefürchteten Vereinsheim, auf dem gleichen Grundstück, steht noch ein Haus, das über die gleiche Adresse verfügt, in dem aber eine schöne Frau wohnt, die nichts mit den Rockern zu tun hat. Ich weiß das, und habe sie bereits einige Male gefahen. Bei einem dieser Male wartete sie am dunklen Parkplatz auf das Taxi und sah recht frustriert aus. Als sie einstieg fragte sie höhnisch:


"Ihr Helden lasst euch Zeit, was? Frage mich nur warum?"

Eigentlich erwartete sie keine Antwort von mir, denn sie Sache war uns beiden klar: Taxler haben Angst vor den Bikers. Dann führte sie lächelnd fort:


"Ist ja auch egal. Andererseits brauche ich meine Tür nie abzuschließen, weißt du? Bei uns traut sich keiner was zu klauen."
Das konnte ich mir denken. Tja, ich kann nur hoffen, dass das auch künftig so weitergeht, bei der Schönen und den Bestien.

17. April 2012

Wie ich so höre, will man in Deutschland das Rederecht der Parlamentarier einschränken. Gute Idee. Sorgt garantiert für eine allgemein bessere Atmosphäre im Lande. In Finnland haben wir das schon: Höchstens zwei Minuten dürfen sie reden. Diese Einschränkung finde ich vielleicht ein bisschen überflüssig, denn so lange redet hier niemand auf einmal.

Weltpolitk: Wisst ihr was? Dieser Präsidentschaftskandidat Mitt Romney ist ein harter Brocken. Als ich erfuhr, dass er die obligatorische Missionszeit der Mormonen in Frankreich verbracht hatte, war mir klar, dass er ein Leistungstyp der Sonderklasse ist. Denkt doch drüber nach: Zwei Jahre lang bemühte er sich, ausgerechnet Franzosen für eine Religion zu gewinnen, die Alkohol und außereheliche Beziehungen verbietet!

12. April 2012

Meine Posts haben oft einen seeeehr erzählerischen Charakter. Ich bin mir dessen bewusst. Das hat man davon, wenn man sich akademisch ausbilden lässt.

Aber wir können auch anders. Jetzt mal die Kopfhörer einpluggen und volle Pulle aufdrehen, denn:

She kicks ass!


Schönes Wochenende!

11. April 2012

Im See Näsijärvi, etwa einen Kilometer nördlich von unserer lieben Stadt, liegt ein Felsenriff namens Siilinkari. Im Zentrum, genau gesagt in Hämeenkatu 9, befindet sich ein gleichnamiges Café, das seit 1960 von einer Bäckerei erfolgreich betrieben wird. Neulich erzählte mir ein älterer Kollege die folgende Anekdote:

Damals, als die Winter noch wahre Winter waren und die Fahraufträge über den Funk vermittelt wurden, gab es über die Wintermonate hinweg eine Eisstraße von Lapinniemi nach Teisko. Die Kunden wollten immer über die Eisstraße gefahren werden, weil diese Strecke deutlich kürzer war, als wenn man über die normalen Landstraßen gefahren wäre. Ihr Wunsch ist jedes Mal auf entschlossenen Widerstand bei den Fahrern gestoßen, mit dem Hinweis darauf, dass sie nicht zur Verantwortung gezogen werden wollen, wenn etwas passiert. Zurückgefahren ist man selbstverständlich immer über die Eisstraße.

Einmal war dieser Kollege auf dem Rückweg aus Teisko als die Zentrale einen offenen Fahrauftrag "in die Luft warf":

Die Zentrale: Lapinnemi, Straße X, Hausnummer 1?

Der Kollege: Auto 1 beim Siilinkari.

Die Zentrale (verzögernd): Hämeenkatu ist doch ein bisschen weit, nicht? Ist kein Wagen näher dran?

Der Kollege: Nein, nicht doch das Siilinkari! Ich bin hier auf dem See, versteht ihr?

Die Zentrale (nach einer etwas längeren Pause): Auto 1: Straße X, Hausnummer 1.

7. April 2012

Ich war gestern mit dem Taxi in Vampula. Die haben einen tollen Namen für ihr Dorf gefunden! Der Name klingt lustig auch auf Finnisch.

Die Nacht war kalt. Die Temperaturen lagen zwischen -5 und -15 Grad. Unangenehm genung an sich, klar, aber das Dumme bei der Sache war, dass die Tankstellen begonnen haben, wieder auf Sommerdiesel umzustellen, was auch ich tagsüber auf dem Rückweg aus Vampula getankt hatte. Der Gefrierpunkt von Sommerdiesel liegt bei -15 Grad. Als ich gegen zwei Uhr nachts mit dem alten Benz durch die offenen Ackerflächen in Punkalaidun düste und das Thermometer tiefer und tiefer sank, flehte ich: Bitte, jetzt bloß nicht abkacken!

Karwoche. Hier will uns der Staat nicht mehr vorschreiben, was wir an diesen christlichen Feiertagen zu tun oder zu lassen haben. Tanzverbot gibt es nicht, was sich auch gestern bemerkbar gemacht hat. Singles und junge Leute waren in Horden unterwegs. Es war ganz schön viel los. Die Leute 30+ fehlten fast komplett, die Familien-Leute eben. Daraus können wir erschließen, dass sobald man Familie hat, beginnen einem Hingabe und, vor allem, Leiden etwas zu bedeuten. Haha, sehr witzig. Na ja, die Drei da oben werden schon meine blöden Scherze verkraften, oder?

Schöne Ostern an alle!

2. April 2012

Da wir schon bei den Herzenssachen gewesen sind, habe ich auch eine Taxi-Anekdote zum Thema parat:

Bei uns beschäftig Taxi oft mehrere Mitglieder aus einer Familie: Väter, Söhne, Töchter, Ehepartner usw. Alle fahren natürlich nicht. Zum Beispiel hat der Mann ein Taxi und seine Frau arbeitet in der Zentrale. Bei solchen Fällen entsteht natürlich der Verdacht, dass alle Aufträge möglicherweise nicht korrekt vermittelt werden. Seitdem die Aufträge über GPRS- Verbindung auf den Boardcomputer kommen, weiß niemand, wer was von den Aufträgen abbekommt. Und niemand ist mißtraurischer als der Taxler.

Wenn uns die Technik mal in Stich lässt, der Server stürzt ab, o.Ä., und die Aufträge wieder über Funk vermittelt werden müssen, konkretisieren sich manches Mal unsere Verdächte:

Die Zentrale: "Stand 26?"

(Keine Antwort)

Die Zentrale: "Straße X, Hausnummer 1."

Auto 1: "Auto 1 in der Y-Straße."

Auto 2: "Auto 2 in der Z-Straße."

Die Zentrale: "Auto 2: Straße X, Hausnummer 1."

Auto 1: "Was? Er ist doch überhaupt nicht am nächsten daran!"

Auto 3: "Am nächsten am Herzen, Alter. Darum geht es. Du hattest keine Chance."


Und damit wünsche ich euch allen einen schönen Wochenbeginn!

31. März 2012


Also, da hat jemand wohl nicht verstanden, dass wir keinen neuen Schnee brauchen, echt nicht. Mann, wir haben es so satt!

29. März 2012

Ein Frühlingstag. Zu Beginn alles grau, auf einmal drängt ein zauberhaftes Sonnenbündel durch die Wolken hervor. Dann der Regen. Und naher lockert der Himmel langsam wieder auf.
"Blumen für die Frau zu Hause?"
So lautete die entscheidende Frage an mich am Sonnabend. Nein danke, möchte jetzt keine Blumen kaufen. Und in dem Moment wusste ich es. Es gab nur einen Ausweg für mich.

Am Montag war es so weit. Wir saßen zu zweit in der Küche. Ich erzählte ihr, was passiert war, auch an der Uni, und was das alles für mich bedeutete: Es ist nicht mehr wie früher zwischen uns. Ich bin alles andere als glücklich. Tränen. Dann das Geständnis: Sie wisse, es geht uns beschissen. Ihr habe nur die Kraft gefehlt, mit mir darüber zu sprechen. Sie wisse es auch, unsere Beziehung ist seit langem wie eine Partnerschaft in einer Firma. Dies zuzugeben tue aber weh. Dass die Gefühle gestorben sind, möchte doch niemand zu hören bekommen. Ich versicherte ihr, ich habe sie nicht verletzen wollen. Aber ich konnte nicht anders.

Wir sind seit elf Jahren verlobt und jetzt ist plötzlich alles offen. Für mich ist die Gefühlswüste, die ich gewohnt war, keine Option mehr. Was auch immer demnächst passiert, wichtig dabei ist, dass wir einander und unsere Lage mit offenen Augen betrachten.

Bevor ich für mein rücksichtsloses Handeln in dieser Frauengeschichte ans Kreuz genagelt werde, gestattet doch eine Frage: Was hat man von dem Schweigen eigentlich? Wir sind hier nur einmal. Aber zugegeben: Einer Frau persönliche Dinge laut zu sagen, ist verdammt schwer. Oder einer Person anderen Geschlechts überhaupt, bekannt oder nicht. Unglaublich. Nur Mut.

27. März 2012

Mein Chef besitzt Wald, ganz schön viel eigentlich, und wieder ist die Zeit des Jahres angekommen, wo er sich lieber mit den dazugehörenden Angelegenheiten als mit seinem Taxigeschäft beschäftigt. Weil ich momentan nur an Wochenenden fahren kann, und möchte, heißt es nun, dass ein zweiter Fahrer vorübergehend reinspringen muss.

Einen hat der Chef schon parat. Und was für einen! Rund 60, kennt jeden in der Branche - und alle kennen ihn. Nämlich, nach regelmäßigen Abständen nimmt er sich, wie es die Kollegen am Bahnhof ausdrücken: "Sonderurlaub zur Erhaltung und Wiederherstellung der Arbeitskraft"; will sagen, er trinkt ein oder zwei Wochen, bis er physisch, psychisch und finanziell am Ende ist und furchtbar verschwollen und mit roten Augen zurück zur Arbeit kehren muss.

Nach seinem neuesten Comeback hat er Arbeit in einem Auto gefunden, das derzeit mit überdimensional großen, gelben Werbeaufklebern verhüllt ist. Um die Arbeitsstunden der kommenden Monat mit ihm teilen zu können, soll ich die Sache selbst mit ihm besprechen, was ich am kommenden Freitag am Stand auch erledigen werde. Ihn zu finden, müsste einfach sein, denn selbstironisch und seine Situation durchaus erkennend hat er meinem Chef eine Anweisung für mich gegeben:
"Der Zirkuswagen, wo ein Clown drinne sitzt, das bin ich."

24. März 2012


"Sex ist wie mühsames Masturbieren. Und hinterher beschwert sich noch die Hand über die Leistungsdauer, -technik und völlig ausgebliebenen Emotionen."

Reine Schadenfreude füllte meine Seele als ich gestern beim Morgenkaffee dieses Zitat in unserer lokalen Zeitung Aamulehti lies. Das Blatt ist wirklich keine Perle unter den europäischen  Zeitungen, und oft sind die Versuche ihrer Redaktion, die Welt zu erklären, Schüsse ins Leere geblieben. Und jetzt dies! Wie hübsch! Sie ist schon eine witzige Bemerkung, aber "unter Jungs" und nicht in der Zeitung. Der verantwortliche Journalist dürfte bereits von seinen Eiern an der Decke hängen.

Auf der Arbeit versuchte ich dann herauszufinden, wie diese Bemerkung bei den Leuten angekommen war. Eine klare Antwort bekam ich nicht, irgendwie gab es die richtige Kundschaft nicht und es schien mir, dass die meisten hätten die Bemerkung gar nicht gelesen. Und dann am späten Abend ein Kollege:

"Das Gute an Masturbieren ist, dass man selbst wählen kann, mit wem man vögelt."

Hirnloser Affe. Wie peinlich. Es fiel kein Wort mehr. Ich ging zurück zu meinem Auto, stieg ein, schloss die Autotür und lachte los. Wo bin ich hier eigentlich?

23. März 2012

Die junge Dame, die in Peltolammi vom Bild verschwand und ihren Kopf gegen die Wand schlug - sie blutete übrigens heftig - hat den Vorfall überlebt. Die fehlende Summe von 10€ war am Montag auf mein Konto überwiesen worden.

Heute hat es in der Lokalzeitung eine witzige Bemerkung über Sex gegeben. Ich versuche heute Abend herauszufinden, ob sie Resonanz bei der Taxikunschaft gefunden hat. Worum es geht, erzähle ich euch morgen.

21. März 2012

Frühling und ein neuer Layout mit Farben! Ich wurde darauf aufmerksam gemacht, dass weiße Schrift auf schwarzem Grund möglicherweise nicht ideal ist. Mit dieser Lösung habe ich versucht, die Stimmung der dunklen Jahreszeit des Nordens zu vermitteln. Aber hier oben beginnt ja langsam die Zeit, wo es hauptsächlich hell ist. Das will der neue Layout jetzt imitieren. Hoffe, es gefällt euch.

Ich war bei der Polizei am Montag. Es war unangenehm, wie immer. Eine Stunde saß ich da, bis mir dann der Herr Ermittler einen kurzen Text über den Tisch reichte. Er war wirklich kein langer Text, aber wegen den Satzkonstruktionen und zahlreichen Tippfehlern habe ich ihn zweimal lesen müssen, bevor ich alles verstanden habe. Unterschrieben habe ich das Papier, oder sachlich ausgedrückt Verhörprotokoll troztdem.

Mein alter s124er hat vor kurzem den Kilometerstand von 400 000 km erreicht.  Der w211er meines Chefs hat jetzt 506 000 km im Tachometer. Schlecht gebaut ist er auch nicht. Der Alte hat endlich einen neuen E200 CDI bei einem deutschen Autohändler bestellt, nach zwei Jahren Hin und Her. War ja ehrlich gesagt die höchste Zeit. Der neue Wagen wird jetzt gebaut, aber erst im August geliefert. Grund dafür ist, dass er beim Händler als Vorführwagen drei Monate stehen wird. Es kann sein, dass ich ihn aus Heide abhole - wenn mein Chef genug zahlt.

Fliegenfischen-Saison steht vor der Tür. Hurra! Unterkunft am Fluss Teno für die Wochen 24- 25 und 31 ist bereits gebucht. Wahrscheinlich gehen wir auch rüber nach Norwegen für ein paar Tage. Bevor es so weit ist, werde ich beim Aufbau der Fliegenfischen Messe Tampere am 14. und 15. April helfen. Frühling ist die Jahreszeit fürs Planen!

18. März 2012

Es ist lange her, dass ich das letzte Mal die Touren aufgelistet habe, die ich während der Nacht gefahren habe. So verlief  meine Schicht gestern. Beginn war 17:00 Uhr:

- Kissanmaa - Välimaankatu 1: ein junger Herr mit einem Rucksack voll von Bierflaschen auf dem Weg zu seinem Bruder.
- Sammokatu 8 - Satamakatu 8: eine Dame aus Helsinki, die zu Besuch bei Freunden war.
- Uni-Klinik, Dialyse - Kalkku: ein älterer Herr, sehr schweigsam.
- Rahola - Busbahnhof - Iidesranta: zwei junge Herren auf dem Weg zur Einzugsfest, Krach vorhergesagt.
- Kissanmaa - Club Pakkahuone: ein Ehepaar auf dem Weg zum Stand-Up-Festival. Der Herr Autoliebhaber, quatschte mich voll, obwohl ich nicht besonderes auf Autos stehe.
- Tampere-Haus - Hotel Ilves: ein älteres Paar. Die Fahrt kostete €10,60, eine Ermässigung von 60 Cent, weil ich zu faul war, um das Kleingeld rauszuholen.
- Stand 4 - Nachtclub Seurahuone: ein Ehepaar, das Tanzen wollte. Die Zeit: 21.30 Uhr.
- Kissanmaa - Hämeenkatu 10: vier junge Herren unter 20 Jahren. Wenig Geld, aber es hat dann doch geklappt mit der Zahlung.
- Stand 4 - Hallila: ein Unternehmerehepaar, ewig zusammen, aber wie Hund und Katz.
- Hotel Ilves - Atala: ein junges Ehepaar, der erste gemeinsame Abend seit langem. Zum Abendbrot stand Sushi auf der Liste, und zwar zu Hause und zu zweit.
- Pub Tasanne - Bistro 2h+k: vier Herren aus der Restaurant-Branche. Klatschtanten.
- Bahnhof - Pyhältö in Lempäälä: ein Ehepaar, nette Leute von einer Firmenparty kommend.
- Bahnhof - Siuro in Nokia: noch ein nettes Paar. Die Fahrt kostete über 40€, aber sie legten noch einen Fünfer drauf als Trinkgeld.
- Bahnhof - Korkinmäki: ein junger Herr, froh darüber, dass er nicht noch mehr getrunken hatte. Das war ich auch.
- Bahnhof - Janka: zwei Herren und eine Dame, die Herren trugen Lederjacken mit draufgenähten Ami-Flaggen. Für sie war der Benz zu klein, versteht sich.
- Bahnhof - Lamminpää: zwei Damen, von denen die eine bereits in Epilä ausstieg.
- Nachtclub Seurahuone - Haapalinna - Tesoma: eine Dame und ein Herr, Mitte 50. Er zahlte bis Haapalinna, €15.60 + 4,40 Trinkgeld. Sie zahlte den Rest, €7,80, kein Trinkgeld.
- Eteläpuisto 4 - Linnainmaa - Kangasala: drei Fahrgäste, die miteineander befreundet waren, hatten eine Geburtstagsparty besucht.
- Bahnhof - Annala: drei Partygänger, die in einer Privatwohnung weiterfeiern wollten.

Die Zeit: 04:50 Uhr. Feierabend mit einer Kasse von € 458,80. Wünsche Euch allen einen guten Wochenbeginn!