10. Dezember 2010

Fahne am Rathaus hissen, einen Politiker wählen, der reden will, und alle warten auf das anschließende Feuerwerk


Mann, wat für 'ne Woche, ey! Habe wie ein Tier gearbeitet am Wochenende. Es war ein langes Wochenende diesmal, da am Montag unser Unabhängigkeitstag war, was ein allgemeiner Feiertag ist. Vier Tage Party, also. Aber wie absurd wirkt dieser Tag, an dem Politiker von nationaler Souveränität und Freiheit schwärmen in ihren Reden und ein paar Zeilen weiter uns davon überzeugen wollen, dass auch unsere kleine Volkswirtschaft Milliarden in die Euro-Rettungspaketen reinstecken muss, sonst ist alles hin.

Am Dienstag habe ich in Valkeakoski einen Unfall gebaut. Aus Versehen habe ich zu spät gebremst, und den hinteren Stoßstangen eines Opel Astras demoliert. Der Benz hat auch Blechschaden bekommen aber die sind angeblich leicht rebarable. Das hat mich so geärgert! Nicht des Chefs wegen, er meinte nur, dass sowas passiert eben ab und zu in diesem Beruf. Aber trotzdem! Ich habe mich immer für einen guten Fahrer gehalten und gedacht, mir passiert sowas nicht. Und dann ist es passiert...Mist! Naja, positiv gesehen: es waren nur Blechschaden und Versicherung zahlt alles.

Am gleichen Abend kommt dann meine Frau ins Krankenhaus und wird am nächsten Tag am Hals operiert. Sie darf am Freitag wieder nach Hause, alles ist wieder in Ordnung, aber es waren wirklich sehr hektische Tage, vor allem wegen der Kinder. Alle Achtung an alleinziehende Eltern! Kind(er), ein Job oder zwei, studieren vielleicht auch noch. Ihr habt es wirklich nicht leicht!

22. November 2010

Verschiedene Jobs, verschiedene Hemden, beide frisch aus der Waschmaschine

Ganz schön teuer das Leben mit Kind und Kegel. Wir wollen über Weihnachten nach Lappland und gestern habe ich vom Bahnhof die Fahrkarten geholt: Auto + zwei Abteile im Schlafwagen mit fünf Betten kosten von Tampere nach Kolari während der Hochsaison insgesamt 475 Euro! Und das ist nur eine einfache Fahrt. Aber was soll's. Ich tausche gerne Mammon gegen Erlebnisse, und möchte auch möglichst viele Erlebnisse meinen Kindern anbieten. Ich bin immer der Ansicht gewesen, dass Reisen das sinnvollste Geldanlage mit dem besten Ertrag ist. Und mich zieht es nach Norden, stärker Jahr für Jahr. Abreise ist am 22. Dezember, bis dahin werde ich arbeiten was das Zeug hält.

10. November 2010

 Auf dem Weg nach Utsjoki.
 Dieses Foto habe ich um 01:21 Uhr gemacht. Die Sonne scheint immer noch. Blick auf den Fluss Teno.
 Blick vom Vetsikoski Richtung Süden.
Der Taxistand von Utsjoki vor dem Lokal "Rastigaisa".  Nicht reinschauen!
 Der Morgen nach dem 1. Mai am Tampereer Taxistand 1, Stadtbücherei
Bei mir um die Ecke steht einer der schönsten funktionalistischen Bauten der Stadt. Ecke Satamakatu/Näsilinnankatu

Gestern Nacht hat es häftig geschneit. Leider liegt die Temperatur wieder über null Grad und der Schnee ist alles bald wieder weg. Ganz anders sieht es in Utsjoki aus, wo die Temperatur jetzt bei -21,5 Grad liegt. Es ist Zeit, dass ich, wie versprochen, endlich mal einige sommerliche Bilder hier einfüge.

Die Weihnachtszeit hat begonnen. Firmen organisieren Partys für ihre Mitarbeiter und das bedeutet viel Arbeit für die Taxen. Ich selbst brauche das alles nicht so sehr, denn mit dem Taxifahren, Lehrervertretungen und Studium wird es fast zu viel für mich. Aber ich jammere nicht, es gibt viele, die gar keine Beschäftitung haben.

25. Oktober 2010

2 x nach Vaasa

Der kleine blaue Punkt auf dem Rückweg von Vaasa nach Tampere

Endlich mal ein freies Wochenende gehabt. Und das hat wirklich gut getan! Ich versuche jeden Monat mindestens ein Wochenende frei zu behalten, sonst wird es nichts. Es gibt nur Ärger, vor allem zu Hause. Taxifahren ist ein Beruf, der viel Zeit in Anspruch nimmt, und die "falschen Zeiten" sozusagen auch noch. Wenn alle anderen Feierabend machen und sich mal etwas gönnen, schuften die Taxifahrer, immer abends und an Wochenenden, immer an Feiertagen. Möchte die Frau mit dir ausgehen -kommt heute wirklich nicht allzu oft vor, aber wenn, dann wäre es doch sehr nett, wenn du sie manchmal, sagen wir mal, ins Theater begleiten könntest -aber nein, du musst ablehnen, weil du zu arbeiten hast. Oder wenn die Kinder mit seinem Vater am Samstagvormittag spielen wollen, stößt auch ihr Wunsch auf Ablehnung, weil der arme Papi die vorige Nacht Taxi gefahren hat und jetzt schlafen muss, bevor die nächste Schicht beginnt. Kaum eine Ehe hält diese Arbeit auf Dauer aus.

Zum Titel: immer Freitags -vorausgesetzt ich beginne meine Schicht früh genug- versuche ich mein Glück am Uniklinikum. Letzte Woche war ich am Abholen eines älteren Mannes in der Dialyse-Abteilung der Erste-Hilfe-Station, als das Handy klingelte. Vetter meines Chefs war dran. Er arbeitet beim Uniklinikum als Speditionschef o.ä., und wollte nun wissen, ob ich auf Rechnung des Uniklinikums einen Patieten nach Vaasa fahren würde. Klar doch! Ich habe den Opa eiligst zu seinem Ziel befördert und stand 20 Minuten nach dem Telefonat in der Abteilung, wo der Patient auf mich warten sollte. Aber er war nicht da! Die Krankenschwester hatten ihm die Zahlungsverpflichtungen in die Hand gedrückt, woraufhin er gegangen war und wahrscheinlich den ersten Wagen vom Stand genommen hatte. Und die Damen waren nicht auf die Idee gekommen, dass die Papiere keine offenen Zahlungsverpflichtungen waren. És hätte ja sein können, dass der Preis dieser Patientenbeförderung bereits ausgehandelt worden war und nicht den üblichen Tarifen entsprach!

Enttäuscht ging ich zurück zu meinem Wagen, der vor dem Ausgang stand. Kleiner Trost war es, dass der Stand fast leer von Taxen war und ich gleich Dritter wurde. Zwei minuten später war dann ein Auftragsangebot auf dem Touchscreen des Datafunkes: Frau X.X. sollte von der Augenklinik nach Vaasa befördert werden! Ich habe kaum meine Augen geglaubt! Und doch war es wahr. Es wurde eine schöne Fahrt von knapp über 354 €.

Es waren drei Tampereer Taxen um die gleiche Zeit in der Richtung unterwegs. Mit einem Fahrer war ich bereits befreundet, und er hat mich dann auch angerufen, nachdem er seinen Fahrgast losgeworden war. Ich fragte ihn, ob sein Fargast Herr X.Y. hieß und Papiere vom Uniklinikum bei sich hatte. Ja, hieß er und hatte er gehabt! Ich erzählte meinem Kollegen, was passiert war, versicherte ihn aber, dass jetzt alles OK war, weil auch ich noch eine dicke Fahrt erwischt hatte. Und mehr noch: Jetzt war ich wohl der einzige Taxler, der jemals innerhalb von dreißig Minuten zwei Fahrten von Tampere nach Vaasa angeboten bekommen hatte!

6. Oktober 2010

Grüße von der Spitze der Welt! Wie allgemein bekannt, ist Finnland  das beste Land der Welt. Das weiß mittlerweile auch die US-Zeitschrift Newsweek, das uns die Bestnote gegeben hat, vor allem wegen unseres überlegenden Schulsystems. Was geht das denn mich an? Na ja, ich hatte die Ehre, eine vierte Klasse einer unserer weltbesten Schulen in das neue Schuljahr zu leiten, als ich zwei Monate lang als stellvertrendender Klassenlehrer vor den Kindern stand.

Aber die ganze Zeit dachte ich mir, dass irgendetwas stimmt in unserem Paradies nicht. Zwar sind wir gebildet, leben in einem ausgeprägt sicheren und wunderschönen Land, aber saufen (der Pro-Kopf-Konsum reinen Alkohols liegt bei mehr als 10 Litern) und  sterben massenweise durch Gewalttaten, während die glücklichsten Menschen der Welt in Dänemark leben.Was geschieht mit uns eigentlich, und warum?

Taxi habe ich gefahren wie gewöhnlich, wobei ich einmal feststellte, dass das olle Funkgerät doch genial ist. Bestellungen und alles laufen heute über Datafunk, aber der alte Funk ist manchmal sehr nützlich, vor allem wenn man nich weiß, wo was liegt oder was  in der Stadt so läuft. Man kan jederzeit Kollegen fragen und die helfen immer  gerne. In der Samstagnacht fragte ich sie beispielsweise über Funk, ob eine Massenheiratsveranstaltung (rund sechzig Paare haben in einer Kirche währed einer Nacht geheiratet) in dieser Nacht stattfand. Sofort kam die Antwort:

Kollege 1: -Nee, das war bereits gestern. Bist zu spät.

Ich: -Schade.

Kollege 2: - Aber wenn du deine Braut noch ein Jahr warmhalten kannst, wird die Heiratsnacht nächstes Jahr wieder stattfinden.

Kollege 3: -Richtig, im Juni, das hat die Gemeinde bereits bekanntgegeben.

Ich: - Okey, werde ich mir merken.

Nach einer kurzen Pause meldete sich noch eine dunkle Stimme zu Wort:

Ich würde mir das Ganze noch mal überlegen...

31. Juli 2010

Unser Fujitsu-Siemens PC hat erneut den Geist aufgegeben. Ich bin nun nicht sicher, ob die Garantie noch gültig ist und ich ihn auf Kosten des Händlers reparieren lassen kann. Muss ich mal nachschauen. Wie auch immer, einige Fotos, die ich hier hochladen wollte, sind momentan nicht zu haben. Schade eigentlich. Aber wir haben noch einen Laptop, was mein Bloggen ermöglicht. Aber dazu muss ich mich erst mal zwingen, was offenbar zur Zeit der Fall ist.

Lange Touren, die man woanders als am Uniklinikum erwischt, sind immer etwas Besonderes. Patientenfahrten, wie lange auch immer, sind irgendwie "business as usual", dafür steht man doch da am Stand, stundenlang  manchmal. Vor ein paar Wochen aber stand ich am Freitagabend gegen halb acht am Stand 24, als ein dicker BMW vor meinen Wagen fuhr und ein Angehöriger der Sinti und Roma aus ihm ausstieg und direkt zu mir kam. Er öffnete die Hintertür, setzte eine Plastiktüte auf den Rücksitz, setzte sich selbst auf den Beifahrersitz und fragte mich:

- Wieviel kostet es von hier nach Seinäjoki?
- Von hier nach Seinäjoki kostet es 250 Euro.
- Eine Pause mitgerechnet?
- Von mir aus.
- Dann fahr los! Willst du dein Geld gleich haben?
- Ja,gerne.

Ich bin kein Rassist, aber mit Sinti und Roma haben Taxen mehr als genug Probleme gehabt und wenn sie vorauszahlen wollen, nimmt man das Geld besser sofort an. Mein Fahrgast holte ein dickes Haufen Geldscheine aus seiner Vordertasche raus und zahlte mir die volle Summe mit fünf Fünfzig-Euro-Scheinen bar auf die Hand. Wir fuhren los. Als wir bei Ikaalinen waren, rufte ihn seine Frau an. Er sagte er sei schon auf dem Weg nach Hause (nachdem er zwei Wochen unterwegs gewesen war):

-Na, mit dem Taxi. Ist doch klar. Ja was denn? Der Zug hätte ja auch fast sechzig Euro gekostet!

Es wurde still am anderen Ende der Leitung. Aber ja, das ist so ihre Stil, der Sinti und Roma, zumindest hier bei uns: Geld ist zum Ausgeben da. Als er noch mit seinem Sohn telefonierte, waren sie beide der Meinung, dass die Fahrt gar nicht so teurer war. An einer Tankstelle in Parkano lud er mich zum Kaffee ein und in Seinäjoki schüttelten wir uns noch die Hände und wünschten uns gegenseitig alles Gute. Ein sympatischer Fahrgast.

Die ungeheure Hitzewelle ist vorerst vorüber. Es ist bewölkt mit schauerartigem Regen und örtlichen Gewittern. Super!

12. Juni 2010

Taxi-Hochsaison voll im Gange seit einer Woche. Gestern Nacht hat es zusätzlich noch geregnet wie im Urwald, was dafür sorgte, dass alle rund 350 Taxen der Stadt pausenlos fahren durften. Es war wirklich nicht einfach ein Taxi zu bekommen. Und trotzdem sind eine junge Dame und ihre Begleiter auf die Idee gekommen, mir einen Festpreisangebot zu machen. Ich antwortete, dass es momentan soviel Nachfrage gibt, dass ich mir Gerede dieser Art eigentlich gar nicht anhören muss. Darauf meinte sie, dass es doch genug Kundschaft geben würde während der Nacht und eine kleine Ermäßigung würde niemanden schaden. Also, ich bin einigermaßen links und stimme nicht mit allen elementaren Regeln der modernen Marktwirtschaft überein, überhaupt nicht, aber sowas von Dummes hatte ich noch nie gehört! Hatten sie noch nicht vom Preismechanismus Angebot und Nachfrage gehört?

Und damit kommen wir zu dem eigentlichen Punkt: Ich bin ein fester Befürwörter der durch Verordnung festgelegten Preise. Es liegt im Interesse von uns allen, dass der Preis einer Taxifahrt jedesmal dergleiche ist und nicht von irgenwelchen Umständen oder gar von Lust und Laune des Fahrers oder der Fahrgäste abhängig gemacht wird. Wenn es um eine wirklich dicke Fahrt geht, und die Rede von Hunderten ist, dann ist vielleich ein wenig Verhandlungsraum da, aber ansonsten fahre ich nach dem Taxameter, danke schön! Schließlich geht es ja um mein Entgeld. Alle Ermäßigungen sind von meinem Lohn weg, und zu einer Lohnerniedrigung bin ich grundsätzlich nicht bereit.

31. Mai 2010

16 Tage noch bis zum Urlaub! Ich zähle die Tage und überlege langsam, was ich alles mitnehmen soll. Lachsfischen mit der Fliege ist eine Krankheit. Und wer angesteckt ist, bleibt auch krank. Irgenwann merkt man, dass im Schrank Dutzende von Ruten und Rollen liegen, über deren angebliche Notwendigkeit die Frau kein Wort mehr hören will; es hängen Wathosen und -jacken in Wert von mehrere hundert Euro herum, Vereinsmitgliedschaften, die Zeit in Anspruch nehmen, gehören eventuell auch dazu, und dann kommt noch das Fischen selbst, was auch Geld kostet und den Betroffenen Tausende von Kilometern im Jahr reisen lässt. Was meinen Sie, wieviel ein Kilo Lachs kostet, das mit der Fliege gefischt worden ist? Aber darauf kommt es ja gar nicht an. Über meine Krankheit sag ich nur noch dies: Je schwerer die Symptome, desto glücklicher der Patient!

Einige bekannte Altrocker frequentieren in der Stadt in diesem Sommer. Letzte Woche spielte Bryan Adams im Stadion in Ratina, morgen treten AC/DC auf und in zwei Wochen sind auf dem Sauna Open Air Metal Festival u.a. KISS, DANZIG und RATT dran. Auch das Schuljahr endet am kommenden Wochenende. Alles absolute Hochsaison für Taxen.

27. Mai 2010

Mit einer Zahlungsverpflichtung der Bahn samt einer Einwegkreditkarte wird der Kunde mit dem Taxi ans Ziel befördert, wenn die Bahn dazu nicht im Stande ist. Beide bekommt man im Notfall vom Schaffner. Das Streichholz auf dem Namen des Kundes demonstriert, wie geschickt ich mit dem Computer umgehen kann.

Immer wieder werden im Taxi dem Fahrer die folgenden drei klassischen Fragen gestellt:

-Bist du der Chef oder der Fahrer?
-Hat es bereits viele Fahrten gegeben heute?
-Diesel oder Benziner?

Neulich fragten mich aber zwei junge Damen, was ich während der Schicht esse. Das war schon eine überraschende Frage, ein kräftiger Schlag in den Bauch, sozusagen, denn ich muss zugeben, dass ich auf der Arbeit immer etwas Ungesundes wie Pizza, Hot Dogs, Döner usw. esse. Und die dramatischen Folgen dessen habe ich bereits zu spüren bekommen: seitdem ich Taxi fahre, in 18 Monaten also, habe ich fast 10 Kilo zugenommen! Und das hat sich natürlich alles an meinem Bauch gelagert, wie denn sonst. Ich muss nun wirklich eiligst etwas dagegen unternehmen!

21. Mai 2010

Die finnische Bahn hat momentan starke Probleme mit der Pünktlichkeit. Jeden Tag werden Dutzende von Fahrgästen der Bahn mit Taxen an die Zielorte befördert. Gestern, zum Beispiel, waren Tampereer Taxen in Jyväskylä, Turku und Pori. Ich war leider nicht einer von denen. Mal sehen, ob es heute klappt. Das Wetter bleibt sommerlich warm noch für zwei Tage. Danach soll es kühler werden mit Temperaturen zwischen 14 und 17 Grad, was eher normal um diese Jahreszeit ist.

17. Mai 2010



Es hat ganz schön gebrannt bei mir um die Ecke. Erhebliche Brandschaden sind entstanden als der Dachboden des Commerce-Hauses, eines der ersten der zahlreichen Tampereer Jugendstilbauten aus dem Jahre 1899, am Freitag in Flammen aufging. Es war ein hartnäckiker Brand, der zwanzig Feuerwehreinheiten für 10 Stunden im Atem hielte.
Das Wetter: Der Sommer ist da! Für die kommenden Tage sagt man für die Region Temperaturen zwischen 23 und 25 Grad, sonnige Abschnitte und gelegentlich Schauer vorher. In Tampere geht die Sonne um 4:41 Uhr auf und 22:13 Uhr unter. In Utsjoki geht die Sonne um 1:27 Uhr auf und um 0:49 Uhr unter. Es dämmert also für ganze 38 Minuten! Ich werde am 17. Juni hochfahren und bleibe dort dieses Mal für neun Tage. Das steht jetzt fest.
Ich habe zwei Jungs und eine Tochter und es macht schon Spaß zu beobachten, wie sie wachsen. Neulich im Badezimmer:
Sohn (5 Jahre): Mutti, komm mal her!
Sie geht zu ihm und fragt was nun ist.
Er: So, jetzt wenn du da bist, kannst du bitte mein Badetuch vom Boden aufheben und dort aufhängen?
Mannomann, woher kann er das gelernt haben? Nein... Nicht doch... Oder?

15. Mai 2010

Selten begegnet man noch Tankstellen in Finnland, die auch andere Dienstleistungen anbieten als nur Kraftstoff und Bier. Aber in Luhalahti hinter Ikaalinen kann man auch noch sein Auto reparieren lassen. Auf Finnisch heißt Tankstelle "huoltoasema" - Wartungsstation etwa, weil früher eben alle anfälligen Reparaturarbeiten an einem Fahrzeug an der Tanke beseitigt wurden. Heute haben sie nur Bier und Zigaretten. "City" ist vielleicht ein wenig übertrieben für eine provinzielle Ortschaft von zweihundert Leuten.
Turkuer Dom
Am Bahnhof in Seinäjoki. Nein, die Ordnungsnummer meines Wagens ist nicht 3. Aber es brennt schon, der Wagen gehört der Gruppe drei an.
Vor der Chirurgischen Klinik in Helsinki. Blut- oder Zellenprobe angeliefert vor einer Transplatation.
Tja, es war wieder mal eine tolle Woche. Am Wochenende hatte ich frei, dennoch habe ich gutes Geld verdient, da die Tagesschichten rundum bestens abliefen. Aber. Ich habe ein Verbrechen begangen. Ich gestehe es offen. Bei Personenbeförderung liegt der Merhwertsteuer bei 8% und bei Güterlieferungen ist er 22%. Den richtigen Steueransatz kann man an dem Touchscreen nach der Fahrt wählen, falls nötig. Und ich hatte das nötig, nach dem ich ein Päckchen an die Chirurgische Klinik in Helsinki angeliefert hatte. Nur, ich habe es vergessen! 31 € ist am Fiskus vorbeigegangen wegen meines unprofessionellen Handelns. Welch ein Glück, dass die großen Firmen hierzulande alle ihre Steuern zahlen! Es ist durchaus möglich, dass ich ohne schwere Folgen davonkomme und der Fiskus mich in Ruhe lässt.

Mein Chef und ich haben uns darüber geeinigt, dass ich mein Lohn gleich nach der Schicht von Kasse abrechnen kann. Er kümmert sich dann um die Abgaben. Im Prinzip ist das gut und sorgt dafür, dass ich immer flüssig bin. Das Problem ist nur das, dass es oft nicht genug Bargeld gibt in der Kasse für einen Großverdiener wie mich. Die langen Touren, nach den ich tagsüber auf der Jagd bin, werden auf Rechnung gefahren. Und in Finnland tendiert man auch immer mehr dazu, mit der Karte zu zahlen. Im finnischen Taxi gibt es also kaum Bargeld, das von Fahrer oder von Räuber mitgenommen werden kann. Ich bekomme die fehlende Summe dann immer ein paar Tage später auf mein Konto überwiesen.

6. Mai 2010

Es war tote Hose hier für eine Weile. Aber jetzt bin ich wieder da: Das Frühjahrsemester an der Uni gehört der Vergangenheit an, Dank der sich immer vertiefenden Rezession und der annährenden Ferienzeit der Schulen wird es auch nicht viele Lehrervertretungen geben, und somit ist bis Anfang September die Bahn frei für ganztägiges Taxifahen und Bloggen.
Mein Chef plant demnächst ein Autogeschäft abzuschließen. Der E-Klasse Mercedes ist jetzt drei Jahre alt mit einer Gesamtlaufleistung von 312 000 Kilometern. Hunderttausend im Jahr ist das, was die Tampereer Taxen im Durchschnitt fahren. Mich fragte der Alte, ob er nicht einen Huyndai kaufen sollte, die sind ja sehr preisgünstig, worauf ich antwortete, dass sein Huyndai mit einem Fahrer kommen soll, denn ich werde mit ihm keinen Stück fahren.
Meine Superwoche endete noch mit einer Fahrt nach Raisio bei Turku. Ein Stockbesoffener stieg am Stand 4 kurz nach Mitternacht ein und bot mir einen Festpreis von 200€ im Voraus an, wenn ich ihn nach Hause fahren würde. Ich nahm sein Angebot an auch wenn ich dabei 20-25 € verloren habe. Aber meine Einkommen sind "Peanuts" im Vergleich zu dem, was wenigstens ein deutscher Kollege neulich verdient hat. Als vor ein paar Wochen der isländische Vulkan den Luftverkehr lahmlegte, tauchte plötzlich bei uns im Fernsehen eine Gruppe von Finnen auf, die emotionslos der Kamera erzählten, wie sie rund 3000 € für eine Taxifahrt von Düsseldorf nach Stockholm bezahlt hatten. Also, herzlichen Glückwunsch nach Düsseldorf!
Vorgestern erzählte mir ein Kollege am Stand 2 von einer Frau, die er nach Pälkäne gefahren hatte. Kurz vor dem Ziel hat sie dann gefragt, ob er nicht eine Rechnung schreiben wolle für die rund 65 Euro Fahrt.

- Stell dir das mal vor! Eine Rechnung, Mitten im Nichts um halb fünf morgens! Für wie blöd hat sie mich eigentlich gehalten? Und sie hatte noch Geld. Als ich mich verweigert habe, hat sie mir von ihrem Haus hundertfünfzig Euro geholt. Auf Rechnung fahren... Mensch, ich hasse Leute mit neu-griechischer Einstellung dieser Art!

10. März 2010

Ich weiß, es ist manchmal recht ärgerlich, wenn Kollegen von ihren Supertouren und Superkassen erzählen, aber am Montag wurde es geradezu absurd bei mir, und ich muss einfach die folgende Tour allen zur Kenntnis bringen: Uniklinik Tampere - Uniklinik Oulu Beginn: 9:53 Strecke: 483,10 Kilometer Dauer: 403,10 Minuten Taksa1: 692,50€ Füge später noch ein Bild hinzu als Beweis. Habe eine Asylbewerberin und ihr Baby auf Rechnung der Uniklinik Tampere zur Ouluer Uniklinik gefahren. Es wurde ein lukrativer aber langer Tag. Erst gegen 23 Uhr war ich wieder zu Hause, hatte zwei Touren gemacht mit einer Gesamtkasse von 702€. Als wäre das nicht genug gewesen, fuhr ich gestern noch am selben Tag einmal nach Ikaalinen (75€) und einmal zum Mänttäer Krankenhaus (115€).

1. März 2010



In Finnland hat man keine Umweltzonen eingeführt und der Diesel kostet rund 1,05 € pro Liter, wesentlich wenigier als das Benzin, dessen Preis momentan bei 1,37 liegt. Grund genug für mich unseren alten Benziner lozuwerden und einen in unseren Verhältnissen preiswerten S124 E300TD Bj. -94 aus Deutschland zu holen. Am Montag, den 22. Februar bin ich nach Hahn geflogen, am Dienstagvormittag habe ich meine Rückfahrt begonnen und am Mittwoch gegen 22 Uhr deutsche Zeit bin ich in Tampere angekommen, nach 1700 Kilometern intesiven Fahrens. Das Bild verrät, in welcher Ecke des Landes der Wagen sich befand. Die Ausfuhrkennzeichen hat mir die Kfz-Zulassungsstelle Kusel ausgegeben.
Von Google Street View redet die ganze Welt. Einige Kollegen hat's auch erwischt. Einfach Rautatienkatu 14 Tampere in Google Map eingeben und das Street View-Bild drehen und einzoomen bis man Taxler sieht, die am Bahnhof das schöne Wetter genießen.

1. Februar 2010

Im Januar habe ich relativ wenig gearbeitet. Erstens ist Januar ein harter Monat für die Taxen, weil alle nach der intensiven Partyzeit, die von der Mitte November bis zur Silvester-Nacht dauert, pleite sind, und zweitens weil ich selbst studienmäßig einiges zu erledigen hatte. In sieben Tagen bzw. Nächten bin ich Taxi gefahren und dabei sind rund 700 € netto rausgesprungen. Irre, was? Oder auch nicht. Sieht man sich den Stadtplan Tamperes an, merkt man, dass die Stadt wie eine waagerechte Sanduhr ist. Büros, Restaurants, Theater, Kneipen etc., sowie der Hauptbahnhof und der Omnibusbahnhof sind im Zentrum, auf einer Landenge zwischen dem See Näsijärvi und dem See Pyhäjärvi. Aber man wohnt gerne in den Wohngebieten weiter weg, oder gar in den Kommunen rundum, in Kangasala, Ylöjärvi und Lempäälä. Will man dann ausgehen, heißt es, man nimmt ein Taxi, wenn nicht gleich auf dem Hinweg, dann wenigstens für den Rückweg, umso kälter es ist, desto sicherer. Eine Tour kostet durchschnittlich 20 €, das mal zwanzig Touren macht vierhundert Euro, eine völlig normale Kasse für die Samstagnacht. Tagsüber werden auf Kosten der Stadt Senioren, Behinderte und Schulkinder befördert und das riesige Univertsitätsklinikum Tampere beschäftigt Taxen auch enorm viel. Von dort bekommt man manchmal unglaubliche Fahrten.

Taxigewerbe wird natürlich auch reguliert. Nicht jeder darf hier Taxi fahren. Momentan sind es etwa 350 Taxen in Tampere, und ich bin der Ansicht, dass das genügt. Wären es weniger, gebe Ärger Seiten der Kundschaft (klar, es gibt immer welche, die meinen, sie müssten ein Taxi auf der Stelle und zum Nulltarif bekommen können, aber das sind wirklich nicht viele); gäbe es wiederum viel mehr Taxen, würde das Leistungsniveau sinken. Hier sind Taxen nagelneu, es wird ohne Schwindel nach dem Taxameter gefahren und vor allem, man kann von diesem Job leben und seine Abgaben zahlen, was eine positive Wirkung auf das Ganze hat, sowie in persönlicher als auch in sozialer Hinsicht. Und ich verdiene einigermaßen gut auch deshalb, weil ich ein verdammter Glückspilz bin. Das habt ihr sicherlich schon gesehen. Aber ihr wisst ja auch: Glück muss man verdienen. Und ich habe schnell gelernt, was sich in der Tampereer Taxiwelt lohnt und was eben nicht.

28. Januar 2010

Ein Mann und eine Frau, 25-30 Jahre, steigen am Bahnhof ein. Sie sind kein Paar, nur miteinander befreundet. Die Fahrt geht über Haapalinna nach Lentävänniemi. Der Mann erzählt, dass seine Freundin möglicherweise schwanger ist. Sie ist immer noch sehr jung, aber er findet das trotzdem okey. Er würde sich sogar freuen über das Baby. Dann folgt etwas, was eigentlich etwas Grundlegendes über die Bedeutung des Mannes im Leben der finnischen Frauen aussagt:

Er: So, wie geht es mit dir und Väinö?

Sie: Naja, wir haben auch über das Thema Kind gesprochen. Er will noch kein Kind. Er will noch seine Freiheit behalten. Welche Freiheit denn, frage ich nur. Jeden Tag nach der Arbeit geht er zum Gym, zweimal im Monat besäuft er sich, ansonsten ist er nur zu Hause. Was soll er da groß verlieren? Aber wenn ich irgendwann ein Kind haben will, und er nicht, bin ich mir sicher, dass ich jemanden finde, der das mit mir macht. Und dann heißt es: Tschüss, Väinö!

Wir kommen in Aapelinraitti an. Sie steigt aus. Der junge Herr fährt weiter.

Er: So, hört man sowas oft im Taxi?

Ich: Im Taxi hört man allerlei Geschichten.

Er: Und jetzt?

Ich: Darf ich meine Persönliche Meinung sagen?

Er: Klar.

Ich: Für Väinö läuft der Countdown schon.

Er: Ja, das glaube ich auch. Zwar ist er mein bester Freund, aber ich bin der gleichen Meinung wie du.

Seit einer Woche geht die Sonne in Utsjoki wieder auf . Und der Tag hat sich auf 4 Stunden und 13 Minuten verlängert. In Tampere ist es weiterhin kalt heute, um die - 20 Grad. Der Tag hat eine Länge von 7 Stunden 21 Minuten. Ja und? Mensch, der Frühling steht ja doch bald vor der Tür!

10. Januar 2010

Am Freitag hat die Dauerkälte den Zugverkehr zwischen dem Tampereer Hbf. und dem Turkuer Hafen lahmgelegt. Aber mit einem Diesel-Mercedes ist man rechtzeitig angekommen, auf Kosten der finnischen Bahn, versteht sich.
In der Nacht zum Sonntag ist die Temperatur von -23 Grad auf -15 Grad gestiegen, was auch die Luftfeuchtigkeit erhöht hat. So sah der Mercedes-Stern auf der Motorhaube nach einer 12-stündigen Schicht aus.

31. Dezember 2009

Das Jahr 2009 hat heute ein böses Ende genommen in Form von einer Schießerei. Ein Kosovo-Albaner namens Ibraham Shkupolli hat seine finnische Ex-Freundin und ihre vier Kollegen mit einer 9-Millimeter-Pistole in einem Kaufhof in Espoo erschossen und zum Schluss sich selbst getötet.

21. Dezember 2009

Klein aber fein: das Gemeindehaus von Ruovesi.

Am Samstag durfte ich wieder die Eltern meines Nachbars nach Ruovesi fahren. Unspektakuläre 36 Stunden gearbeitet am Wochenende, von den Touren nach Ruovesi und Kuru abgesehen. Beide brachten 100 € ein. Die Partyzeit ist nun vorüber, und es heißt erstmal 'Frohe Weihnachten' für ein paar Tage. Aber die Silvesternacht steht ja noch bevor und ich schätze mal, dass das Trainieren dafür gleich am 26.12. beginnen wird. Schönes Winterwetter mit mehr Schnee und Temperaturen zwischen -13 und -17 Grad ist für die kommende Woche vorausgesagt. Herrlich! Und wie man in den Nachrichten so hört, haben auch unsere mitteleuropäische Mitbürger eine Kostprobe von einem wahren, weißen Winter bekommen.