28. September 2012

Kreuzung Vaasantie/Mustajärventie in der Nähe der Gemeindegrenze zwischen Parkano und Jalasjärvi


Wer lange Touren ungerne fährt (solche Fahrer gibt es auch), hätte meine Schicht gestern nicht gemocht: Orivesi, 69 €; Vammala, 87€ und gleich nochmal Vammala, 90€; und zu guter Letzt Seinäjoki, 281,90€.

Am 23. Juni, als Juhannus, Mittsommerfest gefeiert wurde, kamen auf dem Kreuzung im Foto zwei Menschen ums Leben und ein weiterer wurde schwer verletzt, als ein Krankenwagen, der im Einsatz war, das Mopedauto zweier Jugendlicher, das von Mustajärventie auf Vaasantie kam, mit Tempo 150 anfuhr. Die Jugendlichen kamen sofort ums Leben und der Fahrer des Rettungswagens wurde schwer verletzt. Das Sommerhaus von den Eltern der Mutter meiner Kinder (boah, es wird langsam kompliziert!) ist keine zwei Kilomerter von der Stelle entfernt. Wir hörten die Alarmfahrzeuge, und als wir in Nachrichten vom Unfall erfuhren, sank die Stimmung schon in den Keller. Für die Eltern und fürs Dorf war das ein harter Schlag. Drei Monate später brennt an der Kreuzung Nachts immer noch eine Kerze.

22. September 2012

Gestern um Mitternacht war ich erster in Koskikatu, als ein leicht angetrunkener Herr herankam. Er hatte einen Rucksack und eine Plastiktüte bei sich, kam von einer Firmenparty und wollte nun mit seinen Kollegen weiterfeiern. Aber die Wechselklamotten im Rucksack und in der Plastiktüte mussten zuerst entsorgt werden. Für diesen Zweck war Taxi bestens geeignet.
"In der X-Str. 2 steht ein Nissan mit der Nummernschild YYY-111. Fährst du bitte meinen Gear dorthin und setzt ihn einfach mal neben das Auto? Sind 25 € OK?"
25 € waren völlig in Ordnung. Er bezahlte im Voraus und gab mir seine Visitenkarte für den Fall, das Geld würde dann doch nicht reichen. Sollte es weniger werden, dürfte ich den Rest behalten. Ich fuhr los. Am Ziel tat ich wie gebeten und machte die Uhr bei 20,80€ aus. Auftrag erledigt.

19. September 2012

Frage: Wie ist das Frühstück eines finnischen Geschäftsmannes in Tallinn? Antwort: Burana 400 und Irina 500. Mit Burana 400 ist eine Kopfschmerztablette gemeint und mit Irina - hmm, ich sag's lieber nicht, ihr könnt euch das schon denken.

Die Schriftstellerin Sofi Oksanen (die hatte ich übrigens schon mal an Board), deren Mutter aus Estland und Vater aus Finnland stammt, schreibt über die estischen Frauen und ihr Leiden während des 2. Weltkriegs und den Sowjetzeiten. Sie hat sich inzwischen wirklich einen Namen gemacht. Aber sie hat leider den Esten wieder eine Opferrolle zugewiesen, was wenig zu der Tatsache tut, dass bei uns die Esten nicht besonderes beliebt sind.

Die Haltung der Esten ist eine Mischung vom Opfersein, aus den Sowjetzeiten stammende Ist-mir-egal-es-gehört-doch-alles-dem-Staat-Mentalität und Überlebenskamfp in einer neoliberalistischen Dschungel-Gesellschaft, die in den 1990ern die marode Planwirtschaft ersetzte. Was aber in den beiden Wirtschaftsmodellen zu der hohen Kunst des Überlebens gehörte, war und ist das Verarschen der höheren Instanzen, denen man irgendwelche Unterdrückung vorwerfen konnte. Das haben alle, die aus dem ehemaligen Ostblock stammen, gemeinsam. Sofern sind sie alle immer noch "Sowjets". So behaupten zumindest viele Finnen. Opfer, die Null Verantwortung tragen und immer versuchen, alle zu verarschen.

Besonderes gerne verarschen die Esten uns Finnen, wohl wegen unseres sehr viel höheren Lebensstandards und der extrem arroganten Haltung dem feinen Brudervölkchen gegenüber. Auf Baustellen wird gefutscht, unsere Gesetze werden auf keiner Weise respektiert, Schwarzarbeit, Drogenhandel, Nutten, etc.

Und was macht der anständige Finne? Er bildet sich ein, was Feineres zu sein, nur weil er mehr Geld hat, und so gründet er Tochtergesellschaften in Steueroase Estland, verlegt Produktion dorthin und beutet die billige Arbeitskraft endlos aus, finanziert die Drogenhandel und Prostitution, und in Tallinn besäuft und benimmt er sich wie ein Tier und beschimpft zu guter Letzt noch die angeblich dummen Esten. 

Das, was die Menschen auf beiden Seiten des Finnischen Meeresbusens im Alltag erleben, ist etwas völlig anderes als das, was in der Öffentlichkeit gesagt wird. Ich fürchte, mit der andauernden Krise in Europa, wo das Geld nun neu verteilt werden muss, verschärft sich der Ton zwischen den Esten und den Finnen. 

Schade eigentlich.

13. September 2012

Heute zum ersten Mal seit Ende Mai in der Uni. In der Bücherei fand ich ein in gewisser Hinsicht relevantes Buch im Regal stehen, von dem ich gedacht hatte, es wäre in bessere Verwaltung gekommen. Aber sieh an! Da stand es. Ich war verblüfft. Dieses Buch gehörte einmal mir, ich hatte es mir erworben, aber ich wäre eigentlich froh gewesen, wenn ich es heute nicht gefunden hätte. Jetzt steht es wieder bei mir im Regal, dieses Buch, mit dem ich nun irgendwie gar nichts mehr anzufangen weiß.

Ich muss bald ein halbes Dutzend Essays abgeben, und dann gibt es noch den Rest von dem Magister. Ab nächster Woche dreht sich mein Leben um Unibibliothek, Mikrofilmarchiv, Taxifahren und Bett. Klingt wirklich sehr verlockend, nicht wahr?

10. September 2012

Des Chefs neuer Mercedes in Kuortane. Das Bettellicht wird wohl noch durch ein finnisches ersetzt.


Die erste Tour am Freitag ging vom Bahnhof in Tampellan esplanadi 7. Der Fahrgast war ein Student, der Billigwein in einer Plastiktüte hatte und auf Party ging. Versprochen war versprochen, und ich fuhr ihn gratis ans Ziel. Ich erzählte ihm auch warum. Diese vorgetäuschte Großzügigkeit eines Geiers hat anscheinend Frau Fortuna gut gefallen, denn heute gönnte sie mir eine hübsche Fahrt im Wert von 278,50 € nach Alajärvi

Ich wollte eigentlich in dieser Woche gar nicht arbeiten. Aber ihr wisst ja, wie es ab und an mal ist: "Money talks and bullshit walks." Ich habe eine Wohnung gefunden und brauche zusätzliches Geld für die Kaution. Also werde ich in dieser und in kommender Woche mehr fahren als ich ursprünglich plante. Die Bude darf ich bald auch besichtigen, hoffe ich jedenfalls.

5. September 2012


View Zielorte in a larger map


Ich habe heute die letzte Schicht mit dem alten w211 gefahren, der den Kilometerstand von 552 400 erreichte. Wertarbeit die Kiste, muss man schon sagen. Es gab nie irgendwelche Probleme. Aber jetzt ist der neue E-Klasse Mercedes endlich da und ich darf ihn in Betrieb nehmen am Freitag. Der Chef ist ein dermaßen bescheidener Mensch, dass er das selbst nicht tun will. Um das Glück für den neuen Wagen zu versichern, werde ich den ersten Kunden umsonst fahren, das macht man tradiotionell hier. Nein, natürlich nicht vom Uniklinikum aus, aber immerhin. 


Ich hoffe, dass der neue Wagen genau so viel Glück hat wie der alte. Wo ich mit dem alten überall schon mal war, habe ich auf die Landkarte markiert. Ich habe aus der Erinnerung nur Orte hinzugefügt, die so weit waren, dass der Betrag zumindest ein Mal höher als 80 € war. Deshalb fehlen da z.B. Kangasala, Ylöjärvi Nokia und Hämeenkyrö. Wieviele Male ich am jeweiligen Ort ungefähr war, ist in der Text-Sektion.



4. September 2012

Virrat:

Beginn: 12:49 Uhr
Strecke: 114 Kilometer
Grundgebühr: 5,70 €
Taxa1: 172,20 €
Wartezeit (Apotheke): 14 €
Insgesamt: 191,90 €
Dauer: 109 Minuten, 4 Sekunden
Ende: 14:36 Uhr


Was das Benutzen von Bargeld angeht, lebt man in Mitteleuropa und in den nördlichen Ländern in völlig unterschiedlichen Welten. Wenn man sich beispielsweise in Österreich wagt, mir, dem König Kundenvorzuschlagen, Bares aus dem Geldautomaten zu heben, damit bei der Begleichung der Rechnung möglichst wenig Kosten zu Last des Hotels kämen, wäre bei uns sogar ein kleines Geschäft, wie z.B. ein Kiosk, ohne einen Kartenleser undenkbar. Es würde nicht von heute auf morgen überleben, denn die Menschen würden dorthin gehen, wo der Service stimmt. Zum guten Service gehört das Leben des Kunden möglichst bequem zu machen und nicht das allerwichtigste in der Kaufhandlung, nämlich die freiwillige Übergabe der abgemachten Summe, zu behindern. Das ist nur dumm. Ein entspannter Kunde mit guter Stimmung macht auch Geld locker.

Man kann das Ignorieren von Bargeld auch zu weit treiben. Genau das hat meines Achtens meine Bank getan. Die Filialen von Nordea Bank nehmen landesweit Bargeld nur von 10 bis 13 Uhr entgegen. Alle tun nicht einmal das. In Tampere gibt es nur zwei oder drei Filialen, die überhaupt Bargeld annehmen und von denen nur eine den ganzen Tag lang von 7:30 bis 17:30 Uhr. Und dabei soll es sich um ein GELDinstitut handeln!


Heute in Virrat musste ich unbedingt Bargeld loswerden. Blöderweise hatten sie keinen Kassendienst mehr, denn es war fast schon 15 Uhr. Aber eine der Damen war so nett, dass sie die Vorschriften ihres Arbeitgebers für einen Moment bei Seite ließ und ich durfte 200 € auf mein Konto einzahlen. Für sowas muss man im heutigen Finnland dankbar sein. Unglaublich!

2. September 2012



Herrn Murphy kennt ihr alle? Ich auch. Obwohl ich gestern versuchte, im Stadtgebiet zu bleiben, steuerte ich den Mercedes in frühen Morgenstunden durch den Regen Richtung Pälkäne. Es war dunkel, wie man es in der Stadt gar nicht kennt, und das Licht von den Scheinwerfern wurde von der nassen und schwarzen Straße gefressen. Das Fernlicht half auch wenig, weil es so heftig regnete, dass eine weiße Wand vor meinen Augen entstand, sobald ich das Fernlicht einschaltete. Super, dachte ich mir, es fehlt nuch noch der Elch.

Aber was konnte ich machen? Die drei Herren waren am Bahnhof bei mir eingestiegen und ihr Ziel mit einem Wort angegeben:
"Pälkäne."
Da sie nicht versucht hatten, den Preis herunterzuhandeln und ich hatte das Gefühl bekommen, sie seien anständige, zahlungskräftige Bürger, hatte ich keinen Grund gehabt, mich zu verweigern. Also fuhr ich sie nach Pälkäne. Um sonst brauchte ich das natürlich nicht machen. Am Ende wurde daraus eine Fahrt von 77 €, was meinen Umsatz in die Höhe trieb, und als ich um halb sechs Schluss machte, war ich 387 Kilometer verfahren und hatte dabei 538,40 € verdient - ohne einen Elch angefahren zu haben.

Eine Kuriosität passierte gestern auch noch. Ich fuhr einen jungen Herren in Pellervonkatu 24. Vor dem Hochhaus bezahlte er und stieg aus. Und im gleichen Moment kam ein Auftrag über den Datafunk durch: Pellervonkatu 24. Im Prinzip wäre es erlaubt gewesen, die Uhr gleich anzumachen, aber da ich wusste, die Kundschaft ginge davon aus, es würde eine Weile dauern, bevor ein Auto da wäre, wartete ich, bis sie aus dem Haus kamen und bei mir einstiegen, und startete den Taxameter erst dann. Mensch, ich bin so ein netter Kerl manchmal!

1. September 2012

                                             




Bei uns gewinnt dieses Verkehrszeichen enorm an Bedeutung im Frühjahr und erneut zu dieser Jahreszeit. Darauf soll wirklich geachtet werden, angenommen man will im Straßenverkehr überleben. 

Die Elche wandern von ihren Winterreviren zu Sommerreviren und wieder zurück. Im Frühjahr verlassen zusätzlich die Jähringskälber ihre Mütter und im Herbst findet die Brunft statt und die Jagd beginnt, was alles dazu beiträgt, dass tausende orientierungslose Tiere über die Straßen laufen. 2011 geschah in Finnland 1195 Unfälle mit Elchen, bei denen 3 Menschen starben und 115 wurden verletzt. Ein Unfall mit einem Elch kann tödlich sein, denn seine Beine sind so lang, dass der Körper recht passend in der gleichen Höhe mit der Frontscheibe ist, wodurch ein 300 Kilo schweres Vieh auch recht fix in die Kabine kommt, wenn man es mit Tempo 100 erwischt.

Mich hat es letztes Jahr beinahe erwischt. Es war dunkel und ich fuhr auf einer Landstraße in Lempäälä als ich plötzlich glaubte, etwas auf der linken Seite gesehen zu haben. Meine sofortige Reaktion war zu bremsen, und in weniger als fünf Meter Entfernung rannte eine riesige Elchkuh an meinem Auto vorbei. Ich musste auf der Straßenseite anhalten, tief einatmen und warten, bis der Adrenalinrausch vorbei war. In 10 Minuten war ich wieder OK und fuhr weiter. 

Auch wenn ich sehr zielbewusst den langen Touren hinterher bin, tue ich das im Frühjahr und im Herbst nur tagsüber. Nachts vermeide ich Uniklinium, denn meine Zukunftspläne sehen ein näheres Kennenlernen mit einem Elch auf einer dunklen Landstraße nicht vor.

31. August 2012


Tampere. Ich bin in Helsinki geboren, und meine Familie zog hierher erst als ich 10 Jahre alt war und in die dritte Klasse kam. Aber hier ging ich größtenteils in die Schule, bekam die ersten lebenslangen Freundschaften und hier habe ich das Abitur gemacht und studiert. Auch nach den Jahren in Berlin war Helsinki, die einzige Großstadt hierzulande, in meinen Augen keine Option, sondern ich kehrte zurück nach Tampere. Hier habe auch Nachwuchs bekommen.

Wenn ich heute gefragt werde, wo ich herkomme, sage ich: aus Tampere. Man weiß ja nie, was im Leben als nächstes passiert, aber zumindest jetzt denke ich, ich werde in Tampere auch bleiben, denn es lässt sich gut leben hier. In Tampere ist das Leben easy und hier fühle ich mich zuhause.

29. August 2012

Kyynärö, Luopioinen. Beginn: 11.34 Uhr; Strecke: 69,90 Km; Dauer: 72 Minuten und 30 Sekunden; Wartezeit: 13 Minuten, 9 €; insgesamt 119,70 €. Hier in der Pause in Rautajärvi.


Virrat. Beginn: 17.12 Uhr; Strecke: 114, 60 Km; Dauer 79 Minuten; Preis: 176,10 €.


Waffenstillstand mit Frau Fortuna: Ich bin gestern und heute wieder raus aus der Stadt gekommen und an beiden Tagen einen ordentlichen Umsatz eingefahren: 324 € und 228 €,  und dabei war die Schicht heute von halb sechs morgens bis halb drei nachmittags, was eigentlich keine vielversprechende Schicht ist, weil sie beginnt, wenn alle noch schlafen und endet, bevor es richtig losgeht in der Stadt (und am Uniklinikum natürlich auch). 

Ein weiteres Thema an beiden Tagen waren Deutsche. Zwei Männer aus einer Bautruppe, die überall in Europa Apple-Geschäfte nach einem bestimmten Muster aufbaut, fuhr ich zur Arbeit gestern und heute. Ein netter Zufall, denn wir hatten nichts ausgemacht, sie hatten ganz einfach Taxi von unserer Zentrale bestellt und beides Mal mich erwischt.


Als ich in Luopioinen im Café Elotähkä beim Kaffee saß, überhörte ich eine deutsche Dame. Unfassbar! Ich meine, ich weiß, dass die Deutschen die reiselustigste Nation der Welt ist, und auch ich bin an den kuriosesten Stellen in Europa auf Deutsch angesprochen worden, aber Rautajärvi in Luopioinen! Respekt. Vielleicht lag es daran, dass das Café von innen viel gemütlicher war als was man von seiner äußeren Erscheinung hätte erwarten können und das Buffet mit Suppe lecker und -vor allem- günstig wirkte...

26. August 2012

Einen Dreck hat Frau Fortuna gestern für mich getan. Wenn nicht, dann eben nicht. Ich änderte meine Strategie, fuhr in die Stadt und machte am Ende Feierabend mit einem  akzeptablen Resultat.

Neil Armstrong ist tot. Ich denke, ihr wisst das schon. Ich stand am Bahnhof als die Nachricht am späten Abend auf Twitter kam. Zu der außerordentlichen Errungensschaft dieses zurückhaltenden Amerikaners kenne ich einen Witz:
"That's one small step for man, one giant leap for mankind."
Nach seinem allerberühmtesten Line hat Armstrong noch was gemurmelt, so behaupten zumindest einige, aber was das war, oder ob er wirklich etwas gesagt hat, blieb lange unklar. Und Armstrog schwieg - bis er dann Jahre später einem Journalisten zugab, er habe tatsächlich noch etwas gesagt:
"Congratulations, Mr Johnson!"
Mr Johnson? Wer ist das denn? Dann sagte der Astronaut: Weil fast alle Beteiligten bereits tot sind, kann ich Ihnen diese Anekdote wohl erzählen. Warum auch nicht? Als ich noch klein war, spielten wir Baseball im Hausgarten von den Eltern eines meines Freundes, als der Ball wieder einmal im Garten Johnsons landete. Ich kroch vorsichtig rüber, um ihn zu holen. Als ich unter den offenen Fenster zum Schlafzimmer gekommen war, überhörte ich wie Frau Johnson zu seinem Mann sagte:
"Du möchtest geblasen werden? Ich werde dich blasen, sicher - wenn der Mensch auf dem Mond steht!"

Wer aufgepasst hat, der hat gemerkt, dass in dem ersten Zitat "man" und "mankind" eigentlich das gleiche bedeuten und der Satz deshalb wenig Sinn macht. Und das sagte Armstrong wortwörtlich am 20. Juli 1969 aus der Entfernung von 385 000 Kilometern von der Erde vor etwa 500 Millionen Fersehzuschauernda ist kein Fehler von meiner Seite aufgetreten. Später sagte er, dass in seinem ursprünglichen, gut durchdachten und mehrere Male geübten Satz "a man" steht, wie es eigentlich heißen soll. 

Die Welt hat ihm verziehen, denn die Umstände waren ja etwas außerordentlich. Also mache ich jetzt daraus auch keine größere Nummer. Aber ich denke, dieses kleines Missglück Armstrongs im entscheidenden Moment erinnert uns schön daran, dass auch in seinem größten Triumph ist der Mensch nicht vollkommen.

Einen wunderschönen Wochenbeginn an alle!

25. August 2012

Es ist okay, wenn ich keine dicken Fahraufträge nicht mal angeboten bekomme, aber wenn sie ablehnen muss, weil eine Kundin sich schon auf die Rückbank hingesetzt hat, das tut weh.Gester wurde mir über den Datafunk eine Tour nach Isojoki angeboten, aber da die Dame bereits ihr Ziel genannt hatte, habe ich mich korrekt verhalten und die Tour von locker 250 € abgelehnt und die Dame nach Korkinmäki gefahren: 17,50 €, bitte schön! Zum Glück hat sie kein Wort über das Wetter gesagt.

Jetzt stehe ich wieder am Uniklinikum und erwarte, dass Frau Fortuna ihren gestrigen Mist wieder gut macht.

24. August 2012

Ich rede manchmal gerne und viel und bin so fern eine Rarität unter den Tampereer Taxlern, von denen die meisten sehr sparsam mit den Worten umgehen. Das bedeutet also, dass es in Tampere einen Fahrer gibt, der immer lächelt und einen, der immer redet. Stellt euch das mal vor! Der reine Horror. Denn beides sind wirklich keine Eigenschaften in einem Taxler, die Zuversicht in der Kundschaft erwecken. Ganz im Gegenteil: Warum quatscht er dauernd? Will er mich ablenken oder was? Und er grinst ja so die ganze Zeit! Ich werde doch verarscht hier! Aussteigen, schnell!

Aber ich sagte ja MANCHMAL. Mittlerweile habe ich es satt mit der geringen Themenauswahl, die derzeit im Taxi zur Sprache kommt: "Guck mal, es regnet wieder!" Und dann geht's los, wie es sooooo kalt über den ganzen Sommer hinweg war und wie es ohne Ende geregnet hat. Und deshalb fühlte sich der Urlaub auch nicht wie ein richtiger Urlaub. Und dann die Griechen - Boah, die Griechen! -die gehören doch alle gegen die Wand. Alle. Und die Spanier auch. Alle. Ist doch unser Geld. Blaa blaa. 

Das zweite Thema begegnet man nicht so oft wie das erste, aber immerhin oft genug.

Es wird mir deshalb immer warm ums Herz, wenn ich heute an einen Fahrgast zurückdenke, den ich vor zwei oder drei Sommern nach Kristiinankaupunki fuhr. Es war eine lange Tour, die fast drei Stunden dauerte, und trotzdem fiel während der Fahrt kein einziges Wort. Nichts. Erst kurz vor dem Ziel sagte er zu mir: 
"Nach links da vorne."
Das war alles. In drei Stunden. Hier oben muss man wirklich ab und an mal Stille ertragen können. Wenn nichts gesagt wird, ist das lange kein Zeichen dafür, dass etwas nicht stimmt. Aber wenn jemand die ganze Zeit ohne einen scheinbaren Grund plaudert, dann fragt man sich garantiert: Was ist das denn für ein Clown? Der ist doch nicht normal. Die Devise lautet heute wie damals: "Reden ist Silber, Schweigen ist Gold".

20. August 2012


Am Samstag gingen zwei Fahrten hinter einander vom Uniklinikum zum Krankenhaus Valkeakoski, beide im Wert von Rund 80 €


... und am Sonntag war ich wieder unterwegs: Nastola, 227 €


Man sagt, Taxen seien gute Wirtschaftsbarometer. Diese Behauptung begründet man oft mit dem Argument, geht es der Wirtschaft gut, haben auch die Taxen mehr Arbeit, weil z.B. Geschäftsleute mehr unterwegs sind, und weil die Bürger Arbeit haben und ihre eigenen finanziellen Aussichten positv einschätzen. Und wenn es der Wirtschaft bergab geht, wird es auch weniger mit dem Taxi gefahren. Logisch.

Nun, was ich dabei besonderes "barometrisch" finde, ist nicht nur das, wieviele Touren die Taxen fahren, sondern auch das, wo die Taxen stehen und woher sie ihre Aufträge bekommen. Ich habe nämlich bemerkt, dass Autos, die noch vor Kurzem fast ausschließlich von Flughafen und Bahnhof aus fuhren, stehen nun alle am Uniklinikum oder an Ständen, in deren Nähe sich Altersheime o.Ä. befinden. Bei uns werden Kranke und Senioren hauptsächlich auf Kosten der Gemeinden oder des Staates befördert.

In der Rezession (unsere Zentralbank hat uns für die kommeneden Monate die Leviten gelesen) sind viele Branchen auf den öffentlichen Sektor angewiesen, der Schulden macht, kräftigt investiert und so die Inlandsnachfrage anzukurbeln versucht. In schlechten Zeiten liegen viele Unternehmen auf der Tasche der Gesellschaft, und zu denen zählen freilich auch die Taxen.

17. August 2012



In dieser Woche bekam ich wieder in jeder Schicht eine etwas längere Tour. Die waren im Wert von 180 €, 135 € und 128 €. Die letzte Summe war das Ergebnis einer Fahrt nach Längelmäki. Davon habe ich leider kein Foto, aber ich denke, inzwischen glaubt ihr mir schon, wenn ich erzähle, dass ich eine Super-Tour erwischt habe. Um mein unglaubliches Glück mal zu unterstreichen, erwähne ich noch, dass als der Herr, der nach Längelmäki wollte, dabei war, die Autotür zu öffnen, wurde mir durch den Datafunk eine Fahrt nach Sastamala angeboten, die ich ablehnen durfte.

Ich werde erst morgen wieder arbeiten, habe jezt also anderthalb Tage frei. Ich fahre gleich mit den Kids nach Nokia zur Bad Eden, und da die Mutter meiner Kinder mit ihren Freunden ausgehen will, erwarte ich auch einen recht angenehmen freien Abend. Das ist, wenn die Kinder im Bett sind, versteht sich.

Zum Schluss möchte ich euch noch einen Blick in die Seelenlandschaft des finnischen Mannes ermöglichen. Ich denke, meine bloggende Nachbarin "Schmauseline" kann bestätigen, dass dieses Bild zumindest halbwegs das richtige ist. Hier gehts los, mit englischem Untertitel. 

Schönes Wochenende!

14. August 2012

Die Schule hat gestern begonnen. Davon profitieren auch die Tampreer Taxen, denn ein Teil der Schüler werden mit dem Taxi auf Kosten der Stadt in Schulen gebracht. Taxen, die Schüler befördern wollen, müssen laut Gesetz mit einem Alkometer ausgestattet sein. Alle Taxen sind das nicht, und deshalb dürfen in dieser Woche die, die einen haben, auch außerhalb der festgelegten Fahrzeiten arbeiten, damit keine Engpässe in Schülerbeförderung entstehen. Und was machen diese Geier? Die kommen ja auf Arbeit, aber lehnen dann in der Regel Schülefahrten ab, und fahren lukratievere Touren vom Bahnhof, Flughafen und Uniklinikum.

Eine Story zu der etwas anderen Geschichte, oder die Alternative, wie man eine sich anbahnende oder schon angekommene Krise zu managen versucht. 

Er stieg in mein Taxi ein am Bahnhof. Er war meines Alters, verheiratet mit drei Kindern, Haus und drum und dran. Die Frau war sehr nett, er hatte sich an sie gewöhnt. 10 Jahre waren sie schon zusammen. Aber er liebte sie nicht mehr. Als sie eines morgens im Bett ihm näher gekommen war, hatte das in ihm nur negative Gefühle geweckt. So war es schon lange gewesen. Er ging fremd. Und war schon mal erwischt worden. Aber nur einmal. Erwischt, heißt das, fremdgegangen war er schon öfters. Loslassen konnte er nicht. Er liebte ja seine Kinder über alles. 
"Aber du weißt ja, wie es ist."
Ja, das wusste ich. Am Ziel blieb ich noch kurz stehen und sah zu, als diese unglückliche Figur in ihr Haus stolperte. Ich wusste ganz genau, wie das war, wenn das kleine Etwas fehlte. Aber seinen Weg hatte ich nicht gehen wollen.

10. August 2012

Ich hatte in dieser Woche eine Kundin an Board, die alles dem Arbeitsleben geopfert hatte. Jahrelang rund um den Globus zu den unterschiedlichsten Meetings geflogen, Strategien entwickelt und sogar eigenes Unternehmen gehabt. 

Jetzt war sie in ihren Fünfzigern und im Frühjahr ohne Vorwarnung - so kommt das ja immer- an Leukemie erkrankt. Die härteste Phase der Behandlung hatte sie überstanden und es ging ihr schon besser. Kinder hatte sie keine. Es war damals eine bewusste Entscheidung gewesen, jetzt aber das Einzige, was sie im Leben richtig, richtig bereute.

8. August 2012

Ich war gestern eine Wohnung besichtigen, aber ich lehnte sie ab. 2 Z. + Küche, 65 Quadradmeter, 641 € monatlich inkl. Wasser. An sich OK, aber Erdgeschoss, teilweise unterirdisch, sehr dunkel. Habe gleich schlechte Vibes bekommen, wenn ich das einmal so modern ausdrücken darf. Bin gewiss kein Feng Shui-Mensch, aber ich finde trotzdem, dass bei der Wohnungssuche der Gefühlsaspekt schon zu berücksichtigen ist. Also, nein, danke.

Auch die Mutter meiner Kinder fand meine Entscheidung völlig nachvollziehbar. Schließlich will sie mich nicht möglichst bald in irgendeine unterirdische Hölle schieben, auch wenn sie allen Grund dazu hätte. Also warte ich, bis ich etwas anderes finde.

7. August 2012

Das Ren ist wirklich nicht besonders clever.


Fluss Teno gegen Mitternacht beim Dorf Dalvadas. Hier fließt er wesentlich ruhiger als in seinen unteren Teilen, wo mein Saisonauftakt stattfindet.


Fjell Rastigaisa auf der anderen Seite in Norwegen. Was mich immer begeistert in Lappland, sind die Schatten von Wolken, die über die Gebirge hinweg ziehen. 


Wieder bei der Arbeit.


... und es wurde noch besser.



Wieder da. Wer meine Tweets heute gelesen hat, der weiß bereits, dass ich wieder einen richtig guten Arbeitstag hatte. Vier Touren und mehr als 450€ Umsatz. Ich möchte meine Super-Touren hier im Blog weiter nicht kommentieren, denn ich weiß auch selber nicht, wie das möglich ist. Aber ich genieße sie einfach, solange der Glückszug anhält. Er wird schon ein Ende haben irgendwann.

Mehr als 300 Tage bis zur nächsten Lachssaison. Hart. Bevor es so weit ist, werde ich hoffentlich meinen Magister in Germanistik und Anglistik in der Tasche und entsprechende Lehrtätigkeit gefunden haben. Bis dahin fahre ich Taxi. Mir wurde eine Wohnung  angeboten, keinen halben Kilometer entfernt von hier. Ich gehe sie morgen besichtigen. Schön. Aber das bedeutet auch, das der harteste Tag meines Lebens noch kommt: der Tag, wo ich meinen Kindern sagen muss, dass der Papa auszieht. Mir wird allein beim Gedanken übel. Aber mit der Mutter meiner Kinder will ich keinen Tag mehr verbringen.